Gibt es die G7 trotz Trump & Rubio noch? : An seinem Gründungsort ringt der westliche Staatenclub ums Überleben

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Ein altes Kloster mitten im Wald, die Mauern der ehemaligen Wirtschaftsgebäude von Efeu umrankt, und trotzdem nur etwas mehr als eine halbe Autostunde vom Pariser Flughafen Orly entfernt: Es gibt schlechtere Orte, um wichtige globale Entscheidungsträger zu einem Gedankenaustausch zu versammeln.

Gastgeber Frankreich hat an diesem Donnerstag und Freitag zum G7-Außenministertreffen hierher in die Nähe von Rambouillet eingeladen. Es ist nicht das nahegelegene Schloss von damals, wo im November 1975 die Staats- und Regierungschefs der größten westlichen Industrienationen zu ihrem Premierentreffen zusammenkamen. Groß sind die Fußstapfen dennoch, in denen der deutsche Gast Johann Wadephul (CDU) wandelt.

Valéry Giscard d’Estaing war der erste Gastgeber

Die großen Namen von damals waren Frankreichs Staatspräsident Valéry Giscard d’Estaing, der unter anderem Bundeskanzler Helmut Schmidt, den britischen Premier Harold Wilson und den amerikanischen Präsidenten einlud. Hinzu kamen die Regierungschefs aus Italien und Japan, womit tatsächlich die sechs größten Industrienationen der Welt um den Tisch versammelt waren. Kanada kam ein Jahr später hinzu.

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Schlechtes Wetter empfing Außenminister Johann Wadephul (CDU) am Donnerstag nach der Landung in Paris-Orly.

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Die Reminiszenz an Gründungsort und Geschichte des westlichen Staatenclubs ist natürlich kein Zufall in einer Zeit, in der dieser Zusammenhalt mit Donald Trumps US-Administration auf die härteste aller bisherigen Proben gestellt wird. „Getreu dem Gründungsgipfel von Rambouillet im Jahr 1975 möchte Frankreich demonstrieren, dass die aus der ersten Ölkrise geborenen G7 eine gemeinsame Vision globalen Wohlstands teilen.“

Die Bundesregierung erwartet, dass wir bei den Themen, die wir hier behandeln, insbesondere den Iran und die Ukraine, eine abgestimmte Politik betreiben.

Außenminister Johann Wadephul beim G7-Treffen in Frankreich

Der vom französischen Außenminister Jean-Noël Barrot verbreitete Satz ist trotz seiner diplomatischen Gestelztheit gerade jetzt an politischer Explosivität kaum zu überbieten. Denn Washington scheinen die ökonomischen Folgen des amerikanisch-israelischen Krieges gegen den Iran gerade längst nicht so stark zu interessieren, wie das bei den traditionellen Verbündeten der Fall ist.

Während die eigene Bevölkerung schon jetzt unter den Preisen an den Tankstellen leidet, kündigen sich wegen der von Teheran gesperrten Seeschifffahrtsstraße von Hormus nun sogar echte Lieferengpässe an – nicht nur beim Sprit.

Wie weit ein gemeinsames politisch-ökonomisches Verständnis gerade in der Ferne liegt, verdeutlichen auch Wadephuls Worte, als er in der Abtei Vaux-de-Cernay eintrifft. Denn seine Erwartungen an das Treffen, dass man dort „eine gemeinsame Position“ zum Iran-, aber auch zum Ukraine-Krieg erarbeiten und „eine abgestimmte Politik“ betreiben könne, heißt ja nichts Anderes, als dass das bisher nicht der Fall ist.

Auch die Äußerungen der EU-Außenbeauftragten Kaja Kallas deuten darauf hin, wie verzweifelt die traditionellen US-Verbündeten mittlerweile über den Atlantik blicken. Oder warum ist es so schwer, den Amerikanern den Widerspruch zu erklären, dass sie Russland einen Sanktionsrabatt geben, obwohl Moskau dem Iran Geheimdienstinformationen und Drohnen liefert, die amerikanische Soldaten angreifen.

Rubio lässt sich nur kurz blicken

Der Adressat dieser Erwartungen ist in diesem Format der amerikanische Chefdiplomat Marco Rubio, Donald Trumps Außenminister und nationaler Sicherheitsberater in Personalunion. Er gilt den Europäern und auch Wadephul gemeinhin als ihr verlässlichster Partner in Washington.

US Secretary of State Marco Rubio, flanked by President Donald Trump (R) and Interior Secretary Doug Burgum (L), speaks during a cabinet meeting in the Cabinet Room of the White House in Washington, DC, on March 26, 2026. (Photo by Jim WATSON / AFP)

Kabinett mit Donald Trump (rechts) und Innenminister Doug Burgum (links) – Marco Rubio weilte am Donnerstag noch in Washington und wurde erst am Freitag in Frankreich erwartet.

© AFP/JIM WATSON

Aber auch er hat trotz eines teilweise freundlicheren Tons auf der Münchner Sicherheitskonferenz gezeigt, dass er die Politik der Trump-Administration umsetzt und nicht etwa heimlich gegen sie arbeitet. Es ist auch Rubio, der noch kurz vor der Wahl in Ungarn Viktor Orban einen Besuch in Budapest abstatten will, der gerade das EU-Finanzpaket für die Ukraine blockiert hat.

Für die Rolle, die Rubio dem G7-Treffen und den Bedenken der dort versammelten Kolleginnen und Kollegen beimisst, ist bezeichnend, dass er nur am Freitag vorbeischaut. Zwar stehen auch erst dann die Ukraine und der Iran auf der Tagesordnung, während am Donnerstag „nur“ die internationale Ordnung und eine Reform der Vereinten Nationen diskutiert wurde. Die Prioritätensetzung sendet ebenfalls ein klares Signal – so wie sein Chef Trump den G7-Gipfel vergangenes Jahr in Kanada frühzeitig verlassen hat.

Den scheinen die G7 auch immer nur dann zu interessieren, wenn er Kremlchef Wladimir Putin anbieten kann, sie wieder zu einer G8-Runde auszubauen, wie sie es von 1997 bis 2014 mit Russland waren. Die G7 kämpfen an ihrem Gründungsort weiter um ihr Überleben.

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