Zölle in den USA: Wirtschaft erwartet massive Belastung

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Nach der Bekanntgabe eines umfassenden Zollpakets durch US-Präsident Donald Trump haben mehrere deutsche Wirtschaftsverbände besorgt reagiert. »Die angekündigten Zölle sind ein beispielloser Angriff auf das internationale Welthandelssystem, freien Handel und globale Lieferketten«, sagte Wolfgang Niedermark, Mitglied der Hauptgeschäftsführung des BDI. Europas Wirtschaft dürfe nun nicht »zum Spielball geopolitischer Interessen werden«.

Niedermark forderte ein abgestimmtes Vorgehen der Europäischen Union mit anderen Handelspartnern. Die EU müsse nun »ihre Allianzen mit anderen großen Handelspartnern stärken«.

Entlastung für die deutsche Wirtschaft forderte der Generalsekretär des Zentralverbandes des Deutschen Handwerks (ZDH), Holger Schwannecke. »Dieser Zollhammer führt die Welt zurück in die handelspolitische Steinzeit. Deutschland und Europa müssen jetzt schnellstmöglich eine Antwort darauf finden«, verlangte der Generalsekretär des Zentralverbandes des Deutschen Handwerks (ZDH), Holger Schwannecke.

Union und SPD müssten bei ihren Koalitionsverhandlungen alles für die Wettbewerbsfähigkeit Deutschlands tun, forderte Schwannecke. »Höhere Steuern und Abgaben sind das Letzte, was die deutsche Wirtschaft in dieser Lage gebrauchen kann.«

Der Außenwirtschaftschef der Deutschen Industrie- und Handelskammer (DIHK), Volker Treier, sagte, die USA seien zwar Deutschlands wichtigster Handelspartner. »Die Lieferungen in die Staaten liegen allerdings bei weniger als zehn Prozent unserer Gesamtexporte. Wir sind auch auf anderen Weltmärkten gut vertreten.« Das sei jetzt auszubauen, etwa mit dem Mercosur-Abkommen mit südamerikanischen Staaten und einem Handelsabkommen mit Indien.

Autoindustrie besonders betroffen

Auch der Verband der Automobilindustrie (VDA) rechnet mit immensen Auswirkungen. Die Maßnahmen »markieren einen fundamentalen handelspolitischen Einschnitt«, sagte VDA-Präsidentin Hildegard Müller. »Die angekündigten Maßnahmen sind zudem eine massive Belastung und Herausforderung sowohl für die Unternehmen als auch die globalen Lieferketten der Automobilindustrie.«

Der Industriezweig ist besonders betroffen. Bereits Ende März hatte Trump Zölle in Höhe von 25 Prozent für nicht in den USA produzierte Autos angekündigt, diese sind nun in Kraft getreten. Deren Folgen seien noch schwer einzuschätzen, so Müller weiter. »Klar ist allerdings schon jetzt, dass diese Entwicklung weltweit negative Auswirkungen auf das Wirtschaftswachstum haben wird. Das wird auch Arbeitsplätze betreffen.«

Einem Bericht des »Wall Street Journal « zufolge hat Autobauer Volkswagen sogar die Auslieferung von Fahrzeugen aus dem mexikanischen Werk Puebla, die per Bahn in die USA gehen, vorübergehend gestoppt. Autos, die per Schiff aus Europa kommen, würden vorerst in den Häfen zurückgehalten, bis sich die Zollsituation stabilisiert habe. Fahrzeuge, die bereits vor Inkrafttreten der Zölle in die USA importiert wurden, sind nicht von dem Aufschlag betroffen.

VW will offenbar in Autohäusern auf »Importgebühr« hinweisen

Dem Bericht nach will VW in seinen US-Autohäusern zudem die neuen Autozölle auf den Preisschildern ausweisen. Bei Fahrzeugen, die von dem 25-Prozent-Zoll betroffen sind, solle am Fahrzeug auf eine mögliche »Importgebühr« hingewiesen werden, berichtet das Blatt unter Berufung auf eine interne Mitteilung an die Händler. Zur Höhe des Aufschlags und ab wann er gelten soll, machte VW noch keine Angaben.

Andere Unternehmen gehen hingegen vergleichsweise gelassen mit der Zollankündigung um. So sagte Anne-Marie Großmann, geschäftsführende Gesellschafterin der GMH Gruppe, zu der das Stahlwerk Georgsmarienhütte südlich von Osnabrück gehört, sie halte Zölle für »zweitrangig«. Lesen Sie hier  mehr dazu.

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