Lea, AfD-Gegnerin:
»Leute. Wir laufen los. Es geht los. Ich bin sehr aufgeregt, aber wir schaffen das zusammen.«
Lea ist 22 Jahre alt und kommt aus Erfurt. Sie will heute den Parteitag der AfD stören.
Lea, AfD-Gegnerin:
»Die AfD ist super stark in Thüringen. Deswegen ist es natürlich umso wichtiger, laut zu sein. In Ostdeutschland ist ja oft das Narrativ: Ostdeutsche sind irgendwie alle rechts, alle Nazis.«
Lea, AfD-Gegnerin:
»Ich glaube, wir müssen die Leute einfach wieder abholen und ihnen zeigen, das ist keine Alternative. Ich glaube, viele durchblicken auch gar nicht, wie gefährlich diese Partei auch für sie selber ist."
Lea engagiert sich daher seit einigen Jahren und gründete die »Azubis gegen Rechts« in Erfurt. Heute hat sie sich dem Bündnis »Widersetzen« angeschlossen. Das will die Zufahrten zum Parteitag blockieren. Tausende Aktivistinnen und Aktivisten laufen deshalb schon in den frühen Morgenstunden Richtung Messegelände, wo die AfD sich versammeln will.
Lea, AfD-Gegnerin:
»Das erste Bild von einer Blockade … Das sieht stabil aus.«
Zwölf Blockadepunkte soll es laut dem Bündnis gegeben haben. Auf Autobahnen, Landstraßen und in der Stadt. Alle Zufahrtswege zur Messe seien blockiert worden. Die Aktivisten sind optimistisch, der Rechtsaußenpartei den Tag zu vermiesen. Auch Muntazar demonstriert gegen die AfD. Ihn trifft der Rechtsruck persönlich:
Muntazar, AfD-Gegner:
»Oft erfahre ich das auf der Straße, in der Straßenbahn, in Erfurt, dass ich angegriffen werde, beleidigt, mit dem N-Wort beleidigt werde, an meinen Sachen gezogen wird. Dass mir gesagt wird: Geh, wir brauchen euch nicht.«
Er hat Angst vor dem Erstarken der AfD:
Muntazar, AfD-Gegner:
»Wenn man die Demokratie beschützen muss, muss man auf die Straße gehen und muss was dagegen machen und nicht einfach sagen: Ich kann dann später abreisen oder ich kann Deutschland verlassen.«
Lea und ihre Gruppe stoßen währenddessen zu einer Blockade dazu, die eine zentrale Zufahrt zur Messe blockiert. Hier sitzt auch Klimaaktivistin Luisa Neubauer auf der Straße – mit anderen bekannten Aktivisten und Wissenschaftlern.
Luisa Neubauer, Aktivistin:
»Ich bin heute hier, nicht, weil ich denke: Jetzt überzeugen wir AfD-Wähler endlich, doch nicht zu wählen. Sondern ich bin hier mit einem Appell an die noch demokratische Mehrheit in diesem Land, die sich gerade gut überlegen muss, wie sie eine Mehrheit bleiben möchte.«
Ein paar Parteitagsbesucher versuchen, auf direktem Weg mitten durch die Blockade zu kommen. Da hilft nur Geleitschutz mit weißen Helmen. Für die Blockaden haben sie nur zynische Worte:
Teilnehmer Parteitag:
Sehr demokratisch hier alles. Ja. Dass man die Demokratie verhindern will durch Blockaden. Das Volk wählt schon das Richtige.«
Friedliche Sitzblockaden fallen grundsätzlich unter das Versammlungsrecht. Nicht vom Versammlungsrecht gedeckt, ist, was kurze Zeit später passiert: Aus dem Protest gegen die AfD heraus werden Mitarbeiter der rechten Medienplattform Apollo News angegriffen. Es fliegen Farbbeutel, die Opfer werden wohl getreten.
Mitarbeiter Apollo News:
»Wir haben ganz normale Pressearbeit gemacht. Und auf einmal ein riesen Mob kam voll auf uns zu, hat uns attackiert. Mit Sachen wurden wir beworfen, wurden getreten. Absolut Wahnsinn.«
Es folgt die Antwort der Polizei: Knüppel und Pfefferspray. Und der AfD-Bundesparteitag? Der kann derweil wie geplant beginnen. Die Polizei war sehr gut vorbereitet und die AfD anscheinend auch. Verhindern hat also nicht geklappt. Wie ist das für Lea und Muntazar?
Lea, AfD-Gegnerin:
»Ich habe trotzdem ein gutes Gefühl, weil wir eben schon gesagt, wir erschweren es trotzdem superkrass den AfDlern, heute hier eine gute Zeit in Erfurt zu haben und sich wohlzufühlen.«
Muntazar, AfD-Gegner:
»Wir brauchen diese Proteste jeden Tag. Dass die AfD das sieht, dass das nicht geht. Jeden Tag muss das sein.«
Zumindest heute ist der Protest groß: Laut Polizei versammeln sich allein beim Messegelände 15.000 Menschen, um so nahe wie möglich am Bundesparteitag gegen die AfD und gegen den Rechtsruck zu demonstrieren.

vor 23 Stunden
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