In Albanien protestieren Umweltschützer gegen ein Luxusbauprojekt in einem Naturschutzgebiet. Am Projekt ist die Firma von Trump-Schwiegersohn Jared Kushner beteiligt.
Quelle: DIE ZEIT, dpa, AP, yer Aktualisiert am 2. Juli 2026, 19:54 Uhr
Bei Zusammenstößen zwischen der Polizei und Gegnern eines Luxusimmobilienprojekts sind in der albanischen Hauptstadt Tirana mehrere Menschen verletzt worden. Es kam zu Festnahmen. Die Proteste richten sich gegen die geplante Bebauung von Teilen der Lagune von Narta im Delta des Flusses Vjosa durch amerikanische Investoren. Federführend ist dabei eine Firma von Jared Kushner, dem Schwiegersohn von US-Präsident Donald Trump.
In der Bucht von Zvernec und auf der Insel Sazan sollen Luxushotels, Villenanlagen und Freizeiteinrichtungen entstehen. Umweltschützer befürchten, dass das Vorhaben das sensible Ökosystem im Vjosa-Delta an der Adria nachhaltig beschädigen könnte. Dazu gehören etwa Rast- und Brutgebiete für Flamingos, Reiher und andere Vögel. In Tirana demonstrieren deshalb seit mehr als einem Monat an den Abenden jeweils Tausende Menschen. Die Medien sprechen inzwischen von einer »Flamingo-Revolution«, weil Teilnehmer der Demonstrationen häufig kleine Flamingofiguren hochhalten.
Demonstrierende fordern Rücktritt von Ministerpräsident Rama
Erstmals fanden nun auch tagsüber Proteste statt. Nach Berichten albanischer Medien versuchten Demonstranten, das Parlamentsgebäude zu blockieren. Außerdem sollen sie Eier und Mehl auf Polizisten geworfen haben. Die Polizei setzte Wasserwerfer und Pfefferspray ein. 18 Personen seien vorläufig festgenommen worden, berichtete die staatliche Nachrichtenagentur ATA unter Berufung auf die Polizei. 15 Polizisten und 4 Demonstranten seien wegen Verletzungen in Krankenhäusern versorgt worden, schrieb die Agentur weiter.
Die Demonstranten verlangen den Rücktritt von Ministerpräsident Edi Rama, weil sie hinter seinem Beharren auf dem Projekt Korruption vermuten. Der sozialistische Politiker hatte vor knapp zwei Jahren das Gesetz zu Naturschutzgebieten lockern lassen. Das ermöglicht es erst, dass das Vjosa-Delta für den Luxus-Tourismus erschlossen werden kann. Teilweise richten sich die Proteste mittlerweile generell gegen politische Missstände und die Amtsführung Ramas.
Rama gab an, das derzeit noch gar keine Baugenehmigung für das Projekt vorläge. Tatsächlich aber waren Ende Mai Baumaschinen auf dem vorgesehenen Gelände aufgefahren, was die bis heute anhaltende Protestwelle ausgelöst hatte.

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