Zinsplattform: Raisin startet Kinderdepots – und wirbt mit einem Steuer-Trick

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In etwas mehr als einem halben Jahr startet die Frühstartrente. Von da an soll jedes Kind ab sechs Jahren vom Staat monatlich zehn Euro für die private Altersvorsorge erhalten. Nachdem schon seit Langem etablierte Broker wie die Consorsbank oder die ING spezielle Kinderdepots anbieten, offerieren jetzt auch immer mehr Fintechs Geldanlageprodukte für den Nachwuchs. Trade Republic und Scalable Capital werben bereits seit dem vergangenen Jahr mit Kinderdepots. Nun zieht ein weiteres Fintech nach: Raisin.

Viele Nutzer dürften Raisin vor allem als Zinsplattform kennen, über die sie Tages- und Festgeldangebote verschiedener Banken abschließen können. Darüber hinaus bietet das Berliner Fintech aber auch eine eigene Vermögensverwaltung über ETFs an. Schon im Januar hatte Raisin angekündigt, ein eigenes Kinderdepot einzuführen. An diesem Dienstag startet das neue Angebot. Kommen die Berliner damit nicht zu spät zur Party?

Nein, findet jedenfalls Kim Felix Fromm, der als Investmentchef bei Raisin die Kinderdepots verantwortet. „Bisher hat kein Anbieter die hohen Freibeträge richtig genutzt, von denen insbesondere Kinder profitieren“, sagt Fromm der WirtschaftsWoche. „Dabei lässt sich damit die Rendite sehr gut optimieren.“ Genau das verspricht Raisin – und will mit Steueroptimierung ein Alleinstellungsmerkmal setzen.

Kinder können 13.384 Euro steuerfrei kassieren

Dazu muss man wissen: Jeder Anleger kann Erträge in Höhe von 1000 Euro pro Jahr steuerfrei vereinnahmen. Dieser Sparerpauschbetrag gilt auch für den Nachwuchs. Weil Kinder in der Regel keine Einkünfte erzielen, profitieren sie außerdem noch vom Grundfreibetrag von derzeit 12.348 Euro. Insgesamt können sie also Kapitalerträge – auch inklusive 36 Euro Sonderausgaben-Pauschale – in Höhe von 13.384 Euro einstreichen, ohne auch nur einen Cent Abgeltungssteuer zahlen zu müssen. Raisin wirbt damit, dass in 18 Jahren in der Spitze bis zu 241.000 Euro steuerfrei vereinnahmt werden können.

Gerade bei langen Laufzeiten wie es bei Kinderdepots üblich ist, rentiert sich die Steueroptimierung Kim Felix FrommCIO Raisin

Um die Freibeträge für den Nachwuchs voll auszuschöpfen, bräuchte es ein Depot mit einem deutlich sechsstelligen Vermögen. Auf den ersten Blick wirkt das Raisin-Kinderdepot also eher wie ein Angebot für wohlhabende Investoren. Diesen Einwand will CIO Fromm aber zerstreuen: „Gerade bei langen Laufzeiten, wie es bei Kinderdepots üblich ist, rentiert sich die Steueroptimierung aber – auch für kleinere Depots.“

Denn: Auch bei kleinen monatlichen Einsparungen kann über Jahre und Jahrzehnte ein ansehnliches Depot heranwachsen. Wer aber nie seine Freibeträge nutzt, muss beim späteren anteiligen oder Komplettverkauf einen deutlich größeren Teil des Gewinns versteuern. Der Freibetrag ist dann schnell aufgebracht, vor allem, sobald eigenes Gehalt eingeht. Denn: Freibeträge gelten nur für ein Steuerjahr. Sie können nicht übertragen werden.

Geldanlage

Drei Grafiken zeigen die Renditewucht eines Kinderdepots

Die Bundesregierung will mit der Frühstartrente Eltern zur Geldanlage für ihre Kinder animieren. Wer das Staatsgeld selbst aufstockt, kann den Nachwuchs vermögend machen. von Philipp Frohn

Ein Beispiel verdeutlicht den Steuereffekt: Eltern investieren jeden Monat 150 Euro für ihre Kinder in einen breit gestreuten ETF, der mit sieben Prozent pro Jahr rentiert. Die jährliche Vorabpauschale bleibt unberücksichtigt. Einfachheitshalber zeigt das Beispiel den Steuervorteil auch nur für Jahre, bei denen der Ertrag über 1000 Euro liegt. Eltern können für ihre Kinder einen Freistellungsauftrag einrichten, sodass der Broker Steuern auf Gewinne abführt, die den Sparerpauschbetrag übersteigen.

Es gibt einen Haken

Ab dem siebten Jahr liegt der jährliche Gewinn darüber. Solange die Kinder keine anderen Einkünfte haben, können in dem Beispiel durch Steueroptimierung 4424 Euro mehr vereinnahmt werden. Dieser Betrag wäre ansonsten durch die Abgeltungssteuer aufgefressen worden.

Der Vorteil kann – so Raisin – noch größer sein: Die realisierten Gewinne sollen nicht ausgeschüttet, sondern wieder reinvestiert werden. Das soll einen weiteren positiven Nebeneffekt bringen. Die Erträge sollen dafür genutzt werden, um die ursprünglich ausgewählte Portfolioallokation wiederherzustellen. Weil sich ETFs und Aktien unterschiedlich entwickeln – während einige sinken, steigen andere –, entfernt sich das Portfolio von der anfänglichen Gewichtung. Um das zu verhindern, sollen mit den Gewinnen neue ETF-Anteile gekauft werden. Im Fachjargon nennt man das Rebalancing.

Konkurrenten wie Trade Republic und Scalable Capital werben damit, dass es für ausgewählte Kinderdepots bei ihnen keine laufenden Gebühren gibt. Da kann Raisin nicht mithalten: Mit ETFs des Anbieters Vanguard sollen die Kosten für die Kinderdepots bei 0,2 Prozent pro Jahr liegen. Anders als bei den Neobrokern sind diese aber in eine Vermögensverwaltung integriert. „Mit der Steueroptimierung lassen sich die laufenden Kosten für die Vermögensverwaltung wieder reinholen und mehr Rendite erzielen“, verspricht Fromm.

Einen Punkt müssen Eltern bei der Steueroptimierung von Kinderdepots aber berücksichtigen: Wenn Kinder mehr als 565 Euro monatlich verdienen – auch über Kapitalerträge –, können sie nicht mehr beitragsfrei in der gesetzlichen Krankenkasse mitversichert sein.

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