Es gibt inzwischen kaum noch ein Wochenende, an dem so etwas einkehren würde wie politische Ruhe. Dümpelt das Geschehen am Samstag vor sich hin, kann man fest damit rechnen, dass spätestens am Nachmittag noch etwas von Donald Trump kommt.
So war es auch diesmal: Der US-Präsident riss im Gebäude der transatlantischen Einheit die nächste tragende Säule ein. Im Streit um Grönland kündigte er Strafzölle gegen Deutschland und andere EU-Länder an. Damit bestrafe die Führungsmacht der Nato andere Nato-Mitglieder, kommentiert unser Brüssel-Korrespondent Hubert Wetzel – Trump habe sich also faktisch für das Ende der Nato entschieden.
Die Eskalation hat unter anderem in Berlin große Unruhe ausgelöst: Erst kürzlich hatte das Statistische Bundesamt für 2025 ein zartes Wachstum in Höhe von 0,2 Prozent vermeldet. Jetzt allerdings drohen der deutschen Wirtschaft neue Zumutungen. „Die angekündigten Maßnahmen wären ein erneuter harter Schlag durch eine zunehmend unberechenbare US-Handelspolitik“, sagt Kerstin Maria Rippel, Chefin der Wirtschaftsvereinigung Stahl, der Süddeutschen Zeitung.
Aber vielleicht liegt es ja nicht nur an ausländischen Faktoren, dass die deutsche Wirtschaft schwächelt. Wissenschaftsministerin Dorothee Bär mahnt im Gespräch mit meinen Kolleginnen Valerie Höhne und Marlene Weiß jedenfalls zu mehr Mut und Experimentierfreude. „Ich möchte nicht, dass am Ende immer die Bedenkenträger gewinnen – ich will, dass Deutschland den Mut hat, Neues auch wirklich zu machen.“
An diesem Montag beginnt übrigens das Weltwirtschaftsforum in Davos. Dort wird auch Trump erwartet. Zwar dominieren bei dem traditionellen Treffen ideologische Libertäre. „In ihrer Weltordnung gilt nicht mehr die Stärke des internationalen Rechts, sondern das Recht des Stärkeren“, kommentiert SZ-Chefredakteurin Judith Wittwer, wagt aber eine optimistische Prognose: „Das heißt nicht, dass Globalisierung und Multilateralismus am Ende sind.“
Was heute wichtig ist
EU plant Sondergipfel zu Trumps Zoll-Drohungen. Nachdem US-Präsident Donald Trump wegen des Grönland-Streits acht EU-Ländern mit neuen Strafzöllen gedroht hat, plant die EU einen Sondergipfel. Die Zölle würden die transatlantischen Beziehungen untergraben, sie seien mit dem EU-USA-Handelsabkommen unvereinbar, teilte Ratspräsident António Costa mit. Gibt es beim Handelsabkommen keine Einigung, treten laut EU-Diplomaten Vergeltungszölle der EU im Wert von 93 Milliarden Euro in Kraft. Zum Liveblog zur US-Politik
- Unions-Fraktionschef Jens Spahn im Interview: „Wenn man die Lage Grönlands auf dem Globus anschaut, sind die von den USA gestellten Fragen übrigens nachvollziehbar“
- Die schwerste Krise der amerikanischen Demokratie: Beispiele dafür, wie Donald Trump die USA umbaut
Schweres Zugunglück in Spanien. Mindestens 24 Menschen sind bei einem schweren Zugunglück in Spanien ums Leben gekommen, Dutzende weitere teils schwer verletzt. Nach bisherigen Erkenntnissen ist ein Hochgeschwindigkeitszug am Abend vom Gleis gesprungen, die letzten drei Waggons gerieten aufs Nachbargleis und kollidierten dort mit einem entgegenkommenden Zug. Mit weiteren Toten wird gerechnet, die Ursache ist noch unklar. Zum Artikel
AfD-Abgeordnete treffen sich mit Rechtsextremist Sellner – was das über die Partei sagt. Der Bundestagsabgeordnete Steffen Kotré und seine Frau, die Brandenburger Landtagsabgeordnete Lena Kotré, haben den Rechtsextremisten Martin Sellner eingeladen. Der will unter anderem „fünf bis maximal sechs Millionen Staatsbürger“ abschieben. Die Parteispitze intervenierte. Doch das Treffen findet trotzdem statt, lediglich Ort und Art der Einladung haben sich geändert. Zum Artikel
Forschungsministerin Dorothee Bär: „Hier sind wir Entwicklungsland“. Zum Start des Wissenschaftsjahres 2026 will die zuständige Ministerin Dorothee Bär (CSU) einen Fokus auf Frauengesundheit legen. Deutschland rühme sich, weit voraus zu sein, bei diesem Thema sei das nicht der Fall. „Wenn Krankheiten, die ausschließlich Frauen betreffen, Männer treffen würden, stünde die Forschung heute an einem ganz anderen Punkt“, sagt Bär im SZ-Interview. Zum Artikel
Weitere wichtige Themen
- Wegen innenpolitischer Probleme: Syrischer Übergangspräsident al-Schaara verschiebt Deutschlandbesuch kurzfristig
- Oxfam-Bericht vor Davos: Die Superreichen werden reicher und gefährden die Demokratie
- Liveblog zum Krieg in der Ukraine: Ukrainischer Oberbefehlshaber kündigt neue Offensive an
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Dossier Digitalwende: Wie läuft die digitale Zeitenwende in der Bundeswehr? Generalmajor Michael Vetter, Abteilungsleiter im Verteidigungsministerium, spricht im Interview über die Innovation der Bundeswehr, die Lage im Cyberraum und die digitale Souveränität der Truppe. Auch wichtig: Die Europäische Kommission will die EU-Cybersicherheitsagentur Enisa stärken. Zum Briefing
Dossier Geoökonomie: Trump treibt Kanada in Pekings Arme. Premier Mark Carney hat auf Besuch in Peking Kanadas 100-Prozent-Zölle auf chinesische E-Autos zurückgenommen und den Handel neu Richtung Chinas ausgerichtet. Er signalisiert damit: Kanada lässt sich von Donald Trump nicht erpressen und kann sich seine Partner weltweit aussuchen. Viele Länder denken so. Trumps Zollpolitik stärkt damit indirekt China. Zum Briefing












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