Der menschliche Körper ist seit Jahrtausenden eines der Hauptmotive der Kunstgeschichte. Je weiblicher, nackter und plakativer, desto besser. Die Österreicherin Valie Export dagegen wollte Körper eine andere Sprache sprechen lassen, sie erfand eine völlig neue Körperrhetorik. Sie war originell, mutig und in der Lage, die Gesellschaft, inklusive der Kunstszene, mit ihren eigenen Klischees entweder zu amüsieren oder zu schockieren. Sie selbst sagte, sie habe bei den Leuten die »Fantasien durchzischen« lassen.
Valie Export, deren Geburtsname Waltraud Lehner lautete, kam 1940 in Linz zur Welt, am Donnerstag starb sie in Wien. Sie gehört zu den wenigen Künstlerinnen ihrer Generation, die in dieser lange so dominant männlich geprägten Szene durchaus Aufmerksamkeit erhielten. Wenngleich sie immer wieder auch Hass erlebte und angesichts ihrer brillant provokanten Ideen selbst von denen, die sie schätzten, nicht ausreichend gewürdigt wurde.
Der SPIEGEL berichtete übrigens 1969 zum ersten Mal über die Künstlerin, nachdem Besucher eines Avantgardeevents sie durch ein sogenanntes »Tapp- und Tastkino« anfassen durften: »Die Wiener Verfechterin neuer Kunstformen trug einen Blechkasten an der bloßen Brust, und Gäste waren geladen, durch die Röhre beide Hände nach Valie auszustrecken.«
Dem Artikel zufolge verlas ihr damaliger Lebens- und Arbeitspartner Peter Weibel im Anschluss ein Manifest, in dem er »Schwanz raus« sowie »Exhibitionisten an die Macht« forderte und das Publikum mit Wasser besprühte, »wer sich widersetzte, den trafen Valies Peitschenhiebe«. So sollten »Staatsbürger zu Menschen« zusammengeschlagen werden. Man darf Exports Beiträge auch als durchaus kritische Reaktion auf den Wiener Aktionismus verstehen, dessen Vertreter sich selbst als genialisch vermarkteten, Frauen aber immer noch in den Hintergrund drängten und dabei einen eigenen Chauvinismus etablierten.

vor 1 Stunde
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