Ungarn: Die Wahl, die Viktor Orbán zu Fall bringen könnte

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Péter Magyar kennt sich im System Orbán bestens aus, da er selbst lange ein Teil des Staatsapparats war. Der studierte Jurist bekleidete 17 Jahre vergleichsweise niedrige Funktionen, unter anderem leitete er die Agentur für Studentenkredite. Er war viele Jahre mit der ehemaligen Justizministerin Judit Varga verheiratet.

Vor zwei Jahren wuchs schließlich seine politische Sichtbarkeit mit einem Schlag, indem er mit dem System Orbán brach. Damals wurde bekannt, dass die ungarische Präsidentin den Vizeleiter eines staatlichen Waisenhauses, der wegen Beihilfe zu Kindesmissbrauch verurteilt worden war, begnadigt hatte. Auch die Justizministerin Varga, inzwischen von Magyar getrennt, hatte die Begnadigung unterzeichnet. Viele Menschen gingen auf die Straße, der Druck auf Orbán wuchs.

Schließlich drängte Orbán Varga zum Rücktritt – und Magyar äußerte sich öffentlich mit deutlichen Worten: Orbán mache seine Ex-Frau zum "Bauernopfer" und habe sie aus Opportunismus geopfert. Magyar sprach zudem über Korruption im System Orbán.

Anschließend gründete Magyar die Tisza-Partei. Die Abkürzung steht für "Respekt und Freiheit" und ist zugleich die ungarische Bezeichnung für den Fluss Theiß, der sich durch Ostungarn schlängelt und in Serbien in die Donau mündet. Bei der Europawahl 2024 holte Tisza fast 30 Prozent.

Magyar setzt auf einen Mix aus Kontinuität und Bruch: Weltanschaulich liegt er nicht weit entfernt von Fidesz. Er betont Werte wie Heimatliebe, Familie und Christentum. Die strikte Flüchtlingspolitik Orbáns will er beibehalten. Zugleich verspricht er, das System der Korruption zu zerschlagen, Ungarn zu demokratisieren und das Verhältnis zur Europäischen Union zu verbessern. Doch in vielen Fragen bleibt er vage. Die einen argumentieren, anders könnte er die Wahl nicht gewinnen, andere fürchten die Ungewissheit – für Ungarn und die EU.

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