»Verkehrsgünstig gelegen« wäre eine Untertreibung: Nur Zentimeter von den Tischen der Straßencafés entfernt tuckert ein Zug durch die enge Gasse, die durch das Zentrum der vietnamesischen Hauptstadt Hanoi führt. Der 400 Meter lange Abschnitt ist ein Hotspot für Touristen, weil man hier so beeindruckende Bilder für Instagram machen kann. An Wochenenden fahren hier bis zu elf Züge am Tag.
Den Behörden ist die 1902 erbaute Zugtrasse ein Dorn im Auge: Immer wieder kommt es zu gefährlichen Situationen – 2022 überlebte ein koreanischer Besucher nur knapp, als er beim Fotografieren von einem Zug erfasst wurde. 2025 kam ein Tourist, der ein Selfie machen wollte, nur knapp an einem Unfall vorbei. Bereits 2019 hatte die vietnamische Regierung über ein Jahr lang versucht, die Straße für Touristen abzusperren – aber sie kamen trotz Polizeibarrikaden und Verordnungen.
Ende Februar einigten sich das Bauministerium und das Volkskomitee von Hanoi darauf, weniger Züge auf der Strecke einzusetzen, um das Risiko zu verringern – und gleichzeitig den Fotospot in reduzierter Form zu erhalten. Bis Juli soll der Verkehr deutlich eingeschränkt werden, vor allem sollen keine Personenzüge mehr durch die Gasse fahren. Ob das ausreicht, ist jedoch fraglich.
2017 war der Ort auf Social Media viral gegangen. Zu Hunderttausenden finden sich mittlerweile Fotos und Videos der pittoresken Gasse mit ihren bunten Laternen. Vorher fand hier noch normales Leben statt, wie die BBC in einem Reisebericht schreibt . Anwohner parkten ihre Motorroller neben den Gleisen, draußen wurde auf Gasherden gekocht. Dann kamen die Touristen und mit ihnen eine Flut von Cafés und Coffeeshops, die aus der ungewöhnlichen Lage Profit schlagen. Manche Betreiber stellen Tische und Stühle sogar auf die Gleise und räumen sie schnell weg, wenn ein Zug kommt. 2023 zog die Regierung die Notbremse und zwang die Geschäfte zur Schließung. Die BBC zitiert den Cafébetreiber Le Tuan Anh, der die Schließung beklagte: »Hier hat es noch nie bedauerliche Unfälle gegeben«, sagte er. »Im Vergleich zur Verkehrsdichte anderswo in der Stadt ist es hier viel sicherer.«
Es hatte es bereits verschiedene Schließungsversuche gegeben: zuerst 2019, dann 2022 und zuletzt 2025 nach einem Vorfall, bei dem ein Tourist, der ein Selfie machen wollte, beinahe von einem herannahenden Zug erfasst wurde. Zwischen den Zugankünften werden Polizeibarrikaden errichtet und es wurden Verordnungen an Reiseveranstalter und Barbesitzer erlassen. Guides wurden Exkursionen verboten. Die Touristen kommen trotzdem.

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