Privates Netzwerk von Peter Thiel: Jens Spahn ist wieder zum Treffen eingeladen

vor 2 Tage 2

Auf der Gästeliste stehen Tech-Giganten, hohe US-Beamte, Militärs und Politiker, diskutiert wird über eine Atomkraft-Renaissance oder einen möglichen Dritten Weltkrieg: Zwei Jahrzehnte lang hat die „Dialog Society“ – 2006 vom rechtslibertären Palantir-Gründer Peter Thiel ins Leben gerufen – ihre Mitglieder nicht genannt.

Jetzt hat ein Datenleck sie offengelegt. Unter den Namen findet sich auch ein deutscher Politiker: Jens Spahn, Unionsfraktionschef und früherer Gesundheitsminister.

Zuerst hatte das US-Magazin „Wired“ darüber berichtet, dass interne Unterlagen der Dialog Society offen im Netz standen. Im Quelltext der Website dialog.org war ein Mitgliederverzeichnis hinterlegt, worauf die Schweizer Hackerin Maia Arson Crimew hinwies – „Wired“ überprüfte dies nach eigenen Angaben unabhängig.

Spahn will das diesjährige Treffen auslassen

Jens Spahns Name taucht im Quelltext der archivierten Dialog-Website auf. Der Tagesspiegel konnte diesen Eintrag über das öffentlich zugängliche Archiv der Seite selbst nachvollziehen.

Auf Tagesspiegel-Anfrage teilte Spahns Büro mit, er nehme regelmäßig „an unterschiedlichen nationalen und internationalen Konferenzen und Veranstaltungen teil“. Ihm sei der Austausch „unterschiedlicher Perspektiven wichtig“, zudem leiste er auf Einladung regelmäßig auch „aktive Beiträge als Redner oder Panel-Diskutant“.

In unregelmäßigen Abständen – Spahns Büro gibt an: 2018 in Irland, 2019 in Italien, 2022 in Portugal, 2023 in Spanien und 2024 in Deutschland – „hat Spahn auch an dem Format ‘Dialog’ teilgenommen“. An den ersten beiden Treffen nahm er somit als Bundesgesundheitsminister und aktives Regierungsmitglied teil.

Ob der Christdemokrat Mitglied der „Dialog Society“ ist, ließ die Antwort offen. Das Büro antwortete, den Begriff „Dialog-Society“ kenne Spahn nicht. Im Rahmen von Dialog sei Spahn dem Gründer Thiel „nie begegnet“.

Die Gruppe versammelt nach den Recherchen von „Wired“ US-Regierungsvertreter, ausländische Regierungsmitglieder und Führungskräfte aus dem Silicon Valley zu jährlichen, streng vertraulichen Treffen. Das nächste soll vom 12. bis 16. August 2026 im Powerscourt Hotel nahe Dublin stattfinden.

Herrn Thiel ist Herr Spahn im Rahmen des Dialog-Formats nie begegnet.

Aus der Stellungnahme der Unionsfraktion auf Anfrage des Tagesspiegels

Auf dem nichtöffentlichen Programm stehen eine Reihe vertraulicher Gesprächsrunden: Ihre Titel lassen vermuten, dass es um Großmachtpolitik, Tech-Utopie und Selbstoptimierung geht.

Neben Sitzungen wie „Navigating WWIII“ (Den Dritten Weltkrieg meistern), „Bring Back Nuclear“ (Die Atomkraft zurückholen) und „Battlefield Technologies“ (Gefechtsfeld-Technologien) finden sich Titel wie „Money (Does?) Buy Happiness“ (Macht Geld doch glücklich?) und „How’s Your Sex Life?“ (Wie steht’s um dein Sexleben?). Eine Runde trägt den Namen „Build-a-Cult“ (Bau dir eine Sekte).

Spahns Büro bestätigt, dass er zum nächsten „Dialog“-Treffen im August in Irland ebenfalls eingeladen worden ist: „Die Teilnahme wurde abgesagt.“

Schon 2022 gab es Hinweise auf eine Verbindung

Es ist nicht der erste Hinweis auf eine Verbindung. Bereits 2022 hatte der Statistiker Andrew Gelman eine Einladung zum damaligen Dialog-Treffen samt Teilnehmerliste auf seinem Blog veröffentlicht - mit Spahn, der die damalige Teilnahme nun bestätigt hat. Der Tagesspiegel hat Gelman um die Einladungen gebeten, die er seinerzeit von Dialog erhalten hatte, um mehr über die Umstände zu erfahren.

Gelman bestätigte, dass die Einladung im Original so vorlag, wie er sie veröffentlicht hat. In der E-Mail habe es geheißen, man habe „viel Gutes” über ihn gehört, weshalb er „für die Mitgliedschaft ausgewählt” worden sei. Der Tagesspiegel konnte die Mails einsehen. Anschließend habe man allerdings mehrere Tausend Dollar Teilnahmegebühr von ihm verlangt – Gelman beziffert sie in seinem Blogeintrag auf über 16.000 US-Dollar.

Die Recherche von Wired stützt sich auf zwei Quellen: Neben dem Mitgliederverzeichnis mit 113 Namen, das im Quelltext der Dialog-Website dialog.org hinterlegt war, gibt das US-Magazin eine Registrierungsliste für das sogenannte „Retreat“ im August diesen Jahres an, die ihm zugespielt worden sein soll.

Die Liste umfasst 222 Personen. Sie verzeichnet zu jedem Angemeldeten den Mitgliedsstatus, die Art der Teilnahme – etwa aktives Mitglied oder Gast – und enthält das vollständige Sitzungsprogramm.

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