Der Generalbundesanwalt hat offenbar Anklage gegen die mutmaßliche Ex-RAF-Terroristin Daniela Klette erhoben. Wie das Recherchenetzwerk aus „Süddeutscher Zeitung“, NDR und WDR berichtet, soll die 67-Jährige Anfang der 1990er Jahre an drei Anschlägen der früheren linksextremistischen Terrororganisation „Rote Armee Fraktion“ beteiligt gewesen sein.
Der oberste Chefankläger der Bundesrepublik wirft ihr demnach versuchten Mord in 23 Fällen, die Herbeiführung einer Sprengstoffexplosion sowie erpresserischen Menschenraub vor. Klette soll zunächst als Teil der „Kämpfenden Einheit Febe Elizabeth“ und später als Mitglied der Kommandoebene der RAF an den Anschlägen mitgewirkt haben. Für ihre Mitgliedschaft in der RAF kann sie indes nicht mehr belangt werden, weil die Straftat seit 2018 verjährt ist. Die RAF hatte sich 1998 aufgelöst.
Klette war im Februar 2024 in Berlin festgenommen worden, nachdem sie dort mehr als zwei Jahrzehnte unter falschem Namen gelebt hatte. Sie gehörte der sogenannten dritten Generation der RAF an und steht im niedersächsischen Verden bereits wegen mehrerer mutmaßlicher Raubfälle vor Gericht, die sie gemeinsam mit ihren weiterhin flüchtigen Komplizen Burkhard Garweg und Ernst-Volker Staub begangen haben soll. Ein Urteil in ihrem Prozess wird nach Ostern erwartet.
Die Anklage des Generalbundesanwalts betrifft drei Taten: Klette soll im Februar 1990 am versuchten Bombenanschlag auf ein Verwaltungsgebäude der Deutschen Bank in Eschborn bei Frankfurt am Main beteiligt gewesen sein. Der Sprengsatz deponierte damals nicht. Anderenfalls hätten drei Sicherheitsleute ums Leben kommen können.
Zudem geht es um die 250 Schüsse, die am 13. Februar 1991 auf die US-Botschaft in Bad Godesberg abgegeben worden sind. Der Generalbundesanwalt geht laut „SZ“ von 20-fachem Mordversuch aus, weil zahlreiche Botschaftsmitarbeiter dabei hätten sterben können.
Zuletzt wird Klette beschuldigt, auch am Sprengstoffanschlag auf die JVA Weiterstadt 1993 mitgewirkt zu haben. Damals brachte das RAF-Kommando zwar zuvor das Wachpersonal in Sicherheit, die Sprengsätze verursachten aber einen Schaden von 63 Millionen Euro. Auch Garweg und Staub seien damals beteiligt gewesen, heißt es.
Die Ermittler stützen sich laut den Berichten auf Haare von Klette, die an allen drei Tatorten gefunden worden seien. Klettes Verteidiger kritisieren derweil, die Anklage beruhe wesentlich auf Aussagen eines Ex-V-Manns, der in den 90ern die RAF ausspioniert habe. Der Mann habe selbst zugegeben, „früher viel gelogen“ zu haben, sagten sie den Medien auf Anfrage. Die Bundesanwaltschaft äußerte sich zu dem Verfahren zunächst nicht. (Tsp)

vor 2 Stunden
1











English (US) ·