Weltgipfel für Kernenergie in Paris: Von der Leyen nennt Abkehr von Atomkraft einen "strategischen Fehler"

vor 2 Stunden 1

Die EU-Kommissionspräsidentin hat Investitionen in Atomtechnologien angekündigt und den geplanten Atomausstieg kritisiert. Emmanuel Macron plant, Atomenergie auszubauen.

10. März 2026, 12:18 Uhr Quelle: DIE ZEIT, Reuters, dpa, AFP,

 EU-Kommissionspräsidentin Ursula von der Leyen und Frankreichs Präsident Emmanuel Macron werben auf dem Kernenergiegipfel in Paris für mehr Investitionen.
EU-Kommissionspräsidentin Ursula von der Leyen und Frankreichs Präsident Emmanuel Macron werben auf dem Kernenergiegipfel in Paris für mehr Investitionen. © Abdul Saboor/​pool/​AFP/​Getty Images

Auf dem Weltgipfel für Kernenergie in Paris hat EU-Kommissionspräsidentin Ursula von der Leyen die Abkehr von der Atomkraft als einen "strategischen Fehler" bezeichnet. Sie bedauerte den gesunkenen Anteil an Atomkraft am europäischen Energiemix. "Ich glaube, dass es für Europa ein strategischer Fehler war, einer zuverlässigen, bezahlbaren Quelle für emissionsarmen Strom den Rücken zu kehren", sagte sie. An dem Gipfel in Paris nehmen etwa 40 Staaten teil.

Zugleich kündigte von der Leyen künftige Risiko-Absicherungen in Höhe von 200 Millionen Euro für private Geldgeber an, die in neue Atomtechnologien investieren. Die Mittel dafür würden aus dem EU-Emissionshandel kommen. "In den letzten Jahren erleben wir eine weltweite Renaissance der Kernenergie. Und Europa will an dieser Renaissance teilhaben", sagte von der Leyen.

Die EU lege eine neue europäische Strategie für kleine modulare Reaktoren vor. "Unser Ziel ist einfach: Wir wollen, dass diese neue Technologie in Europa bis Anfang der 2030er Jahre einsatzbereit ist", sagte von der Leyen. Die kleinen Reaktoren sollten neben den herkömmlichen Kernreaktoren bestehen. Um die Entwicklung der Mini-Atomkraftwerke voranzutreiben, sollten Vorschriften über die Grenzen hinweg angeglichen werden, da die Kooperation über die europäischen Grenzen hinweg von entscheidender Bedeutung sei.

Macron will Atomenergie für KI nutzen

Auch Frankreichs Präsident Emmanuel Macron warb in seiner Grundsatzrede für einen Ausbau der Atomenergie. Dafür müssten neue Finanzierungsmöglichkeiten geschaffen werden, sagte Macron. "Wir müssen es schaffen, diese Projekte besser zu finanzieren, sowohl konventionelle als auch innovative Atomvorhaben." Staatliche Hilfen und Fördermechanismen müssten EU-weit verbessert werden, "um den Erfolg neuer Nuklearvorhaben ebenso sicherzustellen wie den der erneuerbaren Energien", sagte er und wiederholte damit die Forderung, Atomenergie und erneuerbare Energien gleichzustellen.

Frankreich kann Macron zufolge den Energiebedarf für Rechenzentren und Künstliche ​Intelligenz über Atomstrom decken. Das Land habe im vergangenen Jahr 90 Terawattstunden dekarbonisierten ⁠Strom exportiert. "Dank unserer Kernkraftwerke sind wir in der Lage, Rechenzentren zu eröffnen, Rechenkapazitäten aufzubauen und uns an der Herausforderung der künstlichen Intelligenz zu beteiligen", sagte Macron.

An dem Gipfel in Paris nehmen im Laufe des Tages auch Vertreter aus 40 Staaten teil. Atomstrom gilt vielen vor allem seit der schwierigeren Versorgung mit Öl und Gas als alternative Energie. Nach dem jüngsten Angriff der USA und Israels auf ​den Iran sind etwa die Öl- und Gaspreise deutlich gestiegen. Erklärtes Ziel der EU ist es, die EU-Staaten und ihre Wirtschaft unabhängiger von importierten fossilen Brennstoffen zu machen.

Gesamten Artikel lesen