Wolfram Weimer – Deutscher Buchhandlungspreis: Kulturstaatsminister sagt Preisverleihung ab

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Die Verleihung des renommierten Deutschen Buchhandlungspreises findet in diesem Jahr nicht statt. Das erklärte ein Sprecher des Kulturstaatsministers Wolfram Weimer. Demnach würde die Debatte über die Nichtberücksichtigung von drei Juryvorschlägen den Sinn der Veranstaltung zunehmend überlagern. »Eine angemessene Würdigung der Preisträgerinnen und Preisträger scheint in einem solchen Kontext kaum noch möglich«, heißt es in der Erklärung .

Weimer hatte drei linke Buchhandlungen von der Preisverleihung ausgeschlossen. Ein Sprecher Weimers begründete dies gegenüber der »Süddeutschen Zeitung«  mit »verfassungsschutzrelevanten Erkenntnissen«, die man über die Buchhandlungen habe. Und erklärte dann, dass man diese Erkenntnisse über das sogenannte Haber-Verfahren erhalten habe. Damit können Ministerien und Bundesbehörden beim Verfassungsschutz nachfragen, ob Erkenntnisse über Personen oder Organisationen vorliegen, die Fördergelder beantragt haben.

Bei den Buchhandlungen handelt es sich um die »Schwankende Weltkugel« in Berlin, »The Golden Shop« in Bremen und die »Rote Straße« in Göttingen. Alle drei Buchhandlungen sind linksorientiert. Und alle drei haben die Auszeichnung in vergangenen Jahren bereits erhalten. Die »Schwankende Weltkugel« gewann sogar schon mindestens fünfmal.

Der Ausschluss sorgte für Empörung. Die Autorin und Journalistin Sara Weber, 2024 selbst Teil der Jury, sprach von einem »skandalösen Eingriff in die Presse- und Kunstfreiheit«. Die Kritik entbrannte auch an der Intransparenz der Entscheidung; das Haber-Verfahren erlaubt dem Verfassungsschutz nämlich nur, der nachfragenden Behörde mitzuteilen, ob über eine Organisation »Erkenntnisse« vorliegen – aber nicht, um welche Erkenntnisse es sich handelt.

Weimer hat das offenbar gereicht, um die Buchhandlungen von der Liste zu streichen (mehr dazu lesen Sie hier ).

Jury wählt bis zu 118 Kandidaten

Für den Buchhandlungspreis können sich alle unabhängigen Buchhandlungen bewerben. Eine jährlich wechselnde Jury aus Branchenvertretern wählt daraus bis zu 118 Kandidaten, die dann dem Beauftragten der Bundesregierung für Kultur und Medien (BKM) vorgelegt werden. Bisher hatte die Behörde diese Liste immer durchgewinkt, die ausgezeichneten Buchhandlungen erhielten ein offizielles Prädikatssiegel und eine Geldprämie von bis zu 25.000 Euro.

Auch in diesem Jahr soll der Preis verliehen werden. Nur die Veranstaltung soll nicht stattfinden. »Die ausgewählten Buchhandlungen werden Preisgeld und Urkunde auf direktem Wege erhalten«, sagte ein Sprecher von Weimer. »Die Bekanntgabe der Hauptpreise wird in gesonderter Form erfolgen.«

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