Mitte des 19. Jahrhunderts reist eine Frau aus Wien in den Dschungel von Sumatra. Dort leben die Batak, angeblich gefährliche Menschen, die Marco Polo einst als „menschenfressendes Bergvolk“ bezeichnet hatte. Pfeiffer wird vor der Reise gewarnt, doch die gut 50-Jährige schreibt angeblich an ihre Familie in Wien: „Ich hoffe, mein Fleisch wird ihnen schon zu alt sein, sie lassen mich gewiss laufen.“ Sie überlebt den Besuch und berichtet später von einer „beachtlichen Gastfreundschaft“.
Ida Pfeiffer wurde am 14. Oktober 1797 in Wien als Ida Laura Reyer geboren; ihr Vater Aloys war Kaufmann. Schon als Kind las sie Reiseberichte und träumte davon, an Expeditionen teilzunehmen. Sie weigerte sich, Mädchenkleider zu tragen und war beim Spielen mit ihren fünf Brüdern angeblich „die Wildeste“, wie Michael Horowitz in seinem Buch „Wiener Originale“ schreibt. Zunächst heiratete sie einen 24 Jahre älteren Rechtsanwalt, bekam zwei Söhne und war Hausfrau.
Im März 1842, im Alter von 44 Jahren, unternahm sie ihre erste Reise – die Söhne waren aus dem Haus und der Mann war verstorben. Es ging von Kairo nach Skandinavien, von China nach Madagaskar. Wie ihr Vorbild Alexander von Humboldt, mit dem sie eine Brieffreundschaft pflegte, suchte sie nach seltenen Pflanzen und Tieren – und brachte diese mit nach Wien. Die Wissenschaft dankte es ihr und benannte einige Tiere nach Ida Pfeiffer, etwa eine Heuschrecke, die Myronides pfeifferae getauft wurde, oder einen Wasserfrosch aus Madagaskar namens Rana idae. Um ihre Expeditionen zu finanzieren, schrieb Pfeiffer zahlreiche Artikel – unter anderem für Wiener Zeitschriften – und 13 Reisebücher, die in sieben Sprachen übersetzt wurden.
Ida Pfeiffer unternahm in 16 Jahren fünf mehrjährige Reisen, sie legte angeblich 240 000 Kilometer auf See und 32 000 Kilometer an Land zurück. Lustige Anekdoten erzählen davon, dass sie sich als Mann verkleidete oder Angreifer mit Regenschirmhieben vertrieb. Manchmal wurde es aber richtig gefährlich: Einmal wurde sie von einer grausamen Königin auf Madagaskar gezwungen, über die Sümpfe des Regenwalds das Land zu verlassen. Pfeiffer überlebte nur knapp.
Eine Reise kostete sie schließlich das Leben. Ida Pfeiffer starb mit 61 Jahren an den Folgen einer Malariainfektion, die sie sich in Südostasien zugezogen hatte. Sie wurde auf dem Friedhof von St. Marx im 3. Wiener Bezirk begraben und 34 Jahre später auf den Zentralfriedhof umgebettet; Pfeiffer erhielt dort als erste Frau ein Ehrengrab. Seit 2008 gibt es im 3. Bezirk den Ida-Pfeiffer-Weg.












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