"South of Midnight": Melancholisches Monsterschnetzeln

vor 1 Tag 1

Es knistern die Äste, es flüstern die Geister und im Hintergrund singt die Band ihren Blues. "South of Midnight" von Compulsion taucht tief in die geheimnisvolle Welt des Southern Gothic des US-amerikanischen Südens ein. Passend zur Soundkulisse geht es um Trauer, Verlust und Einsamkeit. Schade, dass zwischen Stimmung und Spielgerüst eine große Lücke klafft.

Hazels Welt liegt in Trümmern. Die junge Frau muss mitansehen, wie ein Sturm ihre Mutter und ihr Heim wegfegt. In diesem Chaos entdeckt sie ihre magischen Fähigkeiten als geheimnisumwitterte "Weberin", die tief in ihrer Familie verwurzelt sind. Als sie sich auf die Suche nach ihrer Mutter macht, trifft sie auf eine eigenartige Welt der Geister und Monster, die erst auf den zweiten Blick ihren Schrecken verlieren.

"South of Midnight" angespielt (5 Bilder)

Tolle Stimmung, schwaches Spielprinzip: "South of Midnight" macht es den Spielern nicht leicht (Bild:

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Wenn Spiele nur nach Atmosphäre und Stil bewertet würden, wäre "South of Midnight" das Spiel des Jahres. Compulsion taucht tief in die Welt der Cajun-Folklore ein. Hazel begegnet mythischen Figuren wie dem Gestaltwandler Rougarou oder dem Nachtdämon Kooshma in einer Welt voller Geheimnisse. Die Weberin reist von den Sümpfen des Südens bis zu bizarren Traumwelten, kämpft gegen menschliche Riesenspinnen und tanzt in einem Nachtklub. Alles umrahmt von einem Soundtrack aus Blues- und Folkmusik, dessen Rhythmus sofort in seinen Bann zieht.

Dazu erzählt das Spiel von tiefgründigen Themen wie Verlust und Trauer. Hazel wird von Selbstzweifeln geplagt, wie ihre nordische Leidensgefährtin Senua aus "Hellblade". Sie erlebt das Schicksal von Verstoßenen, die verflucht wurden oder sich in der grotesken Mythenwelt des Southern Gothic verirrt haben. Das ist alles hervorragend vertont, auch wenn es nur eine englische Sprachausgabe gibt.

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Warum so viele Worte über die Stimmung und noch keines über das Spiel? Weil das spielerische Konzept mit der audiovisuellen Umsetzung nicht mithalten kann. "South of Midnight" ist ein klassisches Hack & Slay aus der Schulterperspektive, dessen Muster sich immer wiederholen. Hazel landet in einer Kill Arena, bekämpft die gruseligen, aber wenig abwechslungsreichen Monster und reinigt Gebiete von sogenannten "Makeln". Ein paar Bosskämpfe sorgen für Abwechslung.

Wo ein Kratos aus "God of War" seine Chaosklingen hat oder ein Dante aus "Devil May Cry" Pistolen und Schwerter nutzt, so hat Hazel als Weberin magische Nadeln. Mit Fadenstößen wehrt sie die Feinde ab oder zieht sie an sich heran. Wie üblich reiht sie eine einfache Schlagkombo an die nächste. Überall in der Welt findet sie magischen "Flausch", mit dem sie ihre Fähigkeiten aufrüsten kann.

Hazels magische Fähigkeiten helfen ihr auch abseits der Kämpfe. Sie kann geisterhafte Objekte in feste Gegenstände verwandeln, um über sie zu klettern oder schwingt sich von einem Haken an entlegene Orte. Später beschwört sie das kleine Kuscheltier Crouton, das durch Tunnel spaziert, um Schalter umzulegen. Dazwischen darf Hazel auch mal ein paar Wände hochklettern oder über Abgründe gleiten.

In den rund 12 Spielstunden wird dieser Mix zunehmend eintönig. Immer wieder die gleichen Monster in der gleichen Arena erledigen? Klettereinlagen, die eher Beschäftigungstherapie als spielerisch sinnvoll sind? So viel aufgesetztes "Spiel" hat "South of Midnight" gar nicht nötig. Artdesign und Soundkulisse sorgen allein schon für eines der eindrucksvollsten Spielerlebnisse des Jahres.

"South of Midnight" von Compulsion Games ist ein Spiel mit zwei Gesichtern. Einerseits sind da die eintönigen und einfallslosen Monsterkämpfe und andererseits ist da eine beeindruckend stimmungsvolle Spielwelt. Erst dadurch entfaltet das Spiel seinen Reiz. Das Southern-Gothic-Szenario ist originell und die Story makaber und melancholisch zugleich. Wer "South of Midnight" genießen will, sollte den Schwierigkeitsgrad ganz nach unten schrauben, auf die Upgrades verzichten und sich ganz auf die Story konzentrieren. Ein Spiel für interessierte Entdecker und weniger für Actionfans.

"South of Midnight" erscheint am 8. April für Windows und Xbox Series. USK ab 16. Es kostet ca. 40 €. Für unseren Test haben wir das Spiel auf der Windows-Version durchgespielt.

(dahe)

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