Beim World Press Photo Contest gibt es eine Vorauswahl in sechs Weltregionen, die jeweils Einzelbilder (»Singles«), Fotostrecken (»Stories«) und Langzeitprojekte auszeichnen. In der Region Nord- und Zentralamerika ging der Preis in der Kategorie »Long-Term Project« an César Rodríguez für seine Arbeit über den Klimawandel in Mexiko. Das Land ist besonders anfällig für extreme Klimaereignisse, 52 Prozent seines Territoriums liegen in der trockenen oder sehr trockenen Zone. Hier im Bild die Folgen einer Überschwemmung im August 2024 im zentralmexikanischen Chalco.
Foto: César Rodríguez / Norwegian Red Cross / SNCA / The New York Times
Der Fotograf Ethan Swope dokumentierte für die Nachrichtenagentur AP die Brände, die im Januar 2025 die Region um Los Angeles verheerten. 18.000 Gebäude wurden zerstört und 200.000 Einwohner wurden zur Flucht gezwungen. Hier im Bild wird eine Bewohnerin eines Seniorenheims in Altadena evakuiert. Waldbrände setzen enorme Mengen an giftigen Partikeln und Kohlenmonoxid frei und verursachen schwere Atemwegserkrankungen. Swopes Serie über »Los Angeles on Fire« wurde in der Kategorie »Stories« ausgezeichnet.
Foto: Ethan Swope / AP
Für den »Miami Herald« beobachtete die vierfache Pulitzerpreisträgerin Carol Guzy, wie in einem New Yorker Bundesgerichtsgebäude die US-Einwanderungsbehörde ICE Personen ohne Aufenthaltsgenehmigung direkt nach ihren Anhörungen festnahm. Diese aggressive Vorgehensweise führte häufig zu traumatisierenden Familientrennungen. In diesem Bild aus Guzys Fotoserie ist ein Sicherheitsmann zu sehen, der Zeuge einer solchen Trennung wird. Das örtliche Sicherheitspersonal findet sich oft zwischen den Fronten von ICE, verzweifelten Familien und Demonstrierenden wieder.
Foto: Carol Guzy / Zuma Press / iWitness / Miami Herald
In der Kategorie »Stories« stammt eine der drei aus Europa ausgezeichneten Fotoserien von Sanna Sjöswärd. Sie porträtierte für die schwedische Zeitung »Östgöta Correspondenten« die magersüchtige ehemalige Ballerina Engla Louise. Mit 46 Jahren wiegt sie weniger als 25 Kilogramm und wird seit 2019 über eine Magensonde ernährt. Forscher beschreiben Anorexie zunehmend als eine Erkrankung, die sowohl Körper als auch Geist betrifft. Ihre Ursachen – die noch nicht vollständig verstanden sind – sollen neurobiologische, genetische und umweltbedingte Faktoren umfassen. Sjöswärds Projekt zielt darauf ab, die Diskussion über die Versorgung von Menschen mit schweren Essstörungen zu erweitern.
Foto: Sanna Sjöswärd / Corren
Im Haus im Wiesengrund im schwäbischen Albershausen fand die deutsche Fotografin Paula Hornickel ihr in der Kategorie »Singles« ausgezeichnetes Motiv: Pflegeheimbewohnerin Waltraud und ihre Gesprächspartnerin Emma, ein Sozialroboter, der im Rahmen eines Pilotprojektes dort eingesetzt wurde. »Wenn sie Witze erzählt, das ist wirklich gut. Das ist genau mein Humor« sagt Waltraud über Emma. Menschlicher Kontakt sei dem Roboter aber stets vorzuziehen.
Foto: Paula Hornickel
Ebenfalls in der europäischen Einzelbildkategorie prämiert wurde dieses Foto von Evgeniy Maloletka für die Agentur AP. Es zeigt die 65-jährige Valeria Syniuk, die im Schlaf von einer russischen Rakete überrascht wurde, die das gegenüberliegende Gebäude zerstörte. Am 24. April 2025 startete Russland einen der heftigsten Angriffe auf Kyjiw seit Beginn des Einmarschs in die Ukraine im Jahr 2022. Nur Stunden nach dem Scheitern von internationalen Friedensverhandlungen trafen Raketen und Drohnen mindestens fünf Wohnviertel, töteten 13 Menschen und verwundeten 90 weitere.
