Wettrennen nach Artemis-2-Mission Europa plant eigene permanente Mondbasis bis 2040
Europa war maßgeblich an der erfolgreichen Mondmission Artemis 2 beteiligt. Die Raumfahrtagentur Esa spricht nun über eigene ambitionierte Ziele.
12.04.2026, 09.32 Uhr
»Orion«-Kapsel bei der Artemis-2-Mission mit Mond und Erde: »Wir sind zurück im Spiel«
Foto: NASA / REUTERSAutomatisch erstellt mit KI. Mehr Informationen dazu hier.
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Nach der erfolgreichen Mission der Artemis 2 wird das Wettrennen um den Mond noch intensiver. Nicht nur die USA haben ihre Pläne geändert und wollen nun statt einer Raumstation in der Mondumlaufbahn eine Basis auf der Mondoberfläche errichten. Auch Europa plant bereits eine eigene permanente Präsenz auf dem Erdtrabanten.
»Ziel ist langfristig eine europäische Forschungsstation mit Astronauten«, sagt Daniel Neuenschwander, Direktor für bemannte und robotergestützte Raumfahrt bei der Europäischen Weltraumorganisation Esa. Der Plan für den Weg zum Mond: »Bis 2030 zeigen, dass wir es können. Ab 2031 bauen wir Kapazitäten auf und vor 2040 eine permanente europäische Präsenz auf dem Mond.«
Die Esa hat demnach vor, 2030 mit dem unbemannten Mondlander Argonaut selbst Geräte zum Mond zu senden. Mitgebrachte Vehikel sollten sich dann über die Mondoberfläche bewegen, sagt Neuenschwander. Der erste Flug sei an Bord einer Ariane-6-Rakete vorgesehen. Der Argonaut soll dabei bis zu 1,5 Tonnen Fracht wie einen Rover oder wissenschaftliche Geräte auf die Mondoberfläche bringen.
»Ziel ist es, unser Verständnis vom Mond zu erhöhen«, sagt Neuenschwander. »Wir wollen zum Südpol.« Dort sollen Ressourcen erkundet werden, die Sonnenbelichtung sei optimal für die Energiegewinnung. »Wir wollen dorthin, um zu bleiben«, sagt auch Neuenschwander.
Bis es so weit ist, bleibt noch viel zu tun. »Um auf dem Mond zu bleiben, müssen wir weiter an den Lebenserhaltungssystemen arbeiten«, sagt der Raumfahrtexperte. »Wie kann man Wasser aus dem Mond rausziehen, wie Sauerstoff generieren, wie die Crew vor Strahlen schützen? Wie kann man die Mondnacht überstehen, die eine Länge von 14 Erdtagen hat?« Insbesondere Erkenntnisse zum Strahlenschutz seien auch für einen möglichen Flug zum Mars nützlich.
Modell des Esa-Mondlanders Argonaut: Vor 2030 Geräte zum Mond senden
Foto: Oliver Berg / dpaDie USA seien als Partner weiter wichtig. »Wir brauchen die USA beim bemannten Transport zum Mond«, betont Neuenschwander.
Europa war maßgeblich an der jüngsten Mondmission der US-Weltraumagentur Nasa beteiligt, bei der vier Astronauten in einer Art großen Acht um den Mond geflogen und am Samstag wieder auf der Erde gelandet sind. Die Esa hatte für die Mission das sogenannte European Service Module (ESM) geliefert. Seit 1972 war kein Mensch mehr in der Nähe des Mondes.
Das ESM versorgte die Astronauten unter anderem mit Sauerstoff, Wasser und Strom. Zudem stellte es den Antrieb für die »Orion«-Kapsel, in der sie zum Mond flogen. Über der Erde trennte sich die Kapsel, in der sich die Astronauten befanden, vom europäischen Servicemodul. Das Modul verglühte in der Atmosphäre und die Kapsel wasserte im Pazifik.
»Wir sind zurück im Spiel«, sagt Neuenschwander mit Blick auf Mondflüge der Menschheit. »Der aktuelle Flug zum Mond wäre ohne das Antriebssystem der Esa gar nicht möglich gewesen.«
Verhandlungen über Mondbesuch mit deutschen Astronauten
Die Artemis-2-Kapsel ( r.) trennt sich vom European Service Modul der Esa (l.): Für Europäer gebuchte Plätze umbuchen
Foto: NASA / AP / dpaSchon bald sollen auch europäische Astronauten bei einer Artemis-Mission dabei sein.
Mit Artemis 4 sollen Astronauten 2028 auf dem Mond landen. Esa-Chef Josef Aschbacher hatte vor Kurzem verkündet, Deutschland sei als erstes Land an der Reihe, wenn es um Esa-Astronauten für Mondmissionen gehe. Wer genau das sein könnte, ist noch nicht entschieden. Die deutschen Esa-Astronauten Alexander Gerst (49) und Matthias Maurer (56) haben beide mehrfach betont, wie gern sie zum Mond fliegen würden. Lesen Sie hier das Gespräch mit Astronaut Gerst .
Zuvor allerdings muss die Esa mit den USA die Beteiligung an künftigen Mondmissionen verhandeln. »Das Ziel ist, dass Europäer über den Mond laufen«, sagte Esa-Direktor Josef Aschbacher jüngst am Kennedy Space Center im US-Bundesstaat Florida.
Deutscher Astronaut Alexander Gerst: »Ziel ist, dass Europäer über den Mond laufen«
Foto: Christoph Hardt / Panama Pictures / IMAGOUrsprünglich hatte die Esa mit der Nasa vereinbart, dass drei europäische Astronauten zur sogenannten Gateway-Station in der Mondumlaufbahn mitfliegen sollen. Vorgesehen war, dass zuerst ein Deutscher dabei ist, gefolgt von einem Franzosen und einem Italiener.
Nun, da die Amerikaner direkt auf dem Mond eine Basis planen, müsse laut Aschbacher mit Nasa-Chef Jared Isaacman und dessen Team verhandelt werden, ob die für Europäer reservierten Plätze auf der Gateway-Station jetzt auf Flüge zur Mondoberfläche umgebucht werden könnten. »Das ist eine Diskussion, die jetzt geführt werden muss«, sagte er. Etwa auch unter welchen Bedingungen oder für welchen »Gegenwert« Europa bei Flügen zur Mondoberfläche dabei sein könne.
Aus Sicht des Esa-Experten Neuenschwander sind Mondmissionen von großem wissenschaftlichen Nutzen: »Wir verstehen auch die Erde besser und das Zusammenwirken von Mond und Erde beim Klima. Es geht auch um Ressourcen, wenn wir da sind.« Daneben biete die Raumfahrt technologische Innovation, die auch in anderen Bereichen genutzt werden könne, etwa Roboter, die bei Katastrophen helfen.

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