Die Angriffe auf den Iran hätten eine Chance auf Erfolg, finden deutsche Politiker. Russland kritisiert die USA, Libanon ist besorgt über eine Ausweitung des Konflikts.
28. Februar 2026, 10:49 Uhr Quelle: DIE ZEIT, Reuters, AP, AFP, dpa, sko
Die Angriffe des israelischen und des US-Militärs beunruhigen Verbündete wie Gegner des iranischen Regimes. "Das Auswärtige Amt beobachtet die Lage in Iran und Israel und der weiteren Region genau", sagte ein Sprecher des Auswärtigen Amtes der ZEIT. Es stehe in engem und ständigem Kontakt mit den Botschaften in der Region. Der Krisenstab der Bundesregierung trete um 12 Uhr im Auswärtigen Amt zusammen. Deutsche Staatsangehörige im Iran, Israel und der weiteren Region sollen den Anweisungen der lokalen Behörden zum Selbstschutz Folge leisten. Die Reise- und Sicherheitshinweise würden laufend aktualisiert.
Der Sprecher der Bundesregierung, Stefan Kornelius, teilt zudem mit, dass die Bundesregierung am Morgen über die Militärangriffe Israels auf den Iran vorab informiert worden sei. Bundeskanzler Friedrich Merz (CD) stimme sich mit den europäischen Partnern ab und tausche sich mit den Fachministern aus den sicherheitsrelevanten Ressorts aus.
Deutsche sehen Chance auf Regimewechsel
Deutsche Politiker sehen in dem Angriff eine Chance. "Der Iran hintergeht seit Jahren das internationale Atomabkommen und vermittelt den Eindruck, militärische Nuklearmacht zu werden", sagte der CDU-Außenpolitiker Roderich Kiesewetter t-online. Zugleich erkenne der Iran das Existenzrecht Israels nicht an, sondern wolle Israel vernichten. Hinzu komme "der kürzliche Massenmord und jahrzehntelange Terror der Mullahs an der eigenen Bevölkerung". Der Erfolg der Angriffe müsse sich auch daran messen, dass es "zu einem möglichen Systemwechsel im Iran und nicht zu einer Ausweitung des Krieges in der Region kommt".
Auch die FDP-Europapolitikerin Marie-Agnes Strack-Zimmermann äußerte Hoffnung auf ein Ende des autoritären Regierungssystems im Iran. "Gelingt es, das Mullah-Regime zu stürzen, wäre das für die Menschen im Iran, auch für die Menschen im Nahen Osten und darüber hinaus in Europa eine Chance eines friedlichen, gemeinsamen Neubeginns", sagte sie der Rheinischen Post. Die Frage sei aber zunächst, "wie erfolgreich der Präventivschlag" Israels und der USA sein werde.
Polen war informiert, Norwegen zeigt sich besorgt
Der polnische Premierminister Donald Tusk teilte nach Beginn der Angriffe mit, polnische Staatsbürger im Iran seien derzeit in Sicherheit, die Regierung sei aber "auf verschiedene Szenarien vorbereitet". "Die Einheit der Polen in Sicherheitsfragen ist heute besonders wichtig", schrieb Tusk auf X. Auch der polnische Präsident Karol Nawrocki wusste nach eigenen Angaben über die Angriffe Bescheid. "Dank der Kanäle, die wir zu unseren Verbündeten und Koalitionspartnern unterhalten, waren wir über die militärischen Maßnahmen Israels und der USA informiert", schrieb er auf X.
Norwegens Außenminister Espen Barth Eide schrieb dagegen, er sei zutiefst besorgt, dass nach den Angriffen ein neuer, umfassender Krieg im Nahen Osten beginne. "Der Angriff wird von Israel als Präventivschlag bezeichnet, entspricht jedoch nicht dem Völkerrecht. Präventivschläge erfordern eine unmittelbar bevorstehende Bedrohung", schrieb er in einer Stellungnahme an die Nachrichtenagentur Reuters. Er mahnte außerdem zur Zurückhaltung und dazu, die Suche nach diplomatischen Lösungen nicht aufzugeben.
Der stellvertretende Vorsitzender des Sicherheitsrates Russlands, Dmitri Medwedew, kritisierte US-Präsident Donald Trump wegen des Angriffs auf den Iran. "Der Friedensstifter hat wieder einmal sein Gesicht gezeigt", sagte er. "Alle Verhandlungen mit dem Iran sind eine Tarnoperation. Niemand hat daran gezweifelt. Niemand wollte wirklich über irgendetwas verhandeln." Zugleich machte er deutlich, dass er dem Iran ein längeres Durchhalten gegen die US-Angriffe zutraue.
Angst in der Region vor Ausweitung des Konflikts
Der libanesische Ministerpräsident Nawaf Salam sagte, er werde nicht akzeptieren, dass jemand "das Land in Abenteuer hineinzieht, die seine Sicherheit und Einheit gefährden", und richtete damit eine indirekte Botschaft an die vom Iran unterstützte libanesische Hisbollah-Miliz. Er wies auf die "ernsthaften Entwicklungen" in der Region hin und forderte "alle Libanesen auf, mit Weisheit und Patriotismus zu handeln und die Interessen des Libanon und des libanesischen Volkes über alle anderen Erwägungen zu stellen". Die ebenfalls mit Teheran verbündete Huthi-Miliz im Jemen hatte bereits neue Angriffe auf Israel und internationale Schiffe angekündigt.
Der Sohn des letzten iranischen Schahs und Figur des iranischen Widerstandes gegen das Regime, Reza Pahlavi, geht eigenen Angaben zufolge von einem baldigen Ende der Islamischen Republik aus. "Wir sind nahe an einem endgültigen Sieg", sagte Pahlavi, der in den USA im Exil lebt, in einer Video-Botschaft. "Ich möchte so bald wie möglich an Eurer Seite sein, damit wir zusammen uns den Iran zurückholen und wiederaufbauen können." Vorerst solle die iranische Bevölkerung aber nicht auf die Straße gehen. "Ich rufe Euch auf, in Euren Häusern zu bleiben und Eure Sicherheit zu schützen." Er werde Proteste ausrufen.
In der Nacht auf Samstag haben das israelische und das US-Militär Ziele im Iran angegriffen. Israels Verteidigungsminister Israel Katz nannte die Angriffe einen "Präventivschlag". US-Präsident Donald Trump kündigte einen "massiven und andauernden Einsatz" an. In mehreren iranischen Städten waren Explosionen und Rauch zu beobachten. Der Iran hat eigenen Angaben zufolge einen Gegenangriff auf Israel gestartet. Vieles ist bisher nicht absehbar.
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