Russland: Wladimir Putin soll sich aus Angst vor Attentaten immer drastischer abschotten

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Der Kreml soll die Sicherheitsmaßnahmen für den russischen Präsidenten Wladimir Putin drastisch verstärkt haben. Unter anderem seien Überwachungssysteme in den Wohnungen seiner engsten Mitarbeiter installiert worden, meldet der US-Sender CNN  unter Berufung auf einen Bericht eines europäischen Geheimdienstes. Als Grund für die Abschottung wird demnach eine Welle von Attentaten auf hochrangige russische Militärs und die Angst vor einem Putsch gegen Putin angegeben.

Die Maßnahmen sollen vor allem Putins Umfeld treffen: Köche, Leibwächter und Fotografen, die mit dem Präsidenten zusammenarbeiten, dürfen dem Bericht zufolge keine öffentlichen Verkehrsmittel mehr benutzen. Besucher des Kremlchefs müssen demnach zwei Kontrollen durchlaufen, und seine engsten Mitarbeiter dürfen nur noch Telefone ohne Internetzugang verwenden.

Auch für Putin selbst sollen Einschränkungen gelten. So hätten Sicherheitsbeamte die Anzahl der Orte, die der Kremlchef regelmäßig besucht, drastisch reduziert. Er und seine Familie seien laut Geheimdienstbericht nicht mehr in ihren üblichen Residenzen in der Region Moskau und der Waldai-Residenz, dem abgeschiedenen und luxuriösen Sommeranwesen der Putins. Auch habe Putin in diesem Jahr noch keine Kaserne oder andere Militäreinrichtungen besucht. Stattdessen verbreite der Kreml vorab aufgezeichnete Bilder von ihm.

Kompetenzgerangel im Kreml

Gerüchte über die Abschottung Putins gibt es schon länger. Bereits seit dem russischen Angriff auf die Ukraine 2022 war Putin immer wieder über Wochen in Bunkern abgetaucht, öffentliche Auftritte wurden rarer. Zugleich aber zeichnet der neue Bericht das Bild eines zunehmend nervöseren Machtapparats im Kreml. Unter den Rückschlägen im Ukrainekrieg, wirtschaftlichen Schwierigkeiten und diplomatischen Krisen wächst offenbar die Angst vor einem Staatsstreich.

Zugleich streiten laut Bericht das Militärkommando und die für die innere Sicherheit zuständigen Organe über Kompetenzen: Es geht um die Frage, wer für den Schutz hochrangiger Offiziere zuständig ist. Im Dezember vergangenen Jahres gelang ein Anschlag auf Generalleutnant Fanil Sarwarow und erst im Februar war erneut ein hochrangiger General niedergeschossen worden. Mehr zum versuchten Attentat auf den General lesen Sie hier .

Laut dem Geheimdienstbericht sei Putin selbst voller Sorge, besonders fürchte er mögliche Drohnenattentate durch Mitglieder der russischen politischen Elite. Vor allem Putins ehemaliger Vertrauter Sergej Schoigu – einst Verteidigungsminister, derzeit Sekretär des Sicherheitsrates  – »wird mit der Putschgefahr in Verbindung gebracht, da er weiterhin erheblichen Einfluss im militärischen Oberkommando ausübt«, heißt es im Bericht. Fast alle ehemaligen Stellvertreter Schoigus werden mittlerweile von der russischen Justiz verfolgt. Unter anderem wurde Ruslan Tsalikow im März festgenommen. Dies werde als »Verstoß gegen die stillschweigenden Schutzabkommen unter den Eliten« angesehen, heißt es in dem Bericht.

Leak mit Strategie

Dass westliche Geheimdienste derart detaillierte Berichte über feindliche Akteure an die Medien weitergeben, ist selten. CNN selbst spekuliert, dass die Veröffentlichung des Dossiers darauf abzielen könnte, den Kreml zu destabilisieren.

Die Details wurden nur wenige Tage nach Moskaus Ankündigung bekannt, bei der Militärparade auf dem Roten Platz am 9. Mai auf Panzer und Raketen verzichten zu wollen. Mit der Parade erinnert Russland jährlich an den Sieg über die Nationalsozialisten 1945. Das eigene Kriegsgerät zur Schau zu stellen, gehörte für den Kreml lange dazu. Dieses Mal soll aber auf schwere Waffen verzichtet werden, weil die Bedrohung durch reichweitenstarke ukrainische Angriffe größer geworden sei.

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