In Ungarn hat am Sonntagmorgen die Parlamentswahl begonnen, Ministerpräsident Viktor Orbán und sein Herausforderer Péter Magyar gaben jeweils ihre Stimmen ab. »Ich bin hier, um zu gewinnen«, sagte Orbán nach der Stimmabgabe in einem Wahllokal in Budapest. Gleichzeitig deutete er an, eine mögliche Wahlniederlage anzuerkennen: »Die Entscheidung des Volkes muss respektiert werden«, sagte Orbán.
Die Abstimmung gilt als wichtigste Wählerentscheidung für Ungarn seit der demokratischen Wende 1989/90. Ihr Ausgang entscheidet darüber, ob Ministerpräsident Viktor Orbán ein weiteres Mandat erhält oder die Macht verliert.
Jüngsten Umfragen zufolge hat Orbáns Herausforderer Péter Magyar gute Chancen auf einen Wahlsieg. Der 45-jährige Magyar ist ein ehemaliger Gefolgsmann Orbáns, der demonstrativ mit ihm gebrochen hat. Mit der bürgerlichen Tisza-Partei hat er eine Oppositionskraft geschaffen, die eine Wende verspricht und große Beliebtheit erlangt hat.
Magyar gab zeitgleich zu Orbán seine Stimme in einem anderen Wahllokal in Budapest ab. Die Ungarn würden bei der Wahl »zwischen Ost und West« wählen, sagte der Politiker. Magyar gab sich zuversichtlich, dass seine Tisza-Partei die Wahl gewinnen werde. Er forderte die Menschen außerdem auf, alle Unregelmäßigkeiten zu melden, auf die sie während der Wahl stoßen, und fügte hinzu, dass »Wahlbetrug ein sehr schweres Verbrechen ist«.
Der Rechtspopulist Orbán hat in den 16 Jahren seiner Regierung einen halb-autoritären Staat errichtet, sein Land auf einen Konfrontationskurs zur EU gesteuert und sich mit Russland und der US-Regierung von Präsident Donald Trump verbündet.
Magyar versprach im Wahlkampf, das Land wieder zu einem konstruktiven Partner in der Europäischen Union zu machen. Gleichzeitig ist auch er konservativ und dürfte im Falle einer Wahl nicht mit allen Maßnahmen Orbáns brechen.
Vorwürfe der Wahlkampfbeeinflussung
Experten zufolge versuchte Russland, den Wahlkampf zugunsten von Orbán zu beeinflussen . Orbán seinerseits bezeichnete seinen Rivalen Magyar als »Marionette« der EU – und warf der Ukraine vor, Ungarn in den Krieg gegen Russland hineinziehen zu wollen.
Gleichzeitig erhielt Orbán im Wahlkampf massive Unterstützung von der US-Regierung. So reiste US-Vizepräsident JD Vance kurz vor der Wahl nach Budapest und trat gemeinsam mit Orbán auf. Trump selbst warb offen für eine Wiederwahl Orbáns und versprach dem Land im Falle eines Orbán-Siegs wirtschaftliche Unterstützung.
Rund acht Millionen Bürger sind wahlberechtigt. Die Wahllokale öffneten um 6.00 Uhr und schließen um 19.00 Uhr. Es gibt keine Wahltagsumfragen und keine Hochrechnungen. Mit aussagekräftigen Teilergebnissen wird am späten Sonntagabend gerechnet.
Die 7,5 Millionen Wähler in Ungarn und die mehr als 500.000 Auslandswähler haben die Wahl zwischen fünf Parteien. Erwartet wird eine hohe Wahlbeteiligung von bis zu 80 Prozent.

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