Opernbau abgesagt: Spektakuläre Vollbremsung in Düsseldorf

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Es klang wie eine gute Nachricht: Standort gefunden, Konzept erstellt, Architekturwettbewerb erfolgreich abgeschlossen. Vor einem halben Jahr noch schien die Stadt Düsseldorf auf dem fallstrickreichen Terrain der Opern- und Theatersanierung auf einem glücklichen Weg. Man hatte sich für einen Neubau auf dem für 130 Millionen Euro erworbenen Areal eines ehemaligen Kaufhauses am Wehrhahn entschlossen und versprach sich von dem Projekt mit guten Gründen die Aufwertung eines ganzen Stadtviertels.

In etwa acht bis zehn Jahren hätte die neue Oper am Rhein eröffnet werden sollen, nach einem spektakulären Entwurf des international erfolgreichen norwegischen Architekturbüros Snøhetta und mit zwei ansehnlichen Untermietern: der Düsseldorfer Musikbibliothek und der Clara-Schumann-Musikschule, die 9500  Schülerinnen und Schüler in der Stadt unterrichtet.  Etwa 1300 von ihnen hätten künftig zum Unterricht ins neue Opernhaus pilgern sollen. Und die Finanzierung? Ach ja, die Finanzierung! Man gab sich gelassen, wobei jene Variante der Gelassenheit, wie sie in Düsseldorf am Rhein gern demonstriert wird, von Großmäuligkeit nicht immer ganz leicht zu unterscheiden ist. Die Kosten würden bei einer Milliarde Euro gedeckelt, und diese Summe werde man schon stemmen, verkündete die für Kultur zuständige Dezernentin fröhlich, schließlich würden die Gewerbesteuern in Düsseldorf noch deutlich üppiger fließen als andernorts.

Neue Rechenschieber braucht die Stadt!

Sieben Monate später legt die Stadtverwaltung eine Vollbremsung hin, die eine ganze Stadt ins Schleudern bringen dürfte. Denn wer ein Prestigeprojekt wie den Neubau der Oper am Rhein derart überraschend und handstreichartig abbläst, ruft die Krise aus – oder malt sie zumindest in grellen Farben an die Wand. Dass die Landeshauptstadt auch noch andere Aufgaben als den Opernneubau zu bewältigen hat, wie Oberbürgermeister Stephan Keller (CDU) jetzt mit Verweis auf die „aktuellen finanziellen Rahmenbedingungen“ verkündete, wusste man auch schon vor einem halben Jahr. Die Schulen, Straßen und Brücken der Stadt sind nicht erst seit gestern marode. Und falls die Düsseldorfer Finanzplaner wirklich erst jetzt erkannt haben sollten, dass sich die Gesamtkosten des Projekts trotz des Kostendeckels bei einem Finanzierungszeitraum von 50 Jahren am Ende auf 1,8 Milliarden Euro summiert hätten, empfiehlt sich dringend die Beschaffung neuer landeshauptstädtischer Rechenschieber.

Jetzt muss jedenfalls nicht nur der alte Bonatz-Bau der Oper saniert werden, sondern es stellt sich auch die Frage, was mit dem eigens erworbenen ehemaligen Kaufhof-Areal am Wehrhahn geschehen soll. Spott ist unvermeidlich, Häme allerdings nicht am Platz. Auch andere Großprojekte stagnieren oder werden infrage gestellt. Was geschieht mit Frankfurts Opern- und Schauspielplänen, mit Bonns Opernvorhaben in Beuel, mit dem Migrationsmuseum Selma in Köln? In Düsseldorf kommt man mit dem großspurig angekündigten Deutschen Fotoinstitut nicht vom Fleck, der Abriss der Kunsthalle droht am Horizont, und jetzt ist auch noch der Opernneubau futsch. Das kratzt kräftig am Selbstbewusstsein der Stadt. Aber etwas anderes ist viel wichtiger: Die überraschende Düsseldorfer Vollbremsung könnte einen Dominoeffekt verursachen. Dann stünden mit einem Mal alle kulturellen Großprojekte im Land erneut auf dem Prüfstand.

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