Viele konservativ-evangelikale Christen in den USA unterstützen Israel. Diese Allianz stärkt auch der israelische Premier bei seinem Besuch in Washington.
Quelle: DIE ZEIT, KNA, dpa, mga Aktualisiert am 30. Juli 2026, 13:58 Uhr
Während seines US-Besuchs hat Israels Ministerpräsident Benjamin Netanjahu Vertreter evangelikaler Gruppierungen getroffen. Dabei dankte er den evangelikalen Gemeinschaften in den USA für ihre Unterstützung des Staates Israels. Das jüdisch-christliche Erbe, von dem die Juden der erste Teil seien, habe »der Welt Zivilisation, Freiheit und Glauben geschenkt«, die es heute zu verteidigen gelte, sagte er seinem Büro zufolge bei dem Treffen am Mittwochabend (Ortszeit) in Washington.
Die jüdisch-christliche Welt werde von einer wachsenden Welle des Antisemitismus und des Anti-Evangelikalismus angegriffen, sagte Netanjahu. Es sei »kein Zufall, dass beide gemeinsam angegriffen werden, denn wir sind eins«. Der israelische Ministerpräsident rief die Evangelikalen auf, aufzustehen und sich zu wehren.
Kirchenvertreter Jerusalems kritisieren christlichen Zionismus
Im sogenannten christlichen Zionismus gilt Israel als Teil eines göttlichen Plans. Etablierte größere Kirchen stehen dem christlichen Zionismus sowie der Allianz Israels mit evangelikalen, pro-israelischen Christen kritisch gegenüber.
Die Führer der christlichen Kirchen Jerusalems veröffentlichten im Januar eine gemeinsame Erklärung, in der sie den christlichen Zionismus als »schädliche Ideologie« bezeichnen, die bei bestimmten politischen Akteuren Anklang finde, deren Agenda der christlichen Präsenz im Heiligen Land und im gesamten Nahen Osten schaden könnte. Die Mehrheit der einheimischen Christen in Israel und den besetzten Gebieten sind Palästinenser.
Evangelikale und ihr Einfluss auf die US-Politik
Evangelikale sind eine heterogene, in den meisten Ausprägungen sehr konservative Strömung innerhalb des protestantischen Christentums. Sie werben mit einem umfassenden Weltbild, eindeutigen Antworten und einer persönlichen Gottesbeziehung.
Ihr Leben richten Evangelikale streng nach der Bibel aus und interpretieren diese wörtlich. Vielen gilt die Evolutionslehre als atheistische Verschwörungstheorie; auch andere wissenschaftliche Erkenntnisse werden als Lügen abgestritten. Zu den zentralen Überzeugungen gehören die Ablehnung von Homosexualität, Schwangerschaftsabbrüchen oder Sex vor der Ehe.
Weltweit gehören mehrere hundert Millionen Menschen den Evangelikalen an, in Nordamerika rund 60 Millionen. In den USA sind sie inzwischen eine mächtige Wählergruppe, die in Teilen einen ultrakonservativen Umschwung anstrebt und den religiösen Einfluss in Gesellschaft und Politik ausbauen will.

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