Foto: Evgeniy Maloletka / AP
In der Region »Asien-Pazifik und Ozeanien« ist Aaron Favila einer der Preisträger in der Kategorie »Stories«. Für seine Fotoserie hat er das Brautpaar Jade Rick Verdillo und Jamaica Aguilar bei ihrer Hochzeit unter erschwerten Umständen begleitet. Denn kurz vor dem Hochzeitstermin des Paares traf der Tropensturm Wipha auf die Region Bulacan auf der philippinischen Hauptinsel Luzon. Überschwemmungen sind nicht selten in der in einem Flussdelta gelegenen Gegend. Und so ließ sich das Paar vom Hochwasser nicht stoppen und feierte trotzdem seine Eheschließung.
Foto: Aaron Favila / AP
Im November 2025 brach in einer Hochhaus-Wohnanlage im Norden Hongkongs ein Großbrand aus. Mr. Wong war einer der Bewohner des Wang Fuk Courts. Fotoreporter Tyrone Siu von der Nachrichtenagentur Reuters nahm den verzweifelten Schrei des Mannes auf, der kurz zuvor mit seiner im Gebäudekomplex gefangenen Ehefrau telefoniert hatte. Das Bild ist in der Kategorie »Singles« ausgezeichnet.
Foto: Tyrone Siu / REUTERS
Zum Auftakt des jüdischen Lichterfests Chanukka hielten sich mehr als 1000 Menschen am Bondi Beach bei Sydney auf, als zwei Täter das Feuer auf zahlreiche Mitglieder der jüdischen Gemeinde eröffneten. Zu den 15 Todesopfern des antisemitischen Angriffs zählten Boris und Sofia Gurman. Die Fotojournalistin Edwina Pickles, für den »Sydney Morning Herald« vor Ort, dokumentierte die Überwältigung einer Polizistin angesichts des Schreckens, der sich ihr darbot – preiswürdig in der Kategorie »Singles«.
Foto: Edwina Pickles / The Sydney Morning Herald
In der Weltregion »West-, Zentral- und Südasien« wurde in der Kategorie »Stories« eine Fotoserie ausgezeichnet, die der palästinensische Fotograf Saher Alghorra für die »New York Times« im Gazastreifen aufnahm. Im Bild zu sehen ist das karge Ramadan-Fastenbrechen von Tamer Hassan al-Shafei und seiner Familie in dem, was von ihrem Haus in Beit Lahia noch übrig geblieben ist.
Foto: Saher Alghorra / The New York Times
Ebenfalls bei den »Stories« ausgezeichnet ist die Fotoserie von Elise Blanchard, die für das »Time«-Magazin in Afghanistan dokumentierte, welche Folgen die Kürzungen bei der Entwicklungshilfsbehörde US Aid haben. 422 Gesundheitseinrichtungen im Land mussten schließen, darunter auch diese Geburtsklinik im abgelegenen Daikundi. Dabei hat das Land sowieso schon eine der höchsten Müttersterblichkeitsraten der Welt.
Foto: Elise Blanchard / Time
In der Kategorie »Singles« wurde ein Foto von Yasir Iqbal für das Magazin »Outlook India« ausgezeichnet. Es zeigt Sanam Bashir, 21, die bei der Beerdigung ihrer Mutter vor Trauer zusammenbricht. Die 45-jährige Nargis Begum war einer Mörsergranate zum Opfer gefallen, die während der Kampfhandlungen in der indisch-pakistanischen Grenzregion Kaschmir explodiert war. Erst am 10. Mai kam es auf internationalen Druck zum Waffenstillstand.
