Wegen KI-Einsatz: „Tagesspiegel“ suspendiert einstigen Chefredakteur

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„Tagesspiegel“ suspendiert einstigen Chefredakteur

12.06.2026, 15:03Lesezeit: 1 Min.

Das Gebäude des „Tagesspiegel“ am Askanischen Platz in Berlin

Weil er Artikel von der KI schreiben ließ, muss der frühere „Tagesspiegel“-Chef Stephan-Andreas Casdorff seinen Job als „Editor at-Large“ aufgeben. Das teilte die Zeitung am Freitag mit.

Der ehemalige Chefredakteur und Herausgeber des „Tagesspiegel“, Stephan-Andreas Casdorff, der zuletzt als „Editor at-Large“ wirkte, wird „bis auf Weiteres nicht mehr für den ,Tagesspiegel‘ publizistisch aktiv werden“. Das teilte die Zeitung am Freitag in eigener Sache mit. Es sei bekannt geworden, dass er „Meinungstexte durch eine Künstliche Intelligenz verfassen“ ließ.

KI sei für die Redaktion „ein Werkzeug, das uns hilft, einzelne redaktionelle Arbeitsschritte zu vereinfachen und auch zu verbessern“, schreibt die Chefredaktion. Sie sei aber „definitiv kein Mittel, das den Kern unserer Arbeit übernehmen darf. Die journalistische Urteilsbildung, die Gewichtung von Informationen, die analytische Einordnung und die sprachliche Gestaltung müssen immer in der Verantwortung der Autorinnen und Autoren liegen.“ Deshalb könne „KI nicht die Aufgabe übernehmen, ganze Texte zu verfassen. Das ist eindeutig ein Verstoß gegen unsere redaktionellen Richtlinien, die intern klar kommuniziert und für alle verbindlich sind.“

Daher gebe es keinen anderen Schritt, „als die publizistischen Aktivitäten von Stephan-Andreas Casdorff bei uns bis auf Weiteres zu beenden“. „Ich habe einen Riesenfehler gemacht, habe dem Haus geschadet und mir“, wird Casdorff zitiert. „Dafür bitte ich von ganzem Herzen um Entschuldigung. Für die Texte habe ich KI genutzt. Das hätte ich kenntlich machen müssen und sie deswegen nicht publizieren dürfen.“

Herausgekommen ist Casdorffs KI-Einsatz offenbar durch eine Anfrage, die der „Plagiatsjäger“ Stefan Weber am Mittwoch an Casdorff gerichtet hatte. Weber gab ihm 48 Stunden Zeit für eine Antwort. Casdorff räumte den KI-Einsatz ein, daraus zog der „Tagesspiegel“ Konsequenzen.

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