Reaktionen auf US-Zölle: Welthandelsorganisation warnt vor Rückgang im Welthandel

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Unter den US-Zöllen wird der Welthandel leiden, warnt die WTO. Trump zeigt sich derweil zufrieden mit seiner Politik. "Der Patient lebt und erholt sich", schreibt er.

3. April 2025, 19:30 Uhr Quelle: ZEIT ONLINE, dpa, AFP,

 "Handelsmaßnahmen dieser Größenordnung haben das Potenzial, zu erheblichen Umleitungen der Handelsströme zu führen", sagt WTO-Chefin Ngozi Okonjo-Iweala.
"Handelsmaßnahmen dieser Größenordnung haben das Potenzial, zu erheblichen Umleitungen der Handelsströme zu führen", sagt WTO-Chefin Ngozi Okonjo-Iweala. © Pierre Albouy/​AFP/​Getty Images

Die Welthandelsorganisation (WTO) geht wegen der Zollpolitik von US-Präsident Donald Trump von einem Rückgang im weltweiten Warenhandel aus. Dieser werde um ein Prozent sinken, was einer Korrektur der aktuellen Prognose um vier Prozentpunkte nach unten entspreche, teilte WTO-Chefin Ngozi Okonjo-Iweala in Genf mit.

Die Situation könnte mit möglichen Vergeltungsmaßnahmen zu einem Zollkrieg eskalieren, der den Handel dann weiter beeinträchtige, warnte Okonjo-Iweala. "Handelsmaßnahmen dieser Größenordnung haben das Potenzial, zu erheblichen Umleitungen der Handelsströme zu führen." Gleichzeitig erinnerte sie daran, dass der Großteil des Welthandels weiter nach den ausgehandelten WTO-Regeln stattfinde. Dieser mache derzeit rund 74 Prozent aus. Anfang des Jahres, bevor Trump erneut Präsident wurde, waren es noch 80 Prozent. "Ich rufe die Mitgliedsländer auf, mit dem daraus resultierenden Druck verantwortungsvoll umzugehen, um zu verhindern, dass sich die Handelsspannungen ausweiten."

Trump selbst zeigte sich indes zufrieden mit seiner Politik. Er verglich die Zölle mit einer riskanten, aber notwendigen medizinischen Operation für die heimische Wirtschaft. "Der Patient lebt und erholt sich", schrieb er in Großbuchstaben auf seiner Onlineplattform Truth Social. Seine Prognose: Der Patient werde künftig "stärker, größer, besser und widerstandsfähiger" sein.

"Vertraut Präsident Trump"

Seine Sprecherin Karoline Leavitt teilte mit: "Vertraut Präsident Trump". Der Republikaner setze auf eine "bewährte Wirtschaftsformel", sagte sie dem Sender CNN angesichts nervöser Aktienmärkte. Nach Handelsbeginn am Donnerstag drehten dennoch alle großen US-Börsenindizes ins Minus. Im Unklaren ließ Leavitt, inwieweit die US-Regierung nun zu Verhandlungen über die Zölle bereit ist. "Der Präsident hat gestern klargestellt, dass es nicht um Verhandlungen geht", sagte sie. Trump sei aber "immer bereit, ans Telefon zu gehen, um Anrufe zu beantworten".

Zahlreiche Staats- und Regierungschefs hatten die Ankündigung Trumps bereits kritisiert und kündigten Gegenmaßnahmen an. Frankreichs Präsident Emmanuel Macron teilte am Nachmittag seine Sorge über die Auswirkungen der Zölle auf die europäische Wirtschaft. "Die Entscheidung, die heute Nacht angekündigt wurde, ist eine brutale und unbegründete Entscheidung", sagte er in Paris.

Macron sieht US-Bürger härter bestraft

Von den Waren im Wert von 500 Milliarden Euro, die die Europäer in die USA exportieren, seien mehr als 70 Prozent von den Zöllen betroffen. "Wie man sieht, ist dies eine massive Auswirkung, die alle Sektoren der europäischen Wirtschaft und des Exports betreffen wird", sagte Macron. Frankreich sei zwar weniger betroffen als andere Länder, aber für einige Sektoren sei es massiv. "Dies ist ein Ausmaß, das auf jeden Fall neu ist."

In erster Linie träfen die negativen Auswirkungen jedoch die US-Wirtschaft, sagte Macron. "Und eines ist sicher: Mit den Entscheidungen von heute Nacht werden die US-Wirtschaft und die Amerikaner, seien es Unternehmen oder Bürger, schwächer als gestern und ärmer aus der Krise hervorgehen. Ich denke, das muss man betonen."

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