Foto: Yasir Iqbal / Outlook India Magazine
Das prämierte Langzeitprojekt aus Südamerika befasst sich mit den Auswirkungen von Giften in der Landwirtschaft. Im Jahr 1996 genehmigte Argentinien gentechnisch veränderte Sojabohnen in Verbindung mit glyphosatbasierten Herbiziden – in drei Jahrzehnten schnellte der Einsatz von 40 Millionen auf 580 Millionen Liter jährlich in die Höhe. Obwohl Studien ein erhöhtes Risiko für Krebs und angeborene Fehlbildungen feststellten, werden die Vorschriften weiter gelockert. Fotograf Pablo E. Piovano dokumentiert den menschlichen Preis eines Wirtschaftsmodells, das den Profit über das Leben der ländlichen Bevölkerung stellt.
Foto: Pablo E. Piovano / Manuel Rivera-Ortiz Foundation / Philip Jones Griffiths Foundation / Lawen.doc
Ebenfalls in Argentinien entstand die in »Stories« ausgezeichnete Fotoserie von Tadeo Bourbon über das südamerikanische Land unter der Herrschaft von Javier Milei. Sie ist im Magazin »Mu« erschien. Dieses Bild zeigt die Festnahme von Armenpriester Jorge »Chueco« Romero bei einer Demonstration von Rentnern gegen die Sozialkürzungen des ultralibertären Präsidenten.
Foto: Tadeo Bourbon / Revista Mu
In der Kategorie »Singles« wurde dieses Bild von Santiago Arcos für die Agentur Reuters ausgezeichnet. Ehemalige Mitspieler betrauern den jugendlichen Fußballer Ismael Arroyo – einer von vier afro-ecuadorianischen Jungen zwischen 11 und 15 Jahren, die im Dezember 2024 nach dem Fußballtraining verschwunden waren. Lange versuchte die Regierung jede Beteiligung zu leugnen, doch am Ende kam ans Licht, dass Polizeitruppen die Jungs im Zuge einer Aktion gegen Bandenkriminalität getötet und ihre Leichen verbrannt hatten.
Foto: Santiago Arcos / REUTERS
Die Regionaljury für Afrika hat den Preis für das beste Langzeitprojekt an den Ägypter Mohamed Mahdy vergeben. Unter dem Titel »Moon Dust« erzählt der Fotograf mit Bildern die Geschichten der Bewohner von Wadi El-Qamar, auch »Mondtal« genannt. Dort, westlich von Alexandria, leben 30.000 Menschen in der Nähe einer Zementfabrik, deren giftiger Staub ihnen gesundheitlich schwer zusetzt. Awady, hier im Bild, kam mit einer Asthmaerkrankung zur Welt. »Jeden Tag habe ich Angst, dass ich nicht mehr Fußball spielen kann«, sagt er.
Foto: Mohamed Mahdy / Arab Documentary Photography Program
In der »Stories«-Kategorie wurde »Farīsāt: Gunpowder’s Daughters« ausgezeichnet, eine Fotoserie der Italienerin Chantal Pinzi. Sie dokumentierte Reiterinnen, die an der marokkanischen Reittradition Tbourida teilnehmen. Sie reicht zurück ins 16. Jahrhundert: Reiterstaffeln galoppieren im Gleichklang und feuern dabei Gewehre in einer Art Kavallerie-Choreografie ab. Erst seit einer Gesetzänderung im Jahre 2004 dürfen auch Frauen dabei sein, heute gibt es sieben Reiterinnenstaffeln.
Foto: Chantal Pinzi / Panos Pictures
»Wenn Riesen fallen« hat der südafrikanische Fotojournalist Halden Krog sein Bild betitelt, das in der »Singles«-Kategorie ausgezeichnet wurde. Es zeigt eine Elefantenfamilie, die in einem Wildpark in Simbabwe von professionellen Jägern erschossen wird. Die Regierung des Landes genehmigte 2025 den Abschuss von 50 Elefanten zur Bestandsregulierung. Die Dürre treibe Elefanten auf der Suche nach Nahrung und Wasser in engeren Kontakt mit Menschen, die wachsende Population überfordere das Land. Tierschutzorganisationen bestreiten eine Überpopulation und kritisieren die Elefantenjagd.
Alle ausgezeichneten Bilder und Serien finden Sie auf der World-Press-Photo-Website .
Foto: Halden Krog / Daily Mail

vor 2 Stunden
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