Claude-Entwickler Anthropic hat bei der US-Börsenaufsichtsbehörde SEC (Securities and Exchange Commission) vertraulich einen Antrag auf einen Börsengang in den Vereinigten Staaten gestellt. Das teilte das US-amerikanische KI-Unternehmen am Montag mit.
Anthropic gab weder das Volumen noch die Bedingungen des geplanten Börsengangs bekannt. „Dies [der Antrag, Anm.] gibt uns die Option, nach Abschluss der Prüfung durch die SEC an die Börse zu gehen. Der geplante Börsengang hängt von den Marktbedingungen und anderen Faktoren ab“, hieß es lediglich in der Mitteilung. „Die Anzahl der angebotenen Aktien und der Preis stehen noch nicht fest.“
Vertrauliche Anträge ermöglichen es Unternehmen, die Vorbereitungen für den Börsengang voranzutreiben und gleichzeitig sensible Finanzdaten vor Konkurrenten und der Öffentlichkeit zu schützen. US-amerikanischen Medien zufolge könnte der Börsengang von Anthropic bereits im Herbst erfolgen.
Börsengänge von SpaceX und OpenAI
Anthropics Ankündigung, an die Börse zu gehen, erfolgt kurz vor dem geplanten Rekord-Börsengang von SpaceX. Elon Musks Weltraumfirma will diesen am 12. Juni durchführen. Dabei will SpaceX bis zu 80 Milliarden US-Dollar bei Investoren einsammeln. Die hohen Kosten für die Entwicklung der Starship-Rakete bescherten dem Raumfahrtunternehmen zuletzt Milliardenverluste. Und auch ChatGPT-Entwickler OpenAI strebt an die Börse. Es wird erwartet, dass das Unternehmen schon bald den entsprechenden Antrag stellt.
Anthropic ist OpenAI nun überraschend zuvorgekommen. Analysten zufolge könnte sich Anthropic damit einen strategischen Vorteil gegenüber OpenAI verschaffen wollen. Beide Unternehmen konkurrieren um KI-Rechenleistung und -Talente, aber auch um das nötige Kleingeld, sprich Investorenkapital, für die KI-Entwicklung.
„OpenAI und Anthropic befinden sich in einem Wettlauf um den Börsengang, bevor ihnen das Kapital ausgeht“, so Gil Luria, Analyst bei dem Investmentunternehmen D.A. Davidson gegenüber der Nachrichtenagentur Reuters, – und bevor womöglich der KI-Boom etwas abkühlt.
Anthropic höher bewertet als OpenAI
Laut der US-Tageszeitung New York Times hat Anthropic mit einer neuen Finanzierung in Höhe von 65 Milliarden US-Dollar OpenAI als weltweit erfolgreichstes KI-Start-up überholt. So hat Amazon zugesagt, 25 Milliarden US-Dollar in Anthropic zu investieren; Google wird bis zu 40 Milliarden US-Dollar in Anthropic stecken. Anthropic kommt demnach auf eine Bewertung von knapp 900 Milliarden US-Dollar; OpenAI wurde zuletzt mit 730 Milliarden US-Dollar bewertet.
In die Schlagzeilen geriet Anthropic Anfang des Jahres, als das US-Kriegsministerium einen unbegrenzten Zugang zu Anthropics KI-Modell Claude verlangte und dem Unternehmen nach dessen Weigerung ein Ultimatum stellte. Die KI-Firma will es der US-Regierung nicht gestatten, die eigene KI-Technik für die Massenüberwachung der US-Bevölkerung zu nutzen oder Waffen zu entwickeln, die ohne menschliche Beteiligung feuern. Nach dem Bruch mit Anthropic schloss das Pentagon offenbar einen KI-Deal mit OpenAI.
Im April stellte Anthropic dann sein neues leistungsstarkes KI-Modell Mythos vor, das Sicherheitslücken in Softwaresystemen identifizieren und beheben kann. Dieses sei aber zu leistungsfähig und damit zu gefährlich für die Öffentlichkeit, beschied Anthropic. Stattdessen soll Claude Mythos Preview zunächst ausschließlich einer Reihe von Firmen zur Verfügung gestellt werden, die an IT-Sicherheit arbeiten. Daraufhin nahmen auch Anthropic und US-Regierung wieder Gespräche über eine Zusammenarbeit auf.
(akn)








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