Aktien, Anleihen, Gold: Ist der Tech-Hype vorbei? So blicken Strategen auf das zweite Halbjahr an den Kapitalmärkten

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Am Montag erholten sich die Kurse immerhin wieder etwas. Experten in Banken und bei Fondsgesellschaften erwarten indes vorerst kein Ende des Tech-Hypes. Kapitalmarkstrategen gehen davon aus, dass die Aktienkurse in den kommenden Monaten noch weiter steigen. Das zeigen die Halbjahresausblicke vieler Häuser. Die Strategen weisen aber auch auf Warnsignale hin.

In den ersten sechs Monaten des Jahres haben international wichtige Aktienindizes bereits deutlich zugelegt. Damit liegen sie auf Kurs mit den Prognosen, die Banken und Fondshäuser Ende Dezember für das Jahr 2026 aufgestellt hatten.

Der breite US-Aktienindex S&P 500 hat seit Januar rund elf Prozent zugelegt. Der europäische Index Stoxx Europe 600 gewann rund acht Prozent und der Schwellenländerindex MSCI Emerging Markets sogar über 21 Prozent. Und das, obwohl der Krieg zwischen den USA und dem Iran mit der langen Sperrung der Straße von Hormus weltweit die Energiepreise und damit die Inflation in die Höhe trieb.

Das hat auch die Geldpolitik verändert. Die Europäische Zentralbank (EZB) hat ihre Leitzinsen bereits erhöht.

Und auch bei der US-Notenbank (Fed) rechnen viele Investoren nun mit Zinserhöhungen. Anfang des Jahres standen die Zeichen vor allem in den USA dagegen vor allem auf Zinssenkungen.

Diese Gemengelage belastete die Aktienmärkte indes nur kurz. Die steigenden Unternehmensgewinne vor allem im Tech-Bereich trieben die Aktienkurse auf neue Höchststände. Strategen gehen davon aus, dass dieses positive Momentum anhält.

Aktien: Gewinne stützen die Kurse

So sagt Neil Robson, Aktienchef beim US-Fondsanbieter Columbia Threadneedle Investments: „Der Ausblick für Aktien ist dank des aktuellen Gewinnwachstums positiv, selbst angesichts anhaltender geopolitischer Unsicherheiten.“

Die Deutsche Bank hat ausgerechnet, dass Analysten die globalen Gewinnschätzungen für die Unternehmen weltweit seit Januar um rund 370 Milliarden Dollar angehoben haben – vor allem getragen von Technologie- und Energiesektoren. Deshalb sieht die Deutsche Bank „momentan Potenzial am Markt“, wie Christian Nolting, globaler Chefanlagestratege der Privatkundenbank, sagt.

Joachim Schallmayer, leitender Kapitalmarktstratege bei der Sparkassenwertpapiertochter Dekabank, betont mit Blick auf die anstehende Berichtssaison in den USA: „Wir glauben, dass die Gewinndynamik der Unternehmen nach wie vor unterschätzt wird.“  Das gelte für die Hyperscaler genannten großen Cloud-Anbieter genauso wie für Unternehmen des Halbleitersektors.

Künstliche Intelligenz ist und bleibt der strukturelle Wachstumstreiber für Wirtschaft und Kapitalmärkte. Christian Nolting, Deutsche Bank

Die jüngsten Rücksetzer bei den Technologieaktien machen den Strategen bislang keine großen Sorgen. Nolting sagt: „Künstliche Intelligenz ist und bleibt der strukturelle Wachstumstreiber für Wirtschaft und Kapitalmärkte – und wir stehen erst am Anfang.“ Große US-Technologiekonzerne dürften ihre Investitionen der Deutschen Bank zufolge in diesem Jahr auf rund 725 Milliarden US-Dollar erhöhen und bis 2028 auf nahezu eine Billion US-Dollar ausweiten. Zudem spiele das Thema Energie eine entscheidende Rolle.

Tilmann Galler, Kapitalmarktstratege beim US-Haus JP Morgan Asset Management in Frankfurt, sieht das ähnlich: „Die Beträge, die aktuell in KI-Infrastruktur fließen, sind bereits heute größer als die Investitionen während der Einführung des Internets oder des Personal Computers (PC).“ Galler sieht einen „Superzyklus“, in dem die Gewinne der Unternehmen mit den Kursen mitziehen.

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Und wenn der KI-Hype endet? Anleger sollten mutig investieren

Voraussetzung dafür, dass die KI-Investitionen die Wirtschaft und die Börsen tatsächlich treiben, ist indes, dass sich die Investitionen auch langfristig lohnen. Zumindest bei den Hyperscalern macht der Markt nach Einschätzung der Deutschen Bank „dahinter inzwischen ein Fragezeichen“.

In der Tat sind die Aktien von Meta, Alphabet, Microsoft, Amazon und Oracle zuletzt gefallen. Ulrich Stephan, Chefanlagestratege der Privatkundenbank in Deutschland, sagt deshalb: „Wer nur auf die großen Namen setzt, wird das eigentliche Potenzial der KI-Revolution verpassen.“

Darauf deutet auch eine Auswertung der Landesbank Baden-Württemberg (LBBW) hin. Demnach gingen im S&P 500 zuletzt die jüngsten Rücksetzer der KI-Favoriten mit einem Aufholen anderer Titel einher. Von daher hat seit Januar wieder die Hälfte der Unternehmen im S&P 500 den Index geschlagen.

Euphorisch sind die Strategen dennoch nicht. Das gilt vor allem deshalb, weil die Aktienkurse in den vergangenen Jahren noch deutlicher gestiegen sind als die Gewinne der Unternehmen. „Aktienkursgewinne wie seit Mitte 2022 sind nicht zu erwarten“, sagt Christian Subbe, Chefanlagestratege beim Vermögensverwalter HQ Trust aus Bad Homburg.

Auch Thorsten Weinelt, Chefanlagestratege für Privat- und Firmenkunden bei der Commerzbank, betont: „Da die Bewertung vieler Märkte im historischen Vergleich immer noch hoch ist, sollte das Potenzial begrenzt sein.“ Die Commerzbank rechnet bis zum Ende des Jahres an den globalen Märkten mit einem Kursplus, das „eher bei fünf als bei zehn Prozent liegen sollte“.

Wichtige Aktienindizes bergen Klumpenrisiken

Allerdings erkennen Strategen auch konkrete Warnsignale an den Aktienmärkten. Eines davon ist die hohe Konzentration: So kommen laut Schallmayer von der Dekabank die zehn größten US-Börsenunternehmen auf etwa 40 Prozent der gesamten Marktkapitalisierung des S&P 500. Zu diesen Unternehmen gehören Nvidia, Apple, Microsoft, Alphabet, Broadcom, Micron Technologies, Meta und Tesla. Sie haben laut Dekabank im ersten Quartal etwa die Hälfte zum Gewinnwachstum des S&P 500 beigetragen.

Noch größer sind solche „Klumpenrisiken“ in den zuletzt besonders deutlich gestiegenen Aktienmärkten in Südkorea und Taiwan. Südkoreas Aktienindex Kospi wird von den Halbleiterherstellern Samsung und SK Hynx dominiert, in Taiwan entfällt ein Großteil des Taiex-Index auf den Auftragsfertiger TSMC.

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Der Kospi hat sich – trotz der jüngsten Rückschläge in diesem Jahr – bereits verdoppelt, nachdem er schon 2025 rund 75 Prozent zugelegt hatte. Der Taiex ist seit Januar um 55 Prozent in die Höhe geschnellt, nach einem Plus von 25 Prozent im vergangenen Jahr. Gerade in diesen beiden Märkten ist nach Ansicht von Schallmayer „jede Menge Spekulation drin“.

Inflation ist ein Belastungsfaktor

Ein weiteres Risiko bildet nach Aussage der Strategen der Irankrieg. Bis zu einem dauerhaften Frieden ist es noch ein weiter Weg. Am vergangenen Wochenende haben sich die USA und der Iran wieder gegenseitig angegriffen. Dabei spiegelt der Markt unverändert eine schnelle Normalisierung der Energieversorgung, der Energiepreise und der Inflation wider.

Die Kapitalmärkte haben dabei nach Ansicht von Robson von Columbia Threadneedle die Auswirkungen des Irankriegs und die damit verbundene Unsicherheit „weitgehend ausgeblendet“. Das gelte gerade auch für die gestiegene Inflation. Dabei ist der Anstieg der Verbraucherpreise laut Robson „nach wie vor ein zentraler Faktor, der die Politik der Zentralbanken, die Kostenstrukturen der Unternehmen und die Konsumausgaben beeinflusst“.

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Für Unsicherheit könnten zudem die im November anstehenden US-Zwischenwahlen sorgen. „Im Vorfeld der Wahlen dürfte der politische Stress zunehmen“, sagt Berndt Fernow, der bei der Landesbank Baden-Württemberg (LBBW) das Research für Privat- und Firmenkunden leitet. Die LBBW rechnet deshalb zwischenzeitlich mit einer Konsolidierung an den Aktienmärkten. Als Konsolidierung gelten an der Börse zwischenzeitliche Rückschläge um die zehn Prozent.

Auch Subbe von HQ Trust betont, dass die US-Zwischenwahlen für deutliche Schwankungen sorgen könnten. HQ Trust ist deshalb aktuell etwas vorsichtiger und hält etwas mehr Liquidität in den Portfolios als üblich. „Wir wollen gewappnet sein, wenn Aktien zurückfallen, um dann nachkaufen zu können“, sagt Subbe.

Gold: Strategen sehen Potenzial

Zumindest verhalten optimistisch sind die meisten Strategen auch mit Blick auf Gold. Anders als in früheren Phasen hat Gold in den vergangenen Monaten nicht von der geopolitischen Unsicherheit profitiert.

Der Preis des Edelmetalls ist nach Beginn des Irankriegs im März eingebrochen. Im Vergleich zum Jahresbeginn belaufen sich die Verluste auf etwa sieben Prozent. In den beiden Jahren davor war der Goldpreis um 112 Prozent in die Höhe geschnellt.

Für die kommenden Monate sieht Schallmayer von der Dekabank jedoch nach der Konsolidierung wieder Kurspotenzial für das Edelmetall. Die steigenden Schulden der Staaten bilden seiner Ansicht nach weiterhin ein wichtiges strukturelles Argument für Gold.

Auch die Deutsche Bank setzt weiter auf Gold. Die Experten begründen ihre Strategie unter anderem damit, dass Zentralbanken ihre Goldreserven weiter erhöhen dürften, um sich von US-Dollar-Anlagen unabhängiger zu machen. HQ Trust rät ebenfalls zu Gold und führt als Argument dafür auch steigende Nachfrage an: In vielen Schwellenländern seien physisches Gold und Goldschmuck als Teil der Altersvorsorge beliebt.

Anleihen: Renditen gelten als attraktiv

Bei Anleihen sehen die Kapitalmarktexperten bei Banken und Vermögensverwaltern weniger Kurschancen, betonen aber, dass die aktuellen Renditen wieder interessant seien.

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„Laufende Erträge sind zurück“, sagt zum Beispiel Stephan von der Deutschen Bank. Auch Subbe von HQ Trust sagt, dass Anleihen von Staaten und Unternehmen mit sehr guter bis ordentlicher Bonität wieder attraktiver geworden seien.

Deutsche Bundesanleihen werfen bei Laufzeiten von zwei bis zehn Jahren aktuell Renditen zwischen 2,5 und 2,9 Prozent ab. Anleihen von soliden Unternehmen bieten im Schnitt 0,8 Prozentpunkte mehr Rendite als Staatsanleihen. Zehnjährige Bundesanleihen und Unternehmensanleihen rentieren damit auf ähnlichem Niveau wie vor rund anderthalb Jahrzehnten.

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