Bislang unterstrich Matej Kovar nicht, dass er nächste Saison Bayers Nummer 1 sein könnte. Während die Verantwortlichen eine Entscheidung in Abrede stellen, sprechen ihre Taten eine andere Sprache. So bekommt der Tscheche auch im Pokal-Halbfinale in Bielefeld keine Chance.

Seit seiner schwachen Leistung in der Champions League in München führte Matej Kovars Weg nur noch auf Leverkusens Ersatzbank. IMAGO/Maximilian Koch
Es ist das nächste bittere Signal für Matej Kovar. Leverkusens Trainer Xabi Alonso hat sich vor dem Pokal-Halbfinale in Bielefeld am Dienstag dazu entschieden, dass Kapitän Lukas Hradecky das Tor des Double-Gewinners hüten wird. Der Spanier vertraut in dieser wichtigen Partie also dem 35-jährigen Routinier und nicht dessen im Sommer 2023 als potenziellen Thronfolger verpflichteten Konkurrenten.
Eine Entscheidung, die aufgrund der zuletzt verlässlichen Leistungen Hradeckys in den vergangenen drei Partien sportlich nachvollziehbar ist. Aber eben auch eine Entscheidung, die für Kovar den nächsten Tiefschlag für seine Ambitionen in Leverkusen bedeutet. Schließlich hatte er bislang in allen DFB-Pokal-Spielen der Werkself von Xabi Alonso das Vertrauen geschenkt bekommen.
Am Dienstag geschah dies aber nicht. Seinen Status als Pokal-Keeper ist Kovar damit los, nachdem er nach seiner schwachen Leistung bei der 0:3-Niederlage im Hinspiel des Achtelfinales in der Champions League bei Bayern München schon im Rückspiel nur noch auf der Bank hatte Platz nehmen dürfen. Zuvor hatte Kovar in den jüngsten fünf Partien in der Königsklasse - auch gegen Top-Teams wie Inter oder Atletico - jeweils in der Startelf gestanden.
Hatte man diese Entscheidung gegen Kovar damals mit Wohlwollen eine Woche nach dessen kapitalen Patzer in München, als er das 0:2 verschuldet hatte, indem er eine harmlose Flanke durch die Händen hatte rutschen lassen, noch als Schutzmaßnahme werten können, um Kovar aus der Schusslinie der Kritiker zu ziehen, so erscheint dies nun in einem anderen Licht.
Das genauso gut möglich gewesene Signal, den Tschechen dennoch zu nominieren, setzte Xabi Alonso damals nicht. So hat Kovar nicht nur in der Champions League, sondern auch im DFB-Pokal seinen Status verloren. In der Bundesliga ist Hradecky ohnehin gesetzt, spielte dort bis Mitte Januar nur einmal (am 3. Spieltag gegen Leipzig) nicht, weil er krank fehlte. In diesem Kalenderjahr bekam Kovar einzig vor seinen Champions-League-Auftritten bei Atletico Madrid und in München im Vorfeld einen Einsatz im deutschen Oberhaus, um nicht ohne jeden Spielrhythmus in diese Top-Spiele zu gehen.
Dass Xabi Alonso jetzt auch beim Pokalspiel bei Drittligist Arminia Bielefeld nicht auf Kovar vertraut, ist das nächste Signal, dass sich Bayer auf dessen Position verstärken möchte. Darauf deuten von außen betrachtet fast alle Indizien seit Wochen hin. Kovar, in Tschechiens Auswahl gesetzt, möchte diesen Status ab der kommenden Spielzeit innehaben. Doch die Leistungen des 24-Jährigen bei Bayer 04 belegen diesen Anspruch bislang nicht.
Bayer sondiert den Torhüter-Markt
Dass der Double-Gewinner den Markt sondiert, hat Geschäftsführer Simon Rolfes - wenn auch mit der Einschränkung, dass dies grundsätzlich auf allen Positionen geschehe - bereits eingeräumt. Dies geschieht äußerst intensiv. Seine Aussage zur Torwartfrage ("Es ist noch keine Entscheidung gefallen") bekommt mit jedem Spiel, in dem Xabi Alonso auf Kovar verzichtet, immer mehr den Anstrich, von rein taktischer Natur geprägt zu sein. Um Kovars Marktwert nicht zu schmälern und den 2023 für eine Ablöse von fünf Millionen Euro plus Boni von Machester United geholten Tschechen nicht öffentlich zu demontieren.
Dies geschieht am Ende durch Xabi Alonsos Entscheidungen gegen Kovar, auch wenn der Baske noch am Montag dessen Entwicklung als positiv bezeichnet und erklärt hatte, dass Kovars Fehler in München keinen Grund darstelle, diesen nicht mehr in die Startelf zu berufen. Eine Aussage, bei der 43-Jährige übrigens nicht geflunkert haben muss.
Schließlich stellt aus Sicht der Verantwortlichen nicht Kovars Verhalten bei Flanken, sondern dessen schlechte Risikoabwägung im Spiel mit dem Fuß das entscheidende Thema dar. Als Kovar, der gegenüber Hradecky der deutlich bessere Fußballer ist, im Pokal-Viertelfinale gegen den 1. FC Köln (3:2 n. V.) im eigenen Fünfmeterraum ins Dribbling ging, rügte ihn Xabi Alonso dafür öffentlich.
Bei Kovars nächstem Einsatz beim 2:0 in Kiel hielt sich der Tscheche gemäß den Worten seines Trainers - auch weil es auf dem holprigen Kieler Geläuf eine taktische Vorgabe war - mit riskanten Pässe komplett zurück, spielte meist lang nach vorne. Auch beim seinem folgenden Einsatz in der Königsklasse in München, als Bayer das Münchner Angriffspressing überspielen wollte, setzte Kovar diese Anweisung anfangs konsequent um - um sich dann aber in der Schlussphase doch wieder zu zwei riskanten Dribblings hinreißen zu lassen.
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Der Fakt, dass Kovar in jener Schlussphase, in der Bayer zudem in Unterzahl agierte, die taktische Vorgabe nicht mehr befolgte, könnte somit viel schwerer gewogen haben als sein Aussetzer bei der Flanke vor dem 0:2. Der kicker schrieb damals: "Auch wenn in diesen Situationen kein Schaden entstand, wirkt diese "Todessehnsucht", die Kovar in solchen Momenten zu erfassen scheint, verstörend oder wirft zumindest grundsätzliche Fragen auf." Diese hat Xabi Alonso offenbar negativ beantwortet.
Dass der Trainer der Frage nach Kovars Perspektiven als Nummer 1 für die kommende Saison am Montag noch ausgewichen war und stattdessen dessen Entwicklung gelobt hatte, ist genauso verständlich wie Rolfes' Aussagen. Möchte Bayer 04 doch mit Blick auf die sieben verbleibenden Bundesligaspiele und die Restchance auf den Titel sowie das angepeilte Pokal-Finale keine Unruhe erzeugen. Womit die widersprüchlichen Signale auch gut zu erklären wären.
Stephan von Nocks