Im Schwarzwald, auf der Hornisgrinde, verhält sich ein Wolf seit mehr als drei Jahren auffällig. Teilweise kommt er Spaziergängern, besonders denen mit Hunden, zu nahe und folgt ihnen oft im Abstand von unter 30 Metern. Es hat mehrere erfolglose Versuche gegeben, den Wolf mit einem Sender auszustatten und zu vertreiben, bis das baden-württembergische Umweltministerium Anfang des Jahres eine Abschussgenehmigung erteilte. Seit Mitte März ist sie ausgesetzt.
Nach der Abschussgenehmigung wollen Fachleute weiter versuchen, den verhaltensauffälligen Wolf von Menschen abzuhalten und in die Tiefen des Schwarzwaldes zu treiben: »Wir sind uns einig, dass wir nichts unversucht lassen wollen und in den kommenden Wochen schauen, ob es doch noch eine Chance gibt, dieses schon ausgewachsene Tier umzutrainieren«, sagte der Leiter des Nationalparks Schwarzwald, Berthold Reichle, in einer Mitteilung. Details dazu blieben zunächst offen.
Der Nationalpark verwies jedoch auf Expertenprognosen, die bezweifeln, dass ein ausgewachsenes Tier umzutrainieren sei. »Jeder Mensch, der sich ihm freundlich nähert, wird das Umtrainieren zunichtemachen«, sagte Urs Reif, Abteilungsleiter Flächenmanagement im Nationalpark. In den vergangenen Wochen seien immer wieder Sichtungen berichtet worden, auch außerhalb der Paarungszeit.
Nur eine Frage der Zeit
Den Angaben nach ist der Wolf noch nie übergriffig geworden. Nach dem Austausch mit Experten in Deutschland und Europa seien sich alle einig, »dass das Verhalten dieses Wolfes nicht normal ist«, sagte Wildtiermanager Raffael Kratzer. Letztlich sei nicht vorhersehbar, ob sich das Verhalten ändern und es doch zu einem Übergriff kommen könnte, so Kratzer. Die weitere Entwicklung hänge dabei auch vom Verhalten der Menschen ab, hieß es. Versuche, den Wolf für Fotos oder Videos aufzuspüren oder ihn verbotenerweise zu füttern, seien absolut kontraproduktiv.
Seit der Änderung des Jagdrechts ist das Landwirtschaftsministerium für den Wolf zuständig. Diesem ist die Forstliche Versuchs- und Forschungsanstalt untergeordnet, die das landesweite Monitoring zum Wolf koordiniert.
Nähert sich der Wolf weiterhin Menschen und nimmt das 2027 mit Beginn der Ranzzeit sogar zu, wird das Ministerium entscheiden müssen, ob es den Rüden wieder zum Abschuss freigibt. »Dann geht es für uns auch darum, die Zukunft der Wölfe in Deutschland insgesamt zu schützen«, so Reichle. Die werde es nur geben, wenn sich Wölfe und Menschen nicht gefährlich nahekommen.

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