Der Bundeskanzler bezweifelt, dass ein Sturz der Führung im Iran erreicht werden kann. Im Vorgehen des US-Präsidenten in dem Krieg sieht er eine bedrohliche Eskalation.
28. März 2026, 1:15 Uhr Quelle: DIE ZEIT, dpa, Reuters, eca
Bundeskanzler Friedrich Merz hat US-Präsident Donald Trump für sein Verhalten im Irankrieg kritisiert. "Was Trump da im Augenblick macht, ist nicht Deeskalation und der Versuch, da eine friedliche Lösung hinzubekommen, sondern eine massive Eskalation mit offenem Ausgang", sagte Merz auf einer Veranstaltung der Frankfurter Allgemeinen Zeitung. "Das sind Eskalationen, die schon bedrohlich sind. Nicht nur für die Betroffenen, sondern für uns alle."
Merz bezweifelte auch, dass ein Sturz der Führung im Iran erreicht werden könne. "Das ist meistens schiefgegangen", sagte der Bundeskanzler. Er sei nicht überzeugt davon, dass das Vorgehen der USA und Israel im Irankrieg zum Erfolg führen könne. "Zurzeit verstricken sich die Amerikaner und die Israelis in diesem Konflikt jeden Tag tiefer."
Zuvor hatte der US-Präsident Deutschland wegen der ausbleibenden Hilfe bei der Sicherung der Straße von Hormus kritisiert. Er habe es als "unangemessen" empfunden, dass von deutscher Seite geäußert worden sei: "Das ist nicht unser Krieg", sagte Trump während einer Kabinettssitzung im Weißen Haus. Der Satz stammt ursprünglich von Verteidigungsminister Boris Pistorius (SPD).
Merz kann sich Bundeswehreinsatz nach Kriegsende vorstellen
Merz sagte, dass die Formulierung von Pistorius ihm zu einfach sei. "Natürlich sind die Folgen dieses Krieges auch Folgen, die wir zu tragen haben, sehr unmittelbar", sagte der Bundeskanzler. Er verwies auf Raketen des Iran, die über 3000 Kilometer weit reichen und Europa treffen könnten.
Für die Zeit nach Ende des Krieges habe er Trump aber Hilfe bei der militärischen Absicherung der Straße von Hormus zugesagt, sagte Merz. Er könne sich konkret einen Einsatz der Bundeswehr zur Minenräumung vorstellen. Merz wies aber auch darauf hin, dass die Straße von Hormus derzeit "offensichtlich gar nicht vermint" werde. "Also wir diskutieren hier ziemlich theoretisch."
Der seit Ende Februar andauernde Krieg in Nahost hat die Lieferungen durch die Straße von Hormus, über die normalerweise etwa ein Fünftel der weltweiten Rohöl- und Flüssigerdgasversorgung transportiert wird, nahezu vollständig zum Erliegen gebracht. Die Internationale Energieagentur bezeichnete dies als die größte Unterbrechung der Ölversorgung aller Zeiten.
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