Erst entstand ein Vulkan, wo eigentlich keiner sein sollte. Nun entdecken Forscher, dass er sich sogar aus Magma speist, das Milliarden Jahre alt ist. Für die Geowissenschaften ist der Fund ein Glücksfall.
Die Inselgruppe Mayotte im Indischen Ozean, gelegen zwischen Madagaskar und der Küste von Mosambik, ist eine Perle unter den verbliebenen französischen Südseeinseln. Vom Ozean umgeben liegt sie auf einem vulkanischen Plateau, das halb geflutet ist und eine der größten und tiefsten Lagunen der Welt bildet.
Im Jahr 2018 erschütterten Schwärme von Erdbeben das Idyll. Am 15. Mai erreichten die Eruptionen eine Stärke von 5,9 auf der Richterskala und mehrere Gebäude der Inselbewohner wurden beschädigt. Wissenschaftler waren überrascht – bis dato galt die Gegend als seismisch stabil.
Einige große Forschungsorganisationen, darunter acht französische Universitäten, machten sich auf, die Ursache für die mysteriöse Aktivität zu klären. Mehrere Schiffsexpeditionen schwärmten aus und fanden bald darauf rund 55 Kilometer östlich von Mayotte Antworten.
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Dort, in einer Tiefe von 3,5 Kilometern, trat Magma aus und bildete bis 2021 einen Unterseevulkan, der sich mittlerweile 800 Meter über den Meeresgrund erhebt. Der Fani Maoré getaufte Vulkan überrascht die Wissenschaftler nun von Neuem.
Eine im Fachjournal „Nature“ veröffentlichte Studie untersuchte die chemische Beschaffenheit des ausgetretenen Gesteins – und fand Hinweise auf Material aus der Frühgeschichte unserer Erde, das aus der Zeit vor mindestens 4,3 Milliarden Jahren im Erdmantel erhalten geblieben sein muss.
Die Forscher nutzten innovative Methoden für ihre Entdeckung. Anhand der Isotopensignatur der Gesteinsproben konnten sie bestimmen, dass das Magma aus einer tief liegenden Kammer im Erdmantel stammt. Dort lagerte das Material offenbar über Milliarden Jahre, abgeschirmt von tektonischen Bewegungen.
Bislang galt dies als nahezu ausgeschlossen. Die ständige Bewegung der Platten sollte das Gestein im Erdmantel durchmischen. Mineralische Spuren aus der Frühzeit der Erdschichten sollten somit im Inneren des Mantels verschwinden.
Die gefundenen Stoffe gehören vermutlich zu den ersten Gesteinen, die beim Abkühlen des frühen Magma-Ozeans kristallisierten. Die Forscher des Institut de Physique du Globe de Paris gehen davon aus, dass es sich beim Großteil des alten Materials um Bridgmanit handelt, ein Mineral, das sich unter dem enormen Druck des unteren Erdmantels bildet.
4,54 Milliarden Jahre ist die Erde schätzungsweise alt. Die nun gefundenen Spuren führen also direkt in die Ursprungsphase im Lebenszyklus des Planeten zurück. Erstes kleinzelliges Leben bildete sich vermutlich vor 3,5 bis 4 Milliarden Jahren auf ihm. Dazwischen durchlief er radikale Transformationen.
Zu Beginn der Erdgeschichte kollidierte Theia, ein Himmelskörper von der Größe des Mars, mit dem Planeten. Die junge Erde überstand den Einschlag, vermutlich bildete sich aus den Trümmern der Mond. Doch die Erdoberfläche wurde in der Folgezeit von einem riesigen Magma-Ozean bedeckt.
Erst als dieser abkühlte, bildeten sich Festgesteine. Im erkalteten Magma des Fani Maoré vor den Mayotte-Inseln könnten nun erstmals Überreste dieser embryonischen Entwicklungsphase des Planeten in Vulkangestein nachgewiesen worden sein.
Der Fund ist ein Glücksfall. Erstautorin Catherine Chauvel sagte, die Entdeckung habe weitreichende Folgen für die Geowissenschaften. Erstmals gebe es einen Beleg dafür, dass Relikte aus der Entstehungszeit der Erde bis heute im Erdinneren erhalten geblieben sind und durch vulkanische Prozesse an die Oberfläche gelangen können. Gleichzeitig sprächen die Ergebnisse dafür, dass das Innere unseres Planeten deutlich weniger durchmischt ist als bislang angenommen.

vor 7 Stunden
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