Péter Magyar kennt sich im System Orbán bestens aus, da er selbst lange ein Teil des Staatsapparats war. Der studierte Jurist bekleidete 17 Jahre vergleichsweise niedrige Funktionen, unter anderem leitete er die Agentur für Studentenkredite. Er war viele Jahre mit der ehemaligen Justizministerin Judit Varga verheiratet.
Vor zwei Jahren wuchs schließlich seine politische Sichtbarkeit mit einem Schlag, indem er mit dem System Orbán brach. Damals wurde bekannt, dass die ungarische Präsidentin den Vizeleiter eines staatlichen Waisenhauses, der wegen Beihilfe zu Kindesmissbrauch verurteilt worden war, begnadigt hatte. Auch die Justizministerin Varga, inzwischen von Magyar getrennt, hatte die Begnadigung unterzeichnet. Viele Menschen gingen auf die Straße, der Druck auf Orbán wuchs.
Schließlich drängte Orbán Varga zum Rücktritt – und Magyar äußerte sich öffentlich mit deutlichen Worten: Orbán mache seine Ex-Frau zum "Bauernopfer" und habe sie aus Opportunismus geopfert. Magyar sprach zudem über Korruption im System Orbán.
Sexuelle Gewalt gegen Kinder und Jugendliche wird noch immer häufig mit Pädophilie gleichgesetzt. Dabei ist nur gut die Hälfte aller Menschen, die Kinder sexuell misshandeln, auch pädophil. Pädophilie ist eine Neigung, bei der erwachsene Menschen sich sexuell zu Kindern hingezogen fühlen, die meist noch vor der Pubertät stehen und jünger als elf Jahre sind. Pädophil zu sein, heißt nicht automatisch, diese Neigung auch auszuleben.
Kindesmissbrauch kennt viele Täterinnen und Täter, beispielsweise Menschen, die traumatisierende Erfahrungen in ihren Familien erlebt haben, unter Persönlichkeitsstörungen leiden, Probleme haben, Empathie zu empfinden, oder dazu neigen, sich und anderen zu schaden. Manche Täter missbrauchen Kinder auch, weil ihnen etwa die sozialen Fähigkeiten fehlen, um sexuelle Beziehungen zu Erwachsenen einzugehen.
Wichtig ist auch zu wissen: Missbrauch findet oft in den Familien statt, in denen Kinder ohnehin leben. Der Täter kommt also nicht zwingend von außen.
Mehr zu den Hintergründen gibt es im ZEIT-Sexpodcast mit der Ärztin, Sexual- und Traumatherapeutin Melanie Büttner – zu hören in diesen Folgen:
Bei der Prävention spielt Erziehung eine wichtige Rolle. Die Unabhängige Beauftragte der Bundesregierung für Fragen des sexuellen Kindesmissbrauchs formuliert es so: "In der Familie bedeutet präventive Erziehung, den Töchtern und Söhnen mit Liebe und Respekt zu begegnen, ihre Persönlichkeit ernst zu nehmen und ihre Selbstbestimmung zu fördern." Auf der Seite der Beauftragten können sich Eltern und andere Erziehende daher über Themen wie körperliche Selbstbestimmung, Sexualerziehung und den Umgang mit Gefühlen informieren.
Das Bundesfamilienministerium hat Informationen rund um das Thema sexueller Missbrauch in der Broschüre Mutig fragen – besonnen handeln zusammengestellt. Dort widmet sich ein ganzes Kapitel der Frage "Wie schütze ich mein Kind vor sexuellem Missbrauch?" (ab Seite 83).
Beratungszentren, das Jugendamt, die Polizei, die Kinderschutzambulanz am Krankenhaus – diese Anlaufstellen nennt das Bundesfamilienministerium als direkte Ansprechpartner. Hinzu kommt eine Reihe telefonischer Beratungsangebote und Onlineanlaufstellen (ab Seite 92). Faustregel: Lieber einmal zu viel nachgefragt als einmal zu wenig.
Das Bundesjustizministerium hat ebenfalls Leitlinien zu dem Thema zusammengestellt. In einer Handreichung erklärt das Ministerium, wann und wie sich etwa Erzieherinnen, Lehrer oder andere Mitarbeiter von Kinder- und Jugendeinrichtungen bei einem Verdacht auf sexuellen Missbrauch an Polizei und Staatsanwaltschaft wenden sollten.
Das Hilfe-Portal Sexueller Missbrauch des Unabhängigen Beauftragten der Bundesregierung für Fragen des sexuellen Kindesmissbrauchs bietet zahlreiche Informationen zum Thema sexuelle Gewalt an Kindern im Überblick. Es lässt sich gezielt nach Beratungsstellen, medizinischer und rechtlicher Hilfe in der eigenen Umgebung durchsuchen.
Der Verein N.I.N.A. in Kiel betreibt das bundesweite Hilfetelefon Sexueller Missbrauch. Unter der Nummer 0800 – 22 55 530 gibt es dort kostenlose, anonyme Beratung. Wer seine Fragen lieber schriftlich stellen möchte, erreicht die Onlineberatung von N.I.N.A unter www.hilfe-telefon-missbrauch.online.
Anschließend gründete Magyar die Tisza-Partei. Die Abkürzung steht für "Respekt und Freiheit" und ist zugleich die ungarische Bezeichnung für den Fluss Theiß, der sich durch Ostungarn schlängelt und in Serbien in die Donau mündet. Bei der Europawahl 2024 holte Tisza fast 30 Prozent.
Magyar setzt auf einen Mix aus Kontinuität und Bruch: Weltanschaulich liegt er nicht weit entfernt von Fidesz. Er betont Werte wie Heimatliebe, Familie und Christentum. Die strikte
Flüchtlingspolitik Orbáns will er beibehalten. Zugleich verspricht er,
das System der Korruption zu zerschlagen, Ungarn zu demokratisieren und
das Verhältnis zur Europäischen Union zu verbessern. Doch in vielen Fragen bleibt er vage. Die einen argumentieren, anders könnte er die Wahl nicht gewinnen, andere fürchten die Ungewissheit – für Ungarn und die EU.