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Das bringt Tag neun bei Olympia
Ski alpin, Curling, Biathlon, Skispringen – auch heute ist der Olympiatag prall gefüllt mit spannendem Sport. Hier werden Medaillen verteilt:
- 10 Uhr und 13.30 Uhr: Erster und zweiter Lauf im Riesenslalom der Männer
- 11.46 Uhr: Dual Moguls Finals der Ski-Freestyle-Frauen
- 12 Uhr: 4 × 7,5 Kilometer Langlauf-Staffel der Frauen
- 14.45 Uhr: Biathlon-Sprint der Frauen
- 17 Uhr: Eisschnelllauf der Männer über 500 Meter
- 18 Uhr und 19.35 Uhr: Dritter und vierter Lauf im Skeleton der Frauen
- 18.45 Uhr und 19.57 Uhr: Erster und zweiter Durchgang im Skispringen der Männer von der Großschanze
- 22.42 Uhr: Shorttrack der Männer über 1500 Meter
Deutsche Biathletinnen wollen es besser machen als die Männer
Herzlich willkommen aus Antholz. Hier sprinten die besten Biathletinnen der Welt ab 14.45 Uhr und die Medaillen. Die deutschen Männer enttäuschten gestern und hatten nichts mit den vorderen Plätzen zu tun. Das wollen die Biathletinnen um Franziska Preuß heute natürlich besser machen. Zu den Topfavoritinnen zähle ich die deutschen Starterinnen aber nicht, zu inkonstant sind sie in der Saison unterwegs.
Neben Preuß starten für Deutschland noch Vanessa Voigt (die bei den Olympischen Spielen bisher alle ihre 30 Schuss getroffen hat), Julia Tannheimer und Toptalent Selina Grotian. Die 21-Jährige erfuhr erst heute, dass sie ran darf. Eigentlich wäre Janina Hettich-Walz gelaufen, die fällt aber wegen einer Krankheit aus.
Die Bedingungen könnten heute eine Rolle spielen und das Feld durchschütteln. Es schneit leicht, auch der Wind kommt immer wieder auf. Die Fans strömen natürlich dennoch schon wieder zu Tausenden ins Stadion, am herrlichen Anblick des Dolomiten-Panoramas können sie sich heute aber nur bedingt erfreuen.
Marcus Krämer
Reporter in Cortina d'Ampezzo

Beim Curling muss das deutsche Team einen äußerst bescheidenen Start verkraft. Gleich im ersten End platziert das US-amerikanische Team vier Steine im Haus, da ging viel schief. Im zweiten End verkürzt Skip Marc Muskatewitz mit seinen Kollegen zwar auf 1:4, aber damit wechselt nun auch wieder der Hammer zu den USA. Hier in der Halle versuchen sich die deutschen Fans mit Wechselgesängen, die Kraft von außen kommt aber noch nicht an.
Update zur Wachs-Diskussion: Die Finnen haben nun offiziell Protest gegen die Wertung des Sprintrennens im Langlauf eingelegt. Sie beklagen, dass die Norweger eine spezielle Wachsmaschine nutzen durften und die anderen Teams darüber nicht informiert wurden.
Die Fis habe selbst zugegeben, einen Fehler gemacht zu haben. Das habe zu einem unfairen Wettbewerb geführt, sagte Marleena Valtasola vom finnischen Skiverband in einer Stellungnahme. »Ein solches Vorgehen ist nicht hinnehmbar, und ein bloßes Eingeständnis des Fehlers oder eine Entschuldigung können den entstandenen Schaden nicht wiedergutmachen.«
Der deutsche Bundestrainer Peter Schlickenrieder schloss sich der Kritik an. Er nannte das Vorgehen der Fis »ein klares Versagen. Da reicht keine plumpe Entschuldigung.«
Schlickenrieder könne sich aber nicht vorstellen, dass der Protest Erfolg habe und sich an der Rangfolge noch etwas ändere. »Die Sportler können ja auch nichts dafür. Trotzdem bleibt es eine peinliche Nummer.«
Annika Schultz
Reporterin in Tesero

Hatten Norwegen und die USA im Sprint unfaire Vorteile?
Nicht nur die körperliche und mentale Verfassung des Athleten, nicht nur die Rennstrategie, auch das Material der Skier entscheidet im Langlauf über Sieg und Niederlage. Die Teams versuchen deswegen naturgemäß, das Beste aus dem Material herauszuholen. Nutzt eine Mannschaft Spielräume, gibt es schnell Diskussionen.
So auch in Tesero: Die Norweger sollen beim Sprint am Dienstag offenbar eine elektrische Maschine zur Fettbehandlung mit an die Strecke gebracht haben. Das hatte ihnen der Weltverband Fis zwar genehmigt – aber kein anderes Team darüber informiert. Die konnten diesen Vorteil also nicht nutzen. Das US-Team soll zudem ein flüssiges Schmiermittel genutzt haben. Das wäre ebenfalls verboten.
Noch dazu standen nur Athleten aus Norwegen und den USA auf dem Podium: Norwegens Topstar Johannes Høsflot Klæbo vor Ben Ogden (USA) und Oskar Opstad Vike (Norwegen). Vor allem an den Anstiegen waren sie schneller als andere Athleten. Inwieweit das mit ihren Skiern zusammenhängt, ist unklar. Finnland erwägt offenbar, vor den Internationalen Sportgerichtshof Cas zu ziehen. Der Finne Lauri Vuorinen war Vierter geworden.
Florian Haupt
Reporter in Bormio

Sehr emotionale Szenen im Zielraum von Bormio: Pinheiro Braathen nimmt seinen Sieg im Riesenslalom erst regungslos zur Kenntnis und bricht dann kurz auf dem Boden zusammen. Als ob er noch in der Trance seines Goldlaufs wäre. Trotz seines großen Vorsprungs hatte er voll attackiert, um Odermatt auf Distanz zu halten. Und das musste er auch. Ein tolles Finale.
Ende beim Eishockey in Mailand. Das ist ein Rückschlag für die deutsche Auswahl, 3:4 gegen Lettland. Das Team von Bundestrainer Harold Kreis muss in der letzten Vorrundenpartie gegen die USA nun klar gewinnen, um noch direkt ins Viertelfinale einzuziehen. Das dürfte schwierig werden.
Deutschlands Eishockey-Auswahl nimmt den Torwart raus, um mit Überzahl vor dem lettischen Tor den Ausgleich zu erzwingen.
Anschlusstreffer in Mailand beim Eishockey! Nur noch 3:4 aus Sicht der deutschen Mannschaft.
Nochmal Eishockey: Uff. Zweimal rammen die lettischen Verteidiger den deutschen Spielmacher Leon Draisaitl in die Bande. Das intensive Spiel der Profis aus Lettland zeigt Wirkung. Sie haben das jetzt das Kommando übernommen. Das wird schwer für die deutsche Mannschaft.
Im Riesenslalom fällt nun die Entscheidung um die Medaillen. Die besten Chancen auf Gold hat Brasiliens Starter Lucas Pinheiro Braathen. Für den 25-Jährigen, derzeit Zweiter im Gesamtweltcup, wäre ein Sieg vielleicht keine Sensation – für sein Land dagegen aber schon: Es wäre die erste olympische Wintermedaille in der Geschichte Brasiliens.
Braathen ist gebürtiger Norweger, fährt aber seit zwei Jahren unter brasilianischer Flagge, dem Heimatland seiner Mutter. Vorausgegangen war ein Streit um Ausrüsterverträge mit dem norwegischen Skiverband, der seiner Karriere eine unerwartete Wendung gab.
Schnell rüber nach Mailand zum Eishockey: Hier fiel eben das 4:2 für Lettland. Die deutsche Mannschaft agiert zu fehlerhaft. Jetzt droht die erste Niederlage im Turnier.
Herzlich willkommen auch von mir aus der Curling-Halle in Cortina. Wie Sie meinem vorhin schon angepriesenen Text entnehmen können, verfolge ich den Höhepunkt des heutigen Tages: Deutschland spielt gegen die USA, es ist die vierte Begegnung bei diesem olympischen Turnier und das deutsche Team ist mit zwei Siegen und einer Niederlage gut gestartet.
Nachdem es gestern gegen Italien ein Auswärtsspiel war, haben sich deutsche Fans heute wieder mit reichlich Tickets für diese wunderbare Halle versorgt. Die Partie gegen die Amerikaner, mit einer Bilanz von 1:2-Siegen schlechter ins Turnier gestartet, hat gerade begonnen.
Oha, im Mailänder Eishockey-Stadion geht Lettland gegen Deutschland mit 3:2 Toren in Führung. Eduards Tralmaks macht den Treffer.
Florian Haupt
Reporter in Bormio

Fabian Gratz macht, was man als Zehnter nach dem ersten Durchgang machen muss: Er riskiert. Nach wenigen Toren scheidet er aus. Damit wird Alexander Schmid den Olympia-Riesenslalom als bester Deutscher beenden. Vor den letzten sieben Läufern ist er Fünfter.
Beim Eishockey läuft nun das letzte Drittel. Die deutsche Mannschaft tut sich schwer gegen Lettland. Zur Einordnung: Die USA, der letzte Vorrundengegner Deutschlands, besiegten Lettland mit 5:1 Toren.
Curling versprüht olympischen Zauber. Hat es Sie auch schon gepackt?
Während in Bormio eine kleine Pistenpause eingelegt wird, blicken wir nach Mailand: Deutschland gegen die USA heißt es ab 14.05 Uhr im Curling der Männer. Alle vier Jahre fasziniert dieser Sport die Zuschauer. Es ist eine Sportart, die Respekt lehrt, Ruhe ausstrahlt und bei Olympia auf ungewohnt laute und singende Fans trifft, schreibt mein Kollege Marcus Krämer. Den ganzen Text lesen Sie hier.
Florian Haupt
Reporter in Bormio

Im oberen Teil schneit es beim Riesenslalom, im unteren regnet es. Schwierige Bedingungen. Alles kann passieren.
Und nochmal Mailand! Beim Eishockey ist das zweite Drittel vorbei. Kapitän Leon Draisaitl vergibt zweimal frei vor dem Tor für die deutsche Eishockeymannschaft die Chance zur Führung. Es steht 2:2. Eine Erkenntnis dieses Spiels ist bereits: Deutschland wollte wie in der ersten Partie gegen Dänemark ohne Strafzeiten bleiben. Hat aber nicht geklappt. Zweimal hatten die Letten Powerplay. Einmal kassierte Deutschland dabei in Unterzahl den Ausgleichstreffer.
In Mailand beim Eishockey fliegt der Puck über die Bande. Ein Fotograf sammelt ihn auf und gibt ihn weiter an einen der deutschen Fans, der sich mit dem Olympia-Souvenir in der Hand feiern lässt.
Fliegender Wechsel: Wir schauen nun gebannt rüber nach Bormio, wo in wenigen Minuten der zweite Durchgang im Riesenslalom der Männer startet. Es führt überraschend deutlich der Brasilianer Lucas Pinheiro Braathen. Er könnte die erste Medaille überhaupt für Brasilien bei Olympischen Winterspielen werden.
Beim Eishockey in Mailand sind die Fans aus Lettland in der Halle in der Überzahl und deutlich lauter zu hören als die Anhänger aus Deutschland. Auch erstaunlich viele Niederländer sind auf der Tribüne. Sie nutzen wohl die Chance, ein bisschen Eishockey zu gucken, ehe ab 17 Uhr in einer Halle weiter das Finale im Eisschnelllauf der Männer über 500 Meter startet.
Das war eine denkwürdige Langlauf-Staffel der Frauen. Dass Norwegen, Schweden und Finnland die ersten drei Plätze unter sich ausmachen würden, hätte man so erwarten können. Nicht aber die Reihenfolge. Die wurde durch zwei Stürze der zweiten schwedischen Läuferin, Ebba Andersson, durcheinandergewirbelt.
Wie sie beim zweiten Mal stürzte, das hat man beim Langlauf selten, vielleicht nie, gesehen. Purzelbaum, Ski weg, Bindung weg. Auf einem Ski versuchte sie weiterzulaufen, stieß sich mit dem rechten Fuß ab. Dabei wurde sie von fünf Staffeln überholt, auch von der Deutschen. Dass die Schwedinnen trotzdem am Ende auf den zweiten Platz liefen, zeigt, dass sie ohne die Stürze wohl unschlagbar gewesen wären. Im Ziel wirkten sie deswegen enttäuscht, ich bin gespannt, was sie gleich auf der Pressekonferenz sagen werden.
Die deutschen Läuferinnen wurden zwar Vierte, hatten mit dem Medaillenkampf aber von Anfang an nichts zu tun. Für das Team eine große Enttäuschung, war Edelmetall doch das ausgerufene Ziel.
Für die Schwedinnen fühlt es sich vielleicht eher nach Gold verloren, als Silber gewonnen an. Im Zielraum brechen sie zumindest in keine großen Jubelstürme aus.
Wir springen noch einmal rüber zum Eishockey: Zwei deