Sylvester Stallone 80: Der Sieger, der zum Verlierer bestimmt war

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Als Sylvester Stallone durch seinen Film über einen italoamerikanischen Boxer namens Rocky Balboa aus Philadelphia berühmt wurde, war er dreißig Jahre alt. Stallone, der Autorenfilmer, hatte das Drehbuch geschrieben und den Produzenten die Bedingung gestellt, die Hauptfigur selbst zu spielen. Das war 1976. Muhammad Ali siegte gerade nach zweifelhaftem Punktrichtervotum über Ken Norton und verlor zwei Jahre später seinen Titel an Leon Spinks. Für einen Erstauftritt in der gehobenen Boxszene waren dreißig Jahre also recht spät. Viele Sportler denken in diesem Alter langsam darüber nach, was sie sonst noch machen könnten.

Damit war ein Leitmotiv der Filmkarriere Stallones gegeben: der Kampf mit dem Alter. Natürlich können Ältere Jüngere spielen, aber Stallone trat fast durchgehend in Actionfilmen auf, in denen der Held sich vor allem körperlich beweisen muss. Er schlägt härter, schießt genauer, hat die besseren Reflexe und springt spektakulärer als alle anderen in seiner Umgebung. Der Actionheld zögert selten, hat kaum Hemmungen. Darum siegt er, was meistens heißt, dass nicht er, sondern die anderen sterben. Das alles befähigt ihn dazu, im Alleingang ganze Schlachten zu gewinnen. Als John Rambo gewann Sylvester Stallone von 1982 an irgendwie sogar den Vietnamkrieg und den in Afghanistan. Amerika bedurfte in diesen Jahren des Trostes.

Mit fast sechzig noch einmal Boxweltmeister

Sechsmal Rocky, fünfmal Rambo, viermal Barney Ross in „The Expendables“ – Stallone wurde also mit sechzig fast noch einmal Boxweltmeister und versenkte im Alter von 72 Jahren eigenhändig ein Schiff samt Atombombe an Bord. „The Expendables“, ein Gruppenporträt der Action-Ikonen (Willis, Lundgren, van Damme, Schwarzenegger, Statham, Rourke, Jet Li, Norris, eigentlich fehlte nur Jackie Chan), handelte selbst davon, dass mit alten Herren jedenfalls dann noch zu rechnen ist, wenn sie über Sprengstoff, automatische Waffen und Teamgeist verfügen.

Eine Antwort auf ihr Altern ist das Training. Stallones Torso, der deshalb oft unbekleidet gezeigt werden musste, wurde immer muskulöser. Er stürzte sich in Stunts ohne Stuntmen, brach sich am Set alle möglichen Knochen. Das diente dem Beweis der Echtheit seiner Anstrengungen. Eine andere Antwort, die zum Wert der Echtheit nicht passte, war die plastische Chirurgie. Stallones Gesicht mit den Augen von Bette Davis, ansonsten mimisch anspruchslos, trägt ihre Spuren. Hinzu kam der baldige Übergang vom Boxen zum Waffengebrauch. Manche Filme Stallones sind wenig mehr als eine Abfolge von Detonationen, unterbrochen von markigen Sprüchen. Im ersten Rambo-Film gab es einen einzigen Toten, im vierten wurden schon 236 gezählt, in „The Expendables II“ 489.

Doch das sind nur ästhetische Lösungen. Der tatsächliche Kampf mit dem Alter ist ein Kampf mittels des Alters. Stallone spielte fast immer Männer, die schon viel eingesteckt haben. In „Rocky“ wird einer, der zum Verlieren bestimmt ist, in letzter Sekunde mit blutig malträtiertem, geschwollenem Antlitz zum Sieger, weil er zuvor alles ertragen hat. Seinen Kampf gewinnt er buchstäblich nur deshalb, weil er als einer von zweien, die niedergeschlagen wurden, noch aufzustehen vermag.

Stallones Figuren treten nicht auf, sie kommen zurück. Wenn er ihnen als Drehbuchautor, Regisseur und Schauspieler oft beim Älterwerden zuschaut, dann nicht, weil für ihn Altern, so traurig es sein kann, der Hauptquell von Melancholie wäre. Altern ist für ihn nur eine der vielen Beschädigungen, die das Leben bereithält, und unter allen Beschädigungen die unentrinnbare. Am heutigen Montag wird Sylvester Enzio „Sly“ Stallone, der noch immer Filme dreht und noch immer dieselben, achtzig Jahre alt.

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