Susanne Weigelin-Schwiedrzik: »China will auf keinen Fall, dass der Iran diesen Krieg verliert«
vor 6 Stunden
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China unterstützt den Iran indirekt auch militärisch, sagt die Sinologin Susanne Weigelin-Schwiedrzik. Aber klar auf der Seite des Iran steht Xi Jinping keineswegs.
25. Juli 2026, 20:32 Uhr
Artikelzusammenfassung
China hält den Iran ökonomisch über Wasser. Susanne Weigelin-Schwiedrzik beschreibt, wie kleine chinesische Raffinerien trotz Sanktionen den Großteil der iranischen Ölexporte abnehmen, via Tauschhandel, Schattenfinanz und teapot-Logik, wodurch Peking dem Regime Cashflow, Medikamente und letztlich politische Atemluft verschafft. Danach wird es geopolitisch heikel: China liefert laut westlichen Recherchen auch raketenrelevante Chemikalien sowie Satellitendaten, bremst Teheran aber, sobald Angriffe auf die Golfstaaten die eigene Energieversorgung, die Belt-and-Road-Korridore und Hunderttausende chinesische Staatsbürger in der Region gefährden. Ein langer Krieg wäre für Chinas Wirtschaft ein toxischer Dauerloop aus hohen Ölpreisen, gestörten Lieferketten und Rezessionsrisiko, politisch jedoch steigert er Pekings Einfluss, weil plötzlich alle mitreden wollen, wenn der Nahe Osten nicht vollends aus dem Ruder laufen soll. Am Ende bleibt das Bild einer aufsteigenden, aber nicht allmächtigen Großmacht: China will keinen offenen Militäreinsatz, könnte seine Hilfe für den Iran dennoch schrittweise hochfahren und zeigt damit, dass seine Weltmachtrolle wächst – nur eben nicht als Regisseur, sondern eher als unverzichtbarer Co-Produzent in einem gefährlichen Krisenformat.
Diese Zusammenfassung wurde mithilfe von Künstlicher Intelligenz erstellt. Vereinzelt kann es dabei zu Fehlern kommen.
Susanne Weigelin-Schwiedrzik, 70, war bis 2020 Professorin für Sinologie an der Universität Wien. 2023 erschien ihr Buch »China und die Neuordnung der Welt«.
DIE ZEIT: China kauft rund 80 Prozent der iranischen Ölexporte
– trotz der Sanktionen, und auch noch im Krieg. Wie geht das?
Susanne Weigelin-Schwiedrzik: Kleine
chinesische Privatraffinerien, die sogenannten teapots, kaufen das Öl
kostengünstig, und sie nutzen dabei nicht die gängigen internationalen
Zahlungswege wie das Swift-System und die großen Banken. Zum Teil läuft das
wie früher im Kalten Krieg: Ware gegen Ware, ein Tauschhandel ganz ohne
Geldtransfer. Der Iran bekommt für sein Öl Dinge des alltäglichen Bedarfs, aber auch
Medikamente. Dabei sind beide Seiten nicht in gleichem Maß aufeinander
angewiesen: Für China machen die Ölimporte aus dem Iran nur einen kleinen Teil
des Bedarfs aus. Für den Iran hingegen ist China der wichtigste Abnehmer.