Stichwahl in München: Dominik Krause wird neuer Oberbürgermeister

vor 1 Stunde 1

Es ist ein historischer Abend für München: In der bayerischen Landeshauptstadt wird zum ersten Mal ein Politiker der Grünen Oberbürgermeister. Dominik Krause (Grüne) siegte am Sonntag in der Stichwahl gegen Amtsinhaber Dieter Reiter (SPD) mit deutlichem Vorsprung. Nach dem vorläufigen Endergebnis lag Krause mit 56,4 Prozent der Stimmen vorne.  Reiter erreichte nur 43,6 Prozent der Wählerstimmen. Reiter gratulierte dem Sieger am frühen Abend und kündigte seinen Rückzug aus der Politik an. Die Wahlbeteiligung lag bei 44,5 Prozent und fiel damit geringer aus als noch vor zwei Wochen.

München war seit Ende des Zweiten Weltkriegs eine Hochburg für die SPD in den bayerischen Kommunen. Nun endet eine Ära in einer Großstadt, die fast acht Jahrzehnte von der Sozialdemokratie geprägt war. Seit 1948 hatte die SPD in München den Oberbürgermeister gestellt, mit Ausnahme der Jahre 1978 bis 1984, als CSU-Mann Erich Kiesl für eine Amtsperiode den Posten innehatte.

Reiters Slogan: „München. Reiter. Passt“

Die Wahl war so spannend wie seit Jahrzehnten nicht mehr in München. Lange galt Reiter, der seit 2014 abwechselnd mit der CSU und den Grünen in einer Koalition regierte, als unangefochtener Favorit. Für ihn war klar, dass allein sein Name für den Wahlsieg reichen sollte. So konzentrierte sich der Wahlkampf vor allem auf seine Person, was sich in Plakatierungen wie „München. Reiter. Passt“ ausdrückte.

Nach Bekanntwerden seiner nicht genehmigten Nebentätigkeit in Aufsichtsgremien des FC Bayern kurz vor den bayerischen Kommunalwahlen am 8. März verlor er jedoch deutlich an Zustimmung. Reiter hatte einräumen müssen, jahrelang Geld vom FC Bayern bekommen zu haben, ohne sich diese Nebentätigkeit vom Stadtrat genehmigen zu lassen. Nach heftiger Kritik legte er seine Ämter beim Fußball-Verein nieder und kündigte an, 90 000 Euro, die er bislang für seine Tätigkeit im Verwaltungsbeirat bekommen habe, zu spenden. Ob er sich einem Disziplinarverfahren stellen muss, ist nach Angaben der zuständigen Regierung von Oberbayern noch unklar. Sie wartet noch auf Reiters Stellungnahme.

 Dieter Reiter nach seiner Wahlniederlage am Sonntag.
„Ich habe es verbockt“: Dieter Reiter nach seiner Wahlniederlage am Sonntag. Stephan Rumpf

Im ersten Wahlgang am 8. März hatte Reiter zwar mit 35,6 Prozent vor Krause mit 29,5 Prozent gelegen. Im Vergleich zu 2020 war das aber ein Minus von mehr als zwölf Prozentpunkten. Die Münchner CSU hatte für die Stichwahl eine Empfehlung für Reiter ausgesprochen. Vor seinen niedergeschlagenen Parteimitgliedern räumte der SPD-Politiker am Sonntagabend seine Niederlage ein. „Ich habe es verbockt, es war meine Schuld.“ Es sei der letzte Tag seiner politischen Karriere. Münchens SPD-Chef Christian Köning dankte ihm für seinen „Einsatz für die Landeshauptstadt München, deren Bilanz wir uns nicht kaputtreden lassen dürfen“. Und richtete kritische Worte an Reiter: Das Ergebnis „war geprägt von der ein oder anderen einsamen Entscheidung.“ Denn auch das zögerliche Vorgehen Reiters bei der Aufklärung der Dotierung seiner Posten beim FC Bayern hatte ihm Kritik eingetragen. Später entschuldigte er sich dafür.

Krause: „Es ist der Wahnsinn!“

Grünen-Politiker Dominik Krause, 35, bisheriger Zweiter Bürgermeister der Landeshauptstadt, hatte von Fehlern Reiters im Wahlkampf profitiert. Wie ‌Reiter hatte Krause bezahlbares Wohnen in den Mittelpunkt seines Wahlkampfs gestellt. Vor enthusiastischen Parteimitgliedern auf der Wahlparty der Grünen sprach er von einer Sensation: „Es ist der Wahnsinn! Ich kann versprechen: Diese Aufbruchstimmung wollen wir in den nächsten Monaten und den nächsten sechs Jahren umsetzen.“ Es stünden angesichts der leeren Stadtkasse schwere Entscheidungen an.

Kurz nach seinem Amtsantritt im Rathaus vor zweieinhalb Jahren hatte er das Münchner Oktoberfest als die „weltweit größte offene Drogenszene“ bezeichnet. Nun wird Krause als erster Grüner überhaupt die Wiesn eröffnen und das erste Fass anzapfen.

Gesamten Artikel lesen