Ursula von der Leyen hat mit Besorgnis angesichts der Angriffe auf den Iran reagiert. Die Bevölkerung müsse geschützt werden. Andere fürchten eine weitere Eskalation.
Aktualisiert am 28. Februar 2026, 14:21 Uhr Quelle: DIE ZEIT, Reuters, AP, AFP, dpa, sko
Die Angriffe des israelischen und des US-Militärs auf den Iran beunruhigen auch die Gegner des iranischen Regimes. EU-Kommissionspräsidentin Ursula von der Leyen bezeichnete die Situation als "sehr besorgniserregend". "Wir bekräftigen unser unerschütterliches Engagement für die Wahrung der regionalen Sicherheit und Stabilität", schrieb sie auf X. In Abstimmung mit den EU-Mitgliedsstaaten werde die Kommission EU-Bürger in der Region unterstützen. "Wir rufen alle Parteien dazu auf, größtmögliche Zurückhaltung zu üben, die Zivilbevölkerung zu schützen und das Völkerrecht uneingeschränkt zu achten."
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EU-Außenbeauftragte Kaja Kallas zeigte sich ebenfalls besorgt. "Ich habe mit Israels Außenminister Sa'ar und anderen Ministern der Region gesprochen. Die EU koordiniert sich zudem eng mit ihren arabischen Partnern, um diplomatische Wege auszuloten", schrieb sie auf X. Der Schutz der Zivilbevölkerung und die Einhaltung des humanitären Völkerrechts hätten höchste Priorität. Zudem sagte sie mögliche Unterstützung zu: "Unsere Marinemission Aspides befindet sich weiterhin in höchster Alarmbereitschaft im Roten Meer und ist bereit, dazu beizutragen, den Seeweg offenzuhalten."
US-Demokraten kritisierten, dass der Kongress vor den Angriffen nicht informiert wurde, wie es nach internationalem Recht eigentlich hätte passieren müssen. Der Senator Jack Reed, der führende Demokrat im Senatsausschuss für Streitkräfte, kritisierte die Trump-Regierung nach Angaben von CNN dafür, dass dem Kongress vor den Angriffen keine "echten Briefings oder Geheimdienstinformationen" vorgelegt wurden. Es sei "schwer, Maßnahmen ohne Begründung zu rechtfertigen". Der Demokrat John Fetterman begrüßte laut CNN dagegen die Angriffe.
Deutsche sehen Chance auf Regimewechsel
Auch Deutschland zeigt sich besorgt. "Das Auswärtige Amt beobachtet die Lage in Iran und Israel und der weiteren Region genau", sagte ein Sprecher des Auswärtigen Amtes der ZEIT. Es stehe in engem und ständigem Kontakt mit den Botschaften in der Region. Der Krisenstab der Bundesregierung sei um 12 Uhr im Auswärtigen Amt zusammengekommen. Deutsche Staatsangehörige im Iran, in Israel und der weiteren Region sollen den Anweisungen der lokalen Behörden zum Selbstschutz Folge leisten. Die Reise- und Sicherheitshinweise würden laufend aktualisiert.
Deutsche Politiker sehen in dem Angriff aber auch eine Chance. "Der Iran hintergeht seit Jahren das internationale Atomabkommen und vermittelt den Eindruck, militärische Nuklearmacht zu werden", sagte der CDU-Außenpolitiker Roderich Kiesewetter t-online. Zugleich erkenne der Iran das Existenzrecht Israels nicht an, sondern wolle Israel vernichten. Hinzu komme "der kürzliche Massenmord und jahrzehntelange Terror der Mullahs an der eigenen Bevölkerung". Der Erfolg der Angriffe müsse sich auch daran messen, dass es "zu einem möglichen Systemwechsel im Iran und nicht zu einer Ausweitung des Krieges in der Region kommt".
Auch die FDP-Europapolitikerin Marie-Agnes Strack-Zimmermann äußerte Hoffnung auf ein Ende des autoritären Regierungssystems im Iran. "Gelingt es, das Mullah-Regime zu stürzen, wäre das für die Menschen im Iran, auch für die Menschen im Nahen Osten und darüber hinaus in Europa eine Chance eines friedlichen, gemeinsamen Neubeginns", sagte sie der Rheinischen Post. Die Frage sei aber zunächst, "wie erfolgreich der Präventivschlag" Israels und der USA sein werde.
Die Linkspartei verurteilte den Militärangriff. "Israel und die USA missachten mit den Angriffen auf den Iran das Völkerrecht und riskieren damit einen Krieg, der katastrophale Folgen für die gesamte Region – allen voran die Zivilbevölkerung – haben könnte", sagte Fraktionschef Sören Pellmann. Die Bundesregierung müsse Maßnahmen zur Deeskalation ergreifen. "Ein Regimewechsel kann niemals herbeigebombt werden." Er forderte Diplomatie.
Starmer, Macron und Sánchez warnen vor Eskalation
Die britische Regierung warnte vor einer weiteren Eskalation. Premierminister Keir Starmer berief am Vormittag eine Sitzung des nationalen Krisenstabs Cobra ein, meldete die britische Nachrichtenagentur PA. Der Iran dürfe niemals Atomwaffen entwickeln, deswegen habe man stets Bemühungen um eine Verhandlungslösung unterstützt, sagte ein Sprecher. "Angesichts von Berichten über Raketenangriffe sollten britische Staatsbürger in Bahrain, Kuwait, Katar und den Vereinigten Arabischen Emiraten unverzüglich an ihrem Aufenthaltsort Schutz suchen", hieß es zudem in einem Aufruf des britischen Außenministeriums auf X.
Frankreichs Präsident Emmanuel Macron forderte angesichts der Angriffe auf den Iran eine Dringlichkeitssitzung des UN-Sicherheitsrats. "Der Kriegsausbruch zwischen den Vereinigten Staaten, Israel und dem Iran hat schwerwiegende Folgen für den internationalen Frieden und die Sicherheit", schrieb er auf X. "Die gegenwärtige Eskalation ist für alle gefährlich. Sie muss gestoppt werden." Das iranische Regime müsse begreifen, dass ihm keine andere Wahl bleibe, als in ernsthafte Verhandlungen einzutreten, um sein Atom- und Raketenprogramm sowie seine destabilisierenden Aktionen in der Region zu beenden.
Der spanische Ministerpräsident Pedro Sánchez verurteilte den US-Angriff. Der einseitige Angriff stelle eine Eskalation dar und trage zu einer unsichereren und feindseligeren internationalen Ordnung bei, sagte er.
Polen war informiert, Norwegen zeigt sich besorgt
Der polnische Premierminister Donald Tusk teilte nach Beginn der Angriffe mit, polnische Staatsbürger im Iran seien derzeit in Sicherheit, die Regierung sei aber "auf verschiedene Szenarien vorbereitet". "Die Einheit der Polen in Sicherheitsfragen ist heute besonders wichtig", schrieb er auf X. Auch der polnische Präsident Karol Nawrocki wusste nach eigenen Angaben über die Angriffe Bescheid. "Dank der Kanäle, die wir zu unseren Verbündeten und Koalitionspartnern unterhalten, waren wir über die militärischen Maßnahmen Israels und der USA informiert", schrieb er auf X.
Norwegens Außenminister Espen Barth Eide schrieb dagegen, er sei zutiefst besorgt, dass nach den Angriffen ein neuer, umfassender Krieg im Nahen Osten beginne. "Der Angriff wird von Israel als Präventivschlag bezeichnet, entspricht jedoch nicht dem Völkerrecht. Präventivschläge erfordern eine unmittelbar bevorstehende Bedrohung", schrieb er in einer Stellungnahme an die Nachrichtenagentur Reuters. Er mahnte außerdem zur Zurückhaltung und dazu, die Suche nach diplomatischen Lösungen nicht aufzugeben.
Das ukrainische Außenministerium gab iranischen Behörden die Schuld an der Eskalation. Die ukrainische Regierung stehe hinter dem iranischen Volk und fordere einen Regierungswechsel im Iran. "Die Ursache für die aktuellen Ereignisse ist genau die Gewalt und Straflosigkeit des iranischen Regimes, insbesondere die Tötungen und Unterdrückung friedlicher Demonstranten, die in den letzten Monaten besonders weit verbreitet waren", schrieb er.
Australien begrüßt Angriff, Russland kritisiert Trump
Australiens Premierminister Anthony Albanese teilte mit, er unterstütze die US-Angriffe auf den Iran, um diesen vom Bau einer Atomwaffe abzuhalten. "Australien steht an der Seite des tapferen iranischen Volkes in seinem Kampf gegen die Unterdrückung", schrieb er auf X. Australische Behörden beobachteten die Situation. Australiern werde dringend davon abgeraten, in den Iran zu reisen. Wer dort sei, solle das Land so schnell wie möglich verlassen, sofern das gefahrlos möglich sei. Die Möglichkeiten konsularischer Hilfe seien äußerst begrenzt.
Der stellvertretende Vorsitzende des Sicherheitsrates Russlands, Dmitri Medwedew, kritisierte US-Präsident Donald Trump wegen des Angriffs auf den Iran. "Der Friedensstifter hat wieder einmal sein Gesicht gezeigt", sagte er. "Alle Verhandlungen mit dem Iran sind eine Tarnoperation. Niemand hat daran gezweifelt. Niemand wollte wirklich über irgendetwas verhandeln." Zugleich machte er deutlich, dass er dem Iran ein längeres Durchhalten gegen die US-Angriffe zutraue.
Auch Pakistans Außenminister Ishaq Dar verurteilte die "ungerechtfertigten" Angriffe auf den Iran scharf. Das teilte das pakistanische Außenministerium nach einem Telefonat mit seinem iranischen Amtskollegen Abbas Araghtschi X mit. Dar sprach sich für ein sofortiges Ende der Eskalation aus. Die Krise solle durch diplomatische Bemühungen gelöst werden.
Genauso verurteilte der Vermittlerstaat Oman die Angriffe.
Angst in der Region vor Ausweitung des Konflikts
Der libanesische Ministerpräsident Nawaf Salam sagte, er werde nicht akzeptieren, dass jemand "das Land in Abenteuer hineinzieht, die seine Sicherheit und Einheit gefährden", und richtete damit eine indirekte Botschaft an die vom Iran unterstützte libanesische Hisbollah-Miliz. Er wies auf die "ernsthaften Entwicklungen" in der Region hin und forderte "alle Libanesen auf, mit Weisheit und Patriotismus zu handeln und die Interessen des Libanon und des libanesischen Volkes über alle anderen Erwägungen zu stellen". Die ebenfalls mit Teheran verbündete Huthi-Miliz im Jemen hatte bereits neue Angriffe auf Israel und internationale Schiffe angekündigt.
Der Sohn des letzten iranischen Schahs und Figur des iranischen Widerstandes gegen das Regime, Reza Pahlavi, geht eigenen Angaben zufolge von einem baldigen Ende der Islamischen Republik aus. "Wir sind nahe an einem endgültigen Sieg", sagte Pahlavi, der in den USA im Exil lebt, in einer Videobotschaft. "Ich möchte so bald wie möglich an eurer Seite sein, damit wir zusammen uns den Iran zurückholen und wiederaufbauen können." Vorerst solle die iranische Bevölkerung aber nicht auf die Straße gehen. "Ich rufe euch auf, in euren Häusern zu bleiben und eure Sicherheit zu schützen." Er werde Proteste ausrufen.
In der Nacht auf Samstag haben das israelische und das US-Militär Ziele im Iran angegriffen. Israels Verteidigungsminister Israel Katz nannte die Angriffe einen "Präventivschlag". US-Präsident Donald Trump kündigte einen "massiven und andauernden Einsatz" an. In mehreren iranischen Städten waren Explosionen und Rauch zu beobachten. Der Iran hat eigenen Angaben zufolge einen Gegenangriff auf Israel gestartet. Vieles ist bisher nicht absehbar.

vor 19 Stunden
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