Seit der Westen sich vor rund vier Jahren aus Afghanistan zurückgezogen hat, herrschen die islamistischen Taliban in dem Land. Die humanitäre Lage dort ist katastrophal – vor allem für Frauen und Mädchen. Ihnen werden grundlegende Gesundheitsleistungen vorenthalten. Zu diesem Ergebnis kommt ein Bericht des Uno-Sonderberichterstatters für die Menschenrechtslage in dem Land, Richard Bennett. Er sprach von einem »institutionalisierten System der geschlechtsspezifischen Diskriminierung«.
Ohne deutliche Besserung sollten ausländische Regierungen ihre Beziehungen zu den Machthabern nicht normalisieren. Gleichzeitig kritisierte der Experte massive Hilfskürzungen, die das schon brüchige Gesundheitssystem weiter schwächten. Die Art, wie Frauen und Mädchen die Selbstbestimmung über ihren eigenen Körper, ihre Gesundheit und ihre Zukunft verweigert und grundlegende Dienstleistungen vorenthalten würden, sei »ein weiterer Beweis dafür, dass die Taliban Verbrechen gegen die Menschlichkeit begehen«, sagte Bennett.
Die Verantwortlichen sollten zur Rechenschaft gezogen werden, auch mit einem noch zu definierenden Tatbestand der geschlechtsspezifischen Apartheid. Der Sonderbeauftragte rief vor allem islamische Staaten auf, die Strafverfolgung zu unterstützen. Alarmiert äußerte sich Bennett über das im Dezember 2024 eingeführte Verbot der medizinischen Ausbildung für Frauen. Dies habe langfristige Auswirkungen auf den Gesundheitssektor. Wenn der Bann aufrechterhalten werde, laufe das auf einen Femizid hinaus, warnte Bennett.
Zugleich würdigte er die Gesundheitsfachkräfte vor Ort. Sie zeigten »außergewöhnlichen Mut und Engagement« unter extrem schwierigen Bedingungen. Die internationale Gemeinschaft müsse ihnen zur Seite stehen, auch indem sie die Mittelkürzungen rückgängig mache und sich zu einer langfristigen, flexiblen und nachhaltigen Unterstützung verpflichte, sagte der Sachverständige.
Wie sehr Frauen in Afghanistan unter der Herrschaft der Taliban leiden, können Sie hier im SPIEGEL-Podcast »Acht Milliarden« nachhören.

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