Ost-YouTuber Alexander Prinz: „Wir sind die Underdogs – das ist der Kitt, den die AfD angerührt hat“

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Herr Prinz, die AfD ist im Osten auf dem Vormarsch, selbst Skandale wie die Vetternwirtschaftsaffäre können ihr nichts anhaben. Ist sie vor den Wahlen in Sachsen-Anhalt und Mecklenburg-Vorpommern im September noch aufzuhalten?
Ehrlicherweise glaube ich das nicht. Diese Partei wird ja gerade deshalb gewählt, weil sie wie die Axt im Walde unterwegs ist. Ihr Motto lautet: Eine gegen alle anderen. Solange es die anderen Parteien nicht hinbekommen, eine für die Menschen spürbar bessere Politik zu machen, bleibt die AfD das Sammelbecken für all jene, die die Axt an den Staat anlegen und die einmal sehen wollen, welche Effekte man als Wähler auf das demokratische System ausüben kann, das sich in den letzten Jahren nicht bewegen wollte. Die Leute wollen sehen, dass es knallt.

Sie selbst kommen aus Halle (Saale). Wie erleben Sie den Wahlkampf der AfD in Sachsen-Anhalt mit dem strahlenden Spitzenkandidaten Ulrich Siegmund? Steht er für eine neue AfD-Strategie der Umarmung der Menschen anstatt radikaler Parolen wie von einem Björn Höcke?
Ulrich Siegmund ist auch radikal. Aber in Sachsen-Anhalt könnte man auch einen Sack Kartoffeln hinstellen und er würde gewählt werden. Die Leute wählen die Marke AfD. Als Sven Schulze zum Ministerpräsidenten aufrückte, ergaben Umfragen, dass kaum jemand Ulrich Siegmund kannte. Durch seine Social-Media-Kampagnen wirkte das aber ganz anders, worauf viele Medien hereingefallen sind – das hat Ulrich Siegmund bekannter gemacht. Ich sehe ein schwieriges Wechselspiel zwischen Medien und der Provokation durch die AfD.

In Sachsen-Anhalt ist die Partei schon sehr schizophren: Man hört viele bürgerliche Töne, auf der anderen Seite gibt es immer wieder Entgleisungen. Es ist so, als wenn man mit seinem völlig betrunkenen Nachbarn am Tresen steht, und dann rutscht ihm irgendwann der ein oder andere rechte Gedanke raus, der hinter der Oberfläche schon ewig gärte. Aber vordergründig ist er erst mal der liebe Nachbar. So ähnlich ist es bei der AfD in Sachsen-Anhalt: Wenn man hinter die freundliche Maske blickt, dann ist das nach wie vor höchst verstörend.

Wenn man nun aber dem Nachbarn sagt: „Hey, das geht zu weit und ist für mich nicht tolerierbar“, gerät man selbst in die Gefahr einer Ausgrenzung. Funktioniert die noch gegenüber einer Partei, die laut Umfragen 40 Prozent Zustimmung im Osten hat?
Man kommt ein Jahrzehnt zu spät, um die Frage zu stellen: Was tun wir mit den Leuten, die AfD wählen? Man hätte sich das fragen sollen, als diese Menschen Nichtwähler waren und sich komplett von der Politik im Stich gelassen fühlten. Wo war die Politik da? Wenn die AfD die einzig präsente Partei ist, sei es mit einer Bürgerstunde oder einem Bierwagen beim Dorffest, ist das für die Menschen viel nahbarer und zählt viel mehr als jede Bundestagsrede, die mir auf TikTok ausgespielt wird.

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