Das Zentrum für Osteuropa- und internationale Studien (ZOiS) ist laut eigener Aussage Opfer eines Cyberangriffs geworden. Das geht aus einer Mitteilung hervor, die dem SPIEGEL vorliegt. Der Vorfall soll sich bereits vor mehreren Wochen ereignet haben. Wie das Forschungsinstitut mitteilte, hätten die Angreifer dabei zu mindestens einem Zeitpunkt Zugang zu den Dateiservern des Instituts gehabt, und damit womöglich zu Personaldaten von Beschäftigten, Kooperationspartnern und Dienstleistern. In welchem Ausmaß tatsächlich Dateien entwendet wurden, könne nicht mit letzter Sicherheit ermittelt werden, so das Institut.
Die Urheber der Attacke seien bisher nicht bekannt. Jedoch hätten die Angreifer in einer Benachrichtigung an das ZOiS auf dessen angeblich »anti-russische Inhalte« verwiesen. Das ZOiS ist eine renommierte deutsche Forschungseinrichtung, die zu Osteuropa arbeitet und regelmäßig Beiträge zum russischen Angriffskrieg gegen die Ukraine sowie zu Entwicklungen in Russland publiziert. Dafür kooperiert das Institut auch mit Menschen mit russischer Staatsbürgerschaft. Diese sieht es durch den Angriff besonders gefährdet.
»Wir haben uns entschieden, die Nachricht vom Vorfall und seine möglichen Konsequenzen, deren Ausmaß wir – wie auch bei anderen Cyberattacken – nie mit Sicherheit benennen werden können, zu teilen«, sagte die Wissenschaftliche Direktorin des Instituts, Gwendolyn Sasse, dem SPIEGEL. Jegliche Kooperation mit dem Institut könnte aus der Sicht des russischen Staates für russische Staatsangehörige eine Strafe nach sich ziehen, so Sasse. Hintergrund ist, dass das ZOiS in Russland seit 2023 als »unerwünschte Organisation« gilt. Der Kreml verwendet dieses und ähnliche Label, um Kritiker zu diskreditieren.
Wie genau es zu dem Vorfall kommen konnte, ob etwa Mitarbeitende des ZOiS auf eine Phishingmail reagierten, sei unklar, so Sasse. »Es könnte über Phishing oder einen anderen Weg gewesen sein, bisher ließ sich hier nichts ermitteln.« Das Institut warnte mögliche Betroffene mit einer Mail, in der es unter anderem dazu riet, bei E-Mails und darin enthaltenen Links aufmerksam zu sein. Auch Bankbewegungen sollten Betroffene regelmäßig prüfen, hieß es.
Das ZOiS hat den Vorfall laut eigener Aussage bei den zuständigen Sicherheitsbehörden angezeigt und arbeite mit spezialisierten Dienstleistern zusammen, um die Attacke aufzuklären. Als wissenschaftliches Institut, das aus öffentlichen Mitteln finanziert wird, sehe das ZOiS die Attacke »auch als Angriff auf den deutschen Staat«, so Sasse.

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