Cissy Kraner hatte viele Titel. Ein Wiener Kulturstadtrat bezeichnete sie als „Grande Dame des österreichischen Musikkabaretts“. Der Kritiker Hans Weigel nannte sie eine „Volkssängerin im besten Sinne“. Für den ORF war sie „eine jener Persönlichkeiten, mit denen ganze Generationen von Österreichern aufgewachsen sind“. Noch kreativer als diese Bezeichnungen waren die Titel ihrer Lieder, eines hieß: „Ich wünsch’ mir zum Geburtstag einen Vorderzahn.“
Geboren wurde sie als Gisela Maria Spitz am 13. Jänner 1918 in Wien, als älteste Tochter des Buchdruckers Max Spitz und seiner Frau Maria Anna Spitz. Sie studierte Gesang, Schauspiel und Tanz am Konservatorium in Wien und wählte schon während ihrer Ausbildung den Künstlernamen Kraner, zunächst mit dem Vornamen Gisy, später Cissy. Als Cissy Kraner hatte sie ihr erstes Engagement bei einer Kleinkunstbühne.
Im Juni 1938, wenige Monate nach dem „Anschluss“ Österreichs an Nazi-Deutschland, reiste Cissy Kraner nach Südamerika, um dort bei einer Wiener Revue aufzutreten. Dabei lernte sie ihren späteren Mann kennen, den Kabarettisten Hugo Wiener. Nach ihrer Hochzeit 1943 eröffneten sie in Caracas eine Exilanten-Bar, in der Kraner die Chansons, die ihr Mann für sie geschrieben hatte, in fünf verschiedenen Sprachen vorgetragen hat.
Nach dem Zweiten Weltkrieg kehrte das Paar nach Österreich zurück, wo das Kabarett Simpl Cissy Kraners Stammbühne wurde. Hugo Wiener schrieb weiter ihre Texte. In dieser Zeit, von 1950 bis 1965, entstanden Chansons wie „Der Novak will nichts mehr von mir wissen“. Wiener begleitete Kraners Sprechgesang am Klavier. Sie habe begriffen, dass zwischen dem Übergang von „nicht sehr laut“ und „leise“ eine Welt liegen kann, sagte Hans Weigel über sie. Daneben trat die Kabarettistin im Fernsehen auf und spielte in mehreren Filmen mit, von der Heimatschnulze „Dort in der Wachau“ bis zum Musketiere-Film „Das Geheimnis der eisernen Maske“.
Cissy Kraner starb am 1. Februar 2012 in einem Künstlerheim in Baden im Alter von 94 Jahren. Sie wurde auf dem Wiener Zentralfriedhof im Ehrengrab von Hugo Wiener, mit dem sie 50 Jahre lang verheiratet war, beigesetzt. 2013 wurde der Cissy-Kraner-Platz im 4. Bezirk Wieden eingeweiht; er befindet sich in der Nähe des Hugo-Wiener-Platzes.











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