US-Zölle: Was wir über Trumps Zollandrohung wissen

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US-Präsident Donald Trump will die Einfuhr-Zölle für Autos und LKW aus Europa in die USA auf 25 Prozent erhöhen. Was bedeutet das? Und wie reagiert die EU?

Aktualisiert am 2. Mai 2026, 12:16 Uhr Quelle: DIE ZEIT, dpa, Reuters,

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 Auf solche Fahrzeuge sollen in den USA bald 25 Prozent Einfuhrzoll erhoben werden
Autos aus der EU im Hafen von Bremerhaven: Auf solche Fahrzeuge sollen in den USA bald 25 Prozent Einfuhrzoll erhoben werden © David Hecker/​Getty Images

Seit Monaten streiten USA und EU über die Höhe von Einfuhrzöllen, jetzt hat US-Präsident Donald Trump auf seiner Onlineplattform die Lage eskaliert: Er kündigte an, die Zölle auf Auto- und Lastwagenimporte aus der Europäischen Union auf 25 Prozent zu erhöhen – das solle schon ab der kommenden Woche gelten.

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Was ist der Auslöser für Trumps Entscheidung?

Hier muss man wohl unterscheiden zwischen den Gründen, die Trump benennt – und denen, die ihn sonst noch antreiben. Der US-Präsident sagt: »Sie haben sich nicht an die Vereinbarung gehalten, die wir getroffen haben« – und meint damit mutmaßlich die EU. Mitte August 2025 hatten sich Trump und EU-Kommissionspräsidentin Ursula von der Leyen in einem Rahmenabkommen auf eine Zollobergrenze von 15 Prozent geeinigt, nachdem Trump schon damals zeitweise mit Zöllen in Höhe von 30 Prozent gedroht hatte.

Die Obergrenze von 15 Prozent gilt seither für die meisten EU-Warenimporte in die USA, auch für europäische Autos und Autoteile. Im Gegenzug verpflichtete sich die EU, Zölle auf US-Industriegüter zu streichen und den Marktzugang für US-Agrarprodukte wie Schweinefleisch und Milchprodukte zu erleichtern.

Trumps Regierung ist der Meinung, die USA hätten sich an ihren Teil der Vereinbarung mit der EU gehalten. Die EU dagegen habe keine wesentlichen Fortschritte erzielt – etwa in Bezug auf die Beseitigung von Handelshemmnissen im Automobilbereich, die aus Trumps Sicht zu strenge Regulierung amerikanischer Tech-Konzerne in der EU sowie hohe CO₂-Abgaben. Die Trump-Regierung weist darauf hin, dass sie stets deutlich gemacht habe: Trump behalte sich vor, Zölle zu erhöhen, wenn Handelspartner ihren Verpflichtungen nicht nachkämen.

Sind die neuen Zölle eine Rache an Friedrich Merz?

Man kann zumindest nicht ausschließen, dass Trumps aktueller Zorn auf den deutschen Bundeskanzler – ebenso wie auf Italiens Regierungschefin Giorgia Meloni und Spaniens Premier Pedro Sánchez – eine Rolle spielt. In den vergangenen Tagen hat Trump Friedrich Merz mehrfach verbal angegriffen, weil dieser sich kritisch über die US-Offensive gegen den Iran geäußert hatte. »Er hat keine Ahnung, wovon er spricht!«, schrieb er über den Bundeskanzler.

Besonders geärgert hatte sich Trump über einen Auftritt Merz' am Carolus-Magnus-Gymnasium im sauerländischen Marsberg. Er glaube nicht an ein schnelles Ende des Krieges im Iran, hatte Friedrich Merz dort gesagt, »weil die Iraner offensichtlich stärker sind als gedacht und die Amerikaner offensichtlich auch in den Verhandlungen keine wirklich überzeugende Strategie haben«. Mit Verweis auf Merz' Haltung kündigte Trump den Abzug von 5.000 US-Soldaten aus Deutschland an. Entsprechende Überlegungen stellte Trump dann später für Italien und Spanien in Aussicht.

Für den CDU-Außenpolitiker Peter ‌Beyer stehen die neuen Zölle deshalb durchaus im Verhältnis zu Trumps politischer und emotionaler Situation. »Präsident Trump steht innen- wie außenpolitisch massiv unter Druck«, sagt Beyer. Es gebe ungelöste Krisen in der Ukraine, Venezuela und im Nahen Osten sowie die schwachen Zustimmungswerte und schlechte Prognosen für die ‌Republikaner bei den Midterm-Wahlen im November. »Vor diesem Hintergrund wirken sowohl ​der Truppenabzug als auch die Zollpolitik weniger wie Ausdruck einer kohärenten ⁠Strategie, sondern vielmehr ​wie politischer Reflex und Frustreaktion.«

Was sagt die EU?

Bernd Lange, Vorsitzender des Handelsausschusses im Europaparlament, nennt Trumps Ankündigung inakzeptabel. Das Europäische Parlament halte weiterhin an der Vereinbarung vom August 2025 fest und arbeite an der Umsetzung des Abkommens. »Während die EU ihre Verpflichtungen erfüllt, bricht die US-Seite ihre Zusagen immer wieder«, sagt Lange.

Weil Trump im Grönland-Konflikt mit weiteren Zöllen gedroht hatte und viele US-Zölle von Gerichten für rechtswidrig erklärt wurden, wurde der USA-EU-Zoll-Deal bislang tatsächlich nicht vollständig umgesetzt. Das Europäische Parlament gab im März bekannt, weitere Schritte an strenge Bedingungen knüpfen zu wollen. 

Die EU-Kommission behält sich nun in einer ersten Reaktion auf Trumps Ankündigung Gegenmaßnahmen vor. Man bekenne sich weiter »zu einer berechenbaren, für beide Seiten vorteilhaften transatlantischen Beziehung«, teilt eine Sprecherin mit. Sollten die USA Maßnahmen ergreifen, die im Widerspruch zum gemeinsamen Handelsabkommen stünden, behalte man sich jedoch »alle Optionen vor, um die Interessen der EU zu schützen«.

Ein VW ID.4 im Volkswagen-Werk © Hauke-Christian Dittrich/​dpa

Welcher Zollsatz galt bislang?

Im Rahmen des Handelsabkommens von August gilt laut US-Bundesregister für Autos, leichte Lastwagen und Autoteile, die aus der EU in die USA importiert werden, die 15-Prozent-Zollobergrenze. Mittelschwere und schwere Lastwagen werden allgemein mit 25 Prozent verzollt. Autos und Lastwagen von EU-Herstellern, die in den Vereinigten Staaten produziert werden, bleiben laut Trump von den Abgaben ausgenommen.

Der US-Präsident will dadurch Autobauer dazu bewegen, mehr in den USA zu produzieren – obwohl dort die Herstellungskosten oft deutlich höher liegen. Derzeit befänden sich »zahlreiche« Produktionsstätten im Bau, das Investitionsvolumen liege bei mehr als 100 Milliarden US-Dollar (knapp 85,5 Milliarden Euro), schrieb Trump in seinem Post. »Sie haben uns unsere Autoindustrie weggenommen«, sagte Trump. Profitiert hätten davon andere Länder wie Deutschland, Japan, Mexiko und Kanada. Das solle sich nun ändern.

Welche Auswirkungen hätten die Zölle auf deutsche Autobauer?

Die USA zählen traditionell zu den wichtigsten Auslandsmärkten deutscher Autohersteller, vor allem für Porsche, BMW und Mercedes. Die Branche war ohnehin im vergangenen Jahr von den Zöllen stark getroffen: Zwar galten zunächst 27,5 Prozent, die im August nach dem Deal mit der EU auf 15 Prozent sanken. Über viele Jahre hatten die Zölle allerdings bei 2,5 Prozent gelegen. 

Bereits im vergangenen Jahr brach der Auto-Export aus Deutschland in die USA infolge der Zollerhöhungen ein. »Trump hat die Autoindustrie in Deutschland und in Europa massiv getroffen«, sagte etwa der Autoexperte Stefan Bratzel. Mit seinen Zöllen verstärke er den Trend, dass Autos immer mehr da gebaut werden, wo sie verkauft werden. »Für die Arbeitsplätze in Europa, in Deutschland, ist das natürlich Gift.« 

Der Verband der Automobilindustrie (VDA) bezeichnete Trumps Vorstoß als »erneute und schwerwiegende Belastung der transatlantischen Beziehungen«. VDA-Präsidentin Hildegard Müller forderte dabei auch: »Das Handelsabkommen, das zwischen der EU und den USA vereinbart wurde, muss von beiden Seiten eingehalten werden.« Dabei müsse Brüssel »endlich« die Abmachungen umsetzen.

Wie bedrohlich ist das für die deutsche Wirtschaft?

»Die Effekte wären substanziell«, sagte der Präsident des Kieler Instituts für Weltwirtschaft (IfW), Moritz Schularick. Julian Hinz, Handelsexperte beim Kiel Institut für Weltwirtschaft, glaubt an kurzfristige Produktionsverluste in Höhe von fast 15 Milliarden Euro, »die langfristig auf etwa 30 Milliarden Euro ansteigen würden«. Das bedeute ‌einen Verlust ⁠an realer Wertschöpfung in der Bundesrepublik um etwa 0,3 Prozent. 

»Deutschlands ohnehin ​schon langsames Wachstumstempo würde schwer getroffen werden«, sagte Hinz. Bislang erwarten die Kieler Forscher ein Wirtschaftswachstum von 0,8 Prozent in diesem Jahr. Auch andere europäische Volkswirtschaften mit einer ​starken Automobilbranche – darunter Italien, die Slowakei und Schweden – dürften der IfW-Modellrechnung zufolge große Einbußen verzeichnen. 

Die USA sind der wichtigste ​Abnehmer von in Deutschland hergestellten Waren. Im vergangenen Jahr wurden Güter im Wert von 146,2 Milliarden Euro dorthin exportiert. ⁠Das waren 9,4 Prozent weniger ​als 2024. Den größten Anteil der im vergangenen Jahr in die ‌USA exportierten Waren hatten – trotz deutlicher Rückgänge – Kraftwagen und Kraftwagenteile: Deren Wert summierte sich auf 28,5 Milliarden Euro, was 17,8 Prozent weniger war als 2024.

Der Chefberater von Bundesfinanzminister Lars Klingbeil (SPD), Jens Südekum, rät trotzdem zu Gelassenheit. »Die EU sollte zunächst einfach abwarten«, sagte Südekum der Nachrichtenagentur Reuters. »Es ist ja bekannt, dass Trump vollmundige Zollandrohungen gerne auch schnell wieder aussetzt oder zurücknimmt.« 

Eine genaue Begründung, inwiefern sich die EU angeblich nicht an das bestehende Handelsabkommen mit den USA halte, sei der US-Präsident schuldig geblieben. ⁠Außerdem sei unklar, ob die neuen ​Zolldrohungen nach der aktuellen Rechtsprechung des Obersten Gerichtshofs der USA überhaupt eine Rechtsgrundlage haben. »Alles wirkt recht impulsiv«, sagte Südekum. 

Der Ökonom Marcel Fratzscher, Präsident des Deutschen Instituts für Wirtschaftsforschung, forderte von der EU weniger Kompromisse im Umgang mit Trump. »Präsident Trump nutzt Deutschlands und Europas stetiges Nachgeben als Schwäche aus«, sagt er. »Es rächt sich nun erneut, dass die Europäische Union und auch die Bundesregierung im Konflikt mit ​Trump immer wieder nachgegeben und ihn gewähren lassen haben.«

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