Alexander Kluge über Habermas: Jetzt müssen wir in die Werkstatt zurück!

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Der Tod seiner Frau Ute im Jahr 2025 hat Jürgen Habermas den Boden unter den Füßen weggezogen. Beide lebten über sieben Jahrzehnte in Symbiose.

Der Tod von Jürgen Habermas trifft mich in einer Zeit, in der wir ihn mehr als je bräuchten in all seinen aktiven Jahren. Seine Formel „die Unheimlichkeit der Zeit“ war nie so deutlich lesbar wie in unserem Jahr. Wir leben in einer zerrissenen Welt. Unter dem Namen Dark Enlightment sammelt sich im Osten der USA dunkle Spiritualität. Habermas hat immer gesagt: Das müssen wir beantworten. Die Theorie und Philosophie muss in ihre Werkstätten zurück. Dafür hätten wir ihn dringend gebraucht.

Der Tod meines Freundes Jürgen Habermas setzt mich in Verwirrung und erfüllt mich mit Trauer. Es scheint so, als ginge eine Ära mit ihm zu Ende. Andererseits bin ich mir sicher, dass das, was Habermas an Verlässlichkeit ausstrahlte und was in seinem Riesenwerk – zuletzt dem zweibändigen Buch „Auch eine Geschichte der Philosophie“ – einen ungeheuren Schatz hinterlässt, von uns angeeignet werden muss. Ich glaube nicht, dass er uns Mutlosigkeit und Hoffnungslosigkeit vorschlägt. Vielmehr geht es um Gegenproduktion in einer gefährdeten Welt.

Ich trauere tief um meinen Freund Jürgen Habermas.

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