US-Truppenabzug in Europa: Hegseth kündigt Überprüfung der US-Truppenpräsenz in Europa an

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Drei Wochen vor dem Nato-Gipfel in der Türkei erhöht die US-Regierung den Druck und fordert eine Führungsrolle Europas. Pistorius warnt vor Gefahren für das Bündnis.

Quelle: DIE ZEIT, AFP, dpa, 18. Juni 2026, 17:29 Uhr

 »Europa muss mehr Verantwortung übernehmen für die eigene Verteidigung«, sagt Boris Pistorius beim Treffen der Nato-Verteidigungsminister in Brüssel.
»Europa muss mehr Verantwortung übernehmen für die eigene Verteidigung«, sagt Boris Pistorius beim Treffen der Nato-Verteidigungsminister in Brüssel. © Malin Wunderlich/​picture alliance/​dpa

Angesichts neuer Drohungen der US-Regierung, Truppen aus Europa abzuziehen, fordert Verteidigungsminister Boris Pistorius (SPD) mehr Zeit für eine Umstrukturierung der Nato. Beim Treffen der Nato-Verteidigungsminister in Brüssel warnte Pistorius davor, den Wandel zu einer europäischer geprägten Nato zu überstürzt zu vollziehen.

Die europäischen Verbündeten bräuchten angesichts der Kürzung von US-Beiträgen innerhalb der Nato »etwas mehr Zeit« für einen geordneten Übergang, sagte der Minister. Für die Sicherheit des europäischen Nato-Gebiets sei es »schwierig und gefährlich«, wenn Fähigkeiten abgezogen würden, »ohne dass klar ist, wann sie kompensiert werden können«, sagte Pistorius. Viele Fähigkeiten könnten schnell kompensiert werden, bei anderen gehe dies nicht. So sei etwa für präzise Langstreckenwaffen entweder eine Überbrückung notwendig, oder mehr Zeit, bis sie abgezogen würden. »Darüber wird zu verhandeln sein mit unseren amerikanischen Partnern.«

Zugleich räumte Pistorius erneut ein, dass Europa »mehr Verantwortung für die eigene konventionelle Abschreckung und Verteidigung« übernehmen müsse. »Das ist auch völlig richtig, nachvollziehbar und das war absehbar.« Für den Übergang forderte Pistorius Absprachen und einem Fahrplan: »Entscheidend ist jetzt die Frage der Roadmap, der Synchronisierung der einzelnen Schritte.«

Hegseth kündigt Überprüfung der US-Präsenz an

Zuvor hatte US-Verteidigungsminister Pete Hegseth eine bis zu sechsmonatige Überprüfung der Präsenz und Stationierung von US-Truppen in Europa angekündigt. Mit der Ankündigung bei dem Treffen in Brüssel erhöhte der US-Minister den Druck auf die Verbündeten – drei Wochen vor einem Nato-Gipfel in der türkischen Hauptstadt Ankara.

Die Überprüfung der US-Truppenpräsenz soll Hegseth zufolge sicherstellen, »dass die Nato sich schnell und unwiderruflich in Richtung eines von Europa geführten Bündnisses bewegt«. Europa müsse die Hauptverantwortung für seine eigene Verteidigung übernehmen. Zudem müsse die Nato dafür sorgen, »dass unser Zugang, unsere Stationierung und Überflugrechte klar festgelegt und garantiert sind«, sagte der US-Verteidigungsminister.

Erhöhung der Verteidigungsausgaben

Ziel der US-Regierung ist, dass die Nato-Partner die beim Gipfel in Den Haag vergangenes Jahr verabredete deutliche Erhöhung der Verteidigungsausgaben umsetzen. Damals war vereinbart worden, ab 2035 jährlich fünf Prozent des Bruttoinlandsprodukts in Verteidigung und Sicherheit zu investieren. Hegseth drohte in Brüssel damit, die US-Beiträge zur Finanzierung der Nato zu kürzen, sollten nicht alle Verbündeten ihre Verpflichtungen einhalten.

»Einige der größten Volkswirtschaften der Nato, einige unserer reichsten Länder, Verbündete, die am liebsten über die regelbasierte internationale Ordnung und das Zusammenstehen von Mittelmächten sprechen, scheinen immer noch zu glauben, dass die Ära des Trittbrettfahrens weitergeht«, sagte Hegseth in Brüssel.

Laut Nato-Generalsekretär Mark Rutte besteht unter den Verbündeten der USA »breite Einigkeit darüber«, dass sie mehr Verantwortung übernehmen müssten. Einige von den Beiträgen, die die USA abziehen, seien bereits »vollständig besetzt, andere sind nahezu ausgefüllt«, sagte Rutte. »Wieder andere erfordern noch weitere Arbeit.«

Truppenabzug als Reaktion auf Kritik?

Die USA planen seit Jahren eine Verringerung ihrer Präsenz in Europa, um sich stärker im Indopazifik engagieren zu können. Zuletzt gab es dazu teils widersprüchliche Angaben: Im Oktober hatten die USA den Abzug von mehreren Tausend Soldaten aus Osteuropa bestätigt. Im Mai dieses Jahres kündigte das US-Verteidigungsministerium zudem an, 5.000 Soldatinnen und Soldaten aus Deutschland abzuziehen. Später sagte US-Präsident Donald Trump, 5.000 »zusätzliche« Soldaten würden nach Polen entsendet, nachdem eine frühere Verlegung von Tausenden US-Soldaten nach Polen gestoppt worden war.

Die Ankündigung des Truppenabzugs aus Deutschland erfolgte nach Kritik von Bundeskanzler Friedrich Merz (CDU) am Irankrieg. Weil sie ihre Stützpunkte US-Truppen nicht zur Verfügung stellten oder Überflugrechte nicht gewährten, wurden auch andere Nato-Länder von den USA kritisiert, etwa Frankreich, Spanien und Italien. Hegseth bezeichnete deren Verhalten nun in Brüssel als »beschämend«. Die Verbündeten hätten US-amerikanische »Söhne und Töchter in Gefahr« gebracht; dafür gebe es »keine Entschuldigung«.

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