Krieg in Nahost: Trump warnt: Iraner sind nur noch am Leben, um zu verhandeln

vor 2 Stunden 1

Viele Angaben stammen von Konfliktparteien und lassen sich teilweise nicht unabhängig überprüfen. Für unseren Liveblog verwenden wir neben eigenen Recherchen Material der Nachrichtenagenturen dpa, Reuters, epd, KNA und Bloomberg.

Wichtige Updates

Iranischer Parlamentspräsident pocht auf Voraussetzungen für Verhandlungen 

Vance warnt Iran vor Täuschung bei Verhandlungsgesprächen mit den USA

DRK-Präsident warnt vor humanitärer Katastrophe in Libanon 

Kuwait, Saudi-Arabien, Libanon und Israel melden Angriffe

Trump droht Iran: Keine Gebühren in der Straße von Hormus

Juri Auel

Trump: Iraner sind nur noch am Leben, um zu verhandeln 

Vor den geplanten Verhandlungen zwischen den USA und Iran in Pakistan richtet US-Präsident Donald Trump eine martialische Drohung an Teheran. Die Iraner schienen nicht zu begreifen, dass sie „abgesehen von der kurzzeitigen Erpressung der Welt“ mit der Straße von Hormus keinerlei Druckmittel hätten, schrieb er auf der Plattform Truth Social. „Der einzige Grund, warum sie heute noch am Leben sind, ist, um zu verhandeln!“

Trump hatte während des Kriegs mit Iran immer wieder mit martialischer Sprache für Aufsehen gesorgt, die ihm international, aber auch im eigenen Land viel Kritik eingebracht hat.

Gleichzeitig stellte Iran neue Bedingungen für Verhandlungen. Parlamentspräsident Mohammad Baqer Ghalibaf und ​Außenminister Abbas Araghchi forderten am Freitag einen Waffenstillstand in Libanon sowie die Freigabe blockierter ⁠iranischer Vermögen. Dies seien Voraussetzungen für den Beginn der Gespräche. 

Nach Beginn einer zweiwöchigen Waffenruhe in dem Krieg befindet sich US-Vizepräsident J. D. Vance derzeit auf dem Weg nach Pakistan, wo er bei Verhandlungen zum Iran-Krieg die US-Delegation führen soll. Die Gespräche über eine dauerhafte Friedenslösung sollen an diesem Samstag beginnen. Als Vermittler fungiert unter anderem der pakistanische Premier Shehbaz Sharif. Bei Bedarf sollen die Gespräche in Islamabad bis Sonntag fortgesetzt werden. 

Juri Auel

Bericht: Trumps Organisation für den Gazastreifen fehlt das Geld

Der von US-Präsident ​Donald Trumps initiierte Friedensrat für den Gazastreifen hat nur einen Bruchteil der zugesagten 17 Milliarden Dollar erhalten. Damit fehlen die finanziellen Mittel für den Wiederaufbau der ​im Krieg mit Israel verwüsteten Region. Von zehn Ländern, die Geld versprochen hatten, ⁠hätten nur drei – die Vereinigten Arabischen Emirate, Marokko und die USA selbst – tatsächlich Mittel bereitgestellt, sagten mehrere mit ​der Sache vertraute ​Personen am Freitag der Nachrichtenagentur Reuters. Bisher ‌seien weniger als eine Milliarde Dollar ‌zusammengekommen. Dies verhindere, dass das von den USA unterstützte Nationale Komitee für die Verwaltung Gazas (NCAG) die Kontrolle von ​der Hamas übernehmen könne. "Derzeit ​ist kein Geld verfügbar", habe der ​Gesandte des Friedensrats, Nikolaj Mladenow, den palästinensischen Gruppen mitgeteilt. 

Pauline Claßen

Iranischer Parlamentspräsident pocht auf Voraussetzungen für Verhandlungen 

Der iranische Parlamentspräsident Mohammad Bagher Ghalibaf nennt zwei Bedingungen für den Beginn von Verhandlungen mit den USA: eine Waffenruhe in Libanon und die Freigabe blockierter iranischer Vermögenswerte. Sie seien Teil der Zusagen zwischen den Parteien, teilt Ghalibaf auf X mit. Die Gespräche dürften erst beginnen, wenn diese erfüllt seien. 

Vance warnt Iran vor Täuschung bei Verhandlungsgesprächen mit den USA

Vor seiner Abreise zu Verhandlungen zum Iran-Krieg in Pakistan hat US-Vizepräsident J. D. Vance Teheran dazu ermahnt, die Gespräche mit den USA ernst zu nehmen. Wie US-Präsident Donald Trump verdeutlicht habe, sei man bereit, den Iranern die Hand zu reichen, wenn diese bereit seien, in gutem Glauben zu verhandeln, sagte Vance vor Journalisten. „Wenn sie versuchen werden, uns zu täuschen, werden sie feststellen, dass das Verhandlungsteam nicht besonders aufgeschlossen ist.“ Der Vizepräsident war auch um Zuversicht bemüht: Man freue sich auf die Verhandlungen, betonte er. Trump habe seinem Verhandlungsteam einige sehr klare Richtlinien gegeben. Man werde sich bemühen, gute Verhandlungen zu führen.

Nach Beginn einer zweiwöchigen Waffenruhe im Iran-Krieg soll es von diesem Freitag an in der pakistanischen Hauptstadt Islamabad Gespräche zwischen den USA und Iran über eine dauerhafte Friedenslösung geben. Der US-Delegation um Vance gehören nach Angaben des Weißen Hauses auch der Sondergesandte Steve Witkoff sowie Trumps Schwiegersohn Jared Kushner an.

Aus Sicherheitskreisen in Pakistan hieß es, zunächst seien Vorgespräche auf Expertenebene vorgesehen. Am Samstag sei ein Treffen der Verhandlungsführer angedacht. Die Gespräche könnten bei Bedarf demnach auch bis Sonntag andauern. Auf iranischer Seite blieb zuletzt allerdings unklar, ob Teheran überhaupt die Verhandlungsführer zu den Gesprächen nach Islamabad schicken würde. Der iranischen Nachrichtenagentur Mehr zufolge finden keine Verhandlungen statt, solange Israel seine Angriffe auf Libanon fortsetzt.

Hisbollah-Chef: Machen weiter „bis zum letzten Atemzug“

Hisbollah-Chef Naim Kassim hat erneut die Kampfbereitschaft der Organisation betont. „Der Widerstand wird bis zum letzten Atemzug weitermachen“, hieß es in einer im Fernsehen verlesenen Rede Kassims. Israel sei es in 40 Jahren nicht gelungen, die Hisbollah davon abzuhalten, Raketen, Drohnen und andere Geschosse auf sein Gebiet abzufeuern.

Die israelischen Waffen und Bedrohungen schüchterten die Hisbollah nicht ein. „Wir sind die rechtmäßigen Besitzer dieses Landes“, sagte er mit Blick auf das Vorrücken der israelischen Truppen in Südlibanon. „Wir werden unsere Souveränität wieder herstellen und den Besatzer vertreiben.“

Kassim forderte die libanesische Regierung dazu auf, „keine Zugeständnisse“ zu machen. Am Donnerstagabend war bestätigt worden, dass Israel und Libanon in der kommenden Woche in Washington direkt miteinander verhandeln wollen. Nach israelischen Angaben sollen sich die Gespräche auf die Entwaffnung der Hisbollah und die Aufnahme friedlicher Beziehungen zwischen Israel und Libanon konzentrieren.

DRK-Präsident warnt vor humanitärer Katastrophe in Libanon 

Angesichts der anhaltenden Angriffe Israels in Libanon hat das Deutsche Rote Kreuz (DRK) vor einer humanitären Katastrophe in dem Mittelmeerland gewarnt. „Zahlreiche Krankenhäuser sind aufgrund der vielen Verwundeten überfüllt und es droht ein Engpass von bestimmten Arzneimitteln und Materialien, insbesondere wenn die Angriffe anhalten sollten“, sagte DRK-Präsident Hermann Gröhe der Rheinischen Post.

Auch der Vertreter der Weltgesundheitsorganisation (WHO) in Libanon, Abdinasir Abubakar, warnte davor, dass medizinische Versorgungsgüter, darunter auch Blutkonserven, knapp werden könnten. Innerhalb weniger Tage seien drei bis vier Wochenvorräte an medizinischen Gütern aufgebraucht worden, berichtete er in einer Video-Pressekonferenz. Das Gesundheitssystem sei am Limit. Seit Kriegsbeginn seien in Libanon 13 Krankenhäuser beschädigt worden, sechs seien kriegsbedingt geschlossen worden. 
 
In den vergangenen Tagen seien zunehmend dicht besiedelte Gebiete ohne ausreichende Vorwarnung unter Beschuss geraten, sagte DRK-Präsident Gröhe. Der bewaffnete Konflikt habe ein neues, nochmals verheerenderes Ausmaß erreicht. Er rief dazu auf, das humanitäre Völkerrecht einzuhalten. Gesundheitseinrichtungen und medizinisches Personal seien zu schonen und die Zivilbevölkerung zu schützen. Im aktuellen Krieg seien erneut Helfende getötet worden, unter anderem einer vom Libanesischen Roten Kreuz, so Gröhe.  

Das UN-Welternährungsprogramms (WFP) warnt ebenfalls vor einer Krise bei der Lebensmittelversorgung. Der Krieg beeinträchtige die Lieferung von Gütern im Land. "Was wir erleben, ist nicht nur eine Vertreibungskrise, es entwickelt sich rasch zu einer Krise der Lebensmittelsicherheit", sagt WFP-Länderdirektorin Allison Oman per Videoschalte aus Beirut. Sie warnt ​davor, dass Nahrungsmittel wegen steigender Preise und der wachsenden Nachfrage von vertriebenen Familien zunehmend unerschwinglich würden. 

Selenskij: Haben Drohnen über Golfstaaten zerstört

Ukrainische Soldaten haben nach Aussage von Präsident Wolodimir Selenskij im Iran-Krieg Angriffe iranischer Drohnen auf Staaten am Persischen Golf abgewehrt. „Haben wir iranische Shahed-(Drohnen) zerstört? Ja, haben wir. War das nur in einem Land? Nein, in mehreren. Meiner Meinung nach ist das ein Erfolg“, zitierte Selenskij auf dem Portal X seine eigenen Aussagen in einem Gespräch mit Journalisten. Er verwies auf Militärexperten, die Kiew vor dem Hintergrund des Iran-Kriegs in die Region entsandt habe. Die Ukraine habe mehreren Ländern gezeigt, wie man mit Abfangdrohnen arbeite.

Im Krieg gegen die Ukraine setzt Russland massiv Drohnen der ursprünglich iranischen Bauart Shahed ein. Iran hat als Reaktion auf Luftangriffe der USA und Israels die Anrainerstaaten des Persischen Golfs ebenfalls mit diesem Drohnentyp beschossen. Darauf bot Kiew den Staaten im Nahen Osten und den Golfmonarchien gleich zu Beginn des Iran-Kriegs Hilfe an.

Selenskij reiste auch selbst in die Region und schloss Vereinbarungen mit Saudi-Arabien, Katar und den Vereinigten Arabischen Emiraten. Demnach sollen ukrainische Unternehmen mit den Streitkräften dieser Staaten zum Schutz bestimmter Einrichtungen zusammenarbeiten. Kiew erhalte im Gegenzug Flugabwehrmunition zum Schutz seiner Energieinfrastruktur sowie Rohöl und Diesel. Über ähnliche Abkommen spreche man mit dem Oman, Kuwait und Bahrain, sagte der ukrainische Präsident.

Julia Bergmann

Kuwait, Saudi-Arabien, Libanon und Israel melden Angriffe

Trotz der vereinbarten Waffenruhe gehen die Angriffe in der Region weiter. Die libanesische Hisbollah-Miliz ​hat nach israelischen Angaben am frühen Freitagmorgen eine Rakete auf Israel abgefeuert und damit in Tel Aviv und weiteren Teilen des Landes Luftalarm ausgelöst. Das Geschoss ist laut Times ⁠of Israel abgefangen worden. Die Hisbollah teilte mit, sie habe am späten Donnerstagabend militärische Infrastruktur in ​der nordisraelischen Stadt ​Haifa ins Visier genommen. Ob ‌es sich dabei um denselben Angriff handelte, ‌ist zunächst unklar.

Kurz zuvor erklärte das israelische Militär, man habe am Abend rund zehn Abschussrampen der Hisbollah in Libanon ​angegriffen, von ​denen Raketen auf den Norden ​Israels abgefeuert worden seien. Die jüngsten gegenseitigen Angriffe folgen auf den bislang schwersten israelischen Beschuss Libanons, bei dem ‌am Mittwoch mehr als 300 Menschen getötet worden waren.

Kuwait wirft Iran vor, mit Drohnen „lebenswichtige kuwaitische Einrichtungen“ angegriffen zu haben – so das kuwaitische Außenministerium laut der staatlichen Nachrichtenagentur Kuna.

Auch Saudi-Arabien meldet neue Attacken: Nach Angaben der staatlichen saudischen Nachrichtenagentur SPA soll dabei eine wichtige Ölpipeline beschädigt worden sein.

Trump droht Iran: Keine Gebühren in der Straße von Hormus

US-Präsident Donald Trump fordert freie Durchfahrt für Tanker durch die Meerenge Straße von Hormus. Auf seiner Plattform Truth Social warnte er Iran davor, Gebühren für die Passage zu verlangen. Das solle Iran besser unterlassen und falls doch, sofort damit aufhören. Zudem kündigte Trump an, Öl werde sehr schnell wieder fließen – mit oder ohne Irans Hilfe.

Wenig später legte er erneut via Truth Social nach: Iran mache einen „schlechten Job“ darin, Öltanker durch die Meerenge fahren zu lassen. Das entspreche nicht der Vereinbarung, die man getroffen habe.

Katja Guttmann

Wadephul telefoniert mit Irans Außenminister Araghtschi

Außenminister Johann Wadephul hat mit seinem iranischen Kollegen Abbas Araghtschi gesprochen. „Ich habe Iran aufgefordert, den Waffenstillstand einzuhalten und sich auf konstruktive Verhandlungen einzulassen sowie freie und sichere Schifffahrt durch die Straße von Hormus zu ermöglichen“, schrieb der CDU-Politiker über den Anruf auf X.

Die USA und Iran hatten sich auf eine zweiwöchige Waffenruhe verständigt, die Israel unterstützt, die allerdings aufgrund der heftigen Angriffe Israels gegen die von Iran unterstützte Hisbollah-Miliz in Libanon bedroht ist. Kontroversen gibt es auch um die Öffnung der Straße von Hormus für den Schiffsverkehr. 

Katja Guttmann

Hisbollah lehnt direkte Verhandlungen mit Israel ab

Die Hisbollah lehnt direkte Verhandlungen mit Israel ab. Die libanesische Regierung müsse einen Waffenstillstand als Vorbedingung für weitere Schritte fordern, sagte der Hisbollah-Abgeordnete Ali Fajjad. Zudem müsse der Abzug der israelischen ​Truppen aus Libanon sowie die Rückkehr der Vertriebenen Priorität haben. Zuvor hat der israelische Ministerpräsident Benjamin Netanjahu sein Kabinett angewiesen, direkte Gespräche mit Libanon aufzunehmen.

Katja Guttmann

Angeblich neue Botschaft von Irans neuem Revolutionsführer - kein Video

Modschtaba Chamenei bleibt weiter unsichtbar. Eine angebliche Botschaft des neuen Revolutionsführers wird im Staatsfernsehen nur verlesen – das wirft Fragen zu seiner Rolle und seinem Zustand auf. In der ihm zugeschriebenen Erklärung stellt Chamenei sein Land als Sieger im Konflikt mit den USA und Israel dar. „In den letzten 40 Tagen hat die große Nation Iran ein Epos geschaffen und die Welt verblüfft", heißt es in der Botschaft. Dazu gab es weder ein Bewegtbild noch eine Audio- oder Videoaufnahme.

Der 56-Jährige ist seit seiner Ernennung zum neuen Religionsführer am 8. März nicht öffentlich in Erscheinung getreten. Das nährt Spekulationen über seinen Gesundheitszustand, seinen Aufenthaltsort und seine tatsächliche Rolle.

Sein Vater, der langjährige oberste Führer in Iran, Ali Chamenei, wurde am 28. Februar bei einem Luftangriff getötet. Modschtaba Chamenei verlor bei dem Angriff auch seine Ehefrau, Mutter und einen Schwager. Das iranische Staatsfernsehen bezeichnete ihn als „Kriegsversehrten“, nannte aber keine weiteren Details.

Katja Guttmann

Mehr als 300 Tote nach israelischer Angriffswelle in Libanon

Nach der heftigen Angriffswelle des israelischen Militärs auf die libanesische Hauptstadt Beirut und andere Teile des Landes steigt die Opferzahl weiter an. Das libanesische Gesundheitsministerium meldete, dass die Zahl der Toten auf 303 angestiegen sei. Laut vorläufigen Zahlen wurden 1 150 Menschen verletzt. Damit handelt es sich um den Tag mit der höchsten Opferzahl in Libanon seit Beginn der jüngsten Eskalation Anfang März.

Unter den Getöteten vom Mittwoch seien allein 110 Minderjährige, Frauen und Ältere. Insgesamt wurden dem Ministerium zufolge bisher 1 888 Menschen durch israelische Angriffe seit Ausbruch der Kampfhandlungen am 2. März getötet worden. Mehr als 6 000 Menschen seien verletzt worden.

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