Düstere Aussichten: Laut einer repräsentativen Umfrage des Markt- und Meinungsforschungsinstituts Civey erwarten 54 Prozent der Deutschen, dass sich die sicherheitspolitische Lage hierzulande in den kommenden zwei Jahren verschlechtern wird. Demnach rechnen nur rund 15 Prozent der Menschen mit einer Verbesserung.
Das Consulting-Unternehmen Deloitte hat die Umfrage unter 5000 Bundesbürgerinnen und Bundesbürgern ab 18 Jahren in Auftrag gegeben und anlässlich der Münchner Sicherheitskonferenz veröffentlicht, die am kommenden Freitag beginnt.
Demnach ist eine überwältigende Mehrheit nicht von der Verteidigungsfähigkeit Deutschlands überzeugt: Drei Viertel der Befragten (76,8 Prozent) beurteilen diese als eher gering oder sehr gering. Parallel dazu empfindet eine Mehrheit (60,5 Prozent), dass sich die sicherheitspolitische Zusammenarbeit innerhalb der Nato in den vergangenen zwei Jahren verschlechtert hat. Nur 17,5 Prozent sehen hier eine Verbesserung.
Meinungen zur militärischen Bedrohung gehen auseinander
Die Einschätzung der aktuellen militärischen Bedrohungslage in Deutschland ist geteilt: Während 43,7 Prozent der Befragten Deutschland als militärisch bedroht empfinden, sehen genauso viele keine solche Bedrohung.
Der Umfrage zufolge richten sich die Bedenken vorwiegend gegen hybride Gefahren. Über die Hälfte der Befragten (53,6 Prozent) empfindet Anschläge auf kritische Infrastruktur als größte Bedrohung der nationalen Sicherheit, gefolgt von Cyberangriffen auf Staat und Wirtschaft (39,6 Prozent) sowie politischem Extremismus (39 Prozent). Militärische Angriffe auf deutsches Gebiet werden hingegen nur von 8 Prozent der Befragten als größte Bedrohung wahrgenommen.
»Die Menschen in Deutschland nehmen Sicherheit heute breiter und realistischer wahr«, sagt Volker Krug, CEO bei Deloitte Deutschland. Nicht allein militärische Szenarien, sondern vor allem Angriffe auf kritische Infrastruktur und Cyberattacken bereiteten Sorgen. »Dieses Stimmungsbild ist ein klarer Handlungsauftrag an Politik, Wirtschaft und Verwaltung, Widerstandsfähigkeit, digitale Sicherheit und Krisenfähigkeit gemeinsam zu stärken.«
Vertrauen in die USA geht massiv zurück
Bei der globalen Krisenbewältigung favorisiert die Bevölkerung für Deutschland eine unterstützende Rolle als »Mitgestalter« (47,9 Prozent), deutlich vor einer neutralen Position (27,1 Prozent) oder einer führenden Rolle als »Vorreiter« (17,6 Prozent).
Als vertrauenswürdigster sicherheitspolitischer Partner wird die Europäische Union von zwei Dritteln der Befragten genannt, gefolgt von Großbritannien mit 49,7 Prozent. Den USA vertrauen nur noch 15 Prozent als Partner in der Sicherheitspolitik, gefolgt von Russland mit knapp 11 Prozent. Die Stärkung der Nato-Zusammenarbeit (54 Prozent) und die Reduzierung strategischer Abhängigkeiten (58,1 Prozent) sind die bevorzugten Wege für ein stärkeres internationales Engagement.
»Die Diskrepanz zwischen dem Wunsch nach einer starken Rolle in internationalen Bündnissen und der Skepsis gegenüber der eigenen Verteidigungsfähigkeit verdeutlicht die Herausforderung, vor der Deutschland steht«, kommentiert Germar Schröder von Partner Defence & Security bei Deloitte. Man müsse die eigene Verteidigungsfähigkeit sichern und zugleich multinational denken – »von Fähigkeiten über Beschaffung bis zu Interoperabilität«. Nun gehe es darum, »Vertrauen in die eigenen Fähigkeiten aufzubauen und gleichzeitig die europäische Zusammenarbeit zu festigen«.
Auch die bevorzugten Informationsquellen der Beteiligten wurden abgefragt: Um sich über sicherheitspolitische Themen zu informieren, nutzen demnach die meisten Deutschen Zeitungen und Nachrichtenportale (65,9 Prozent) sowie das öffentlich-rechtliche Fernsehen (59,5 Prozent). Soziale Netzwerke (11,2 Prozent) und Podcasts/YouTube-Kanäle (16,6 Prozent) spielen eine geringere, aber für jüngere Zielgruppen relevante Rolle.

vor 2 Stunden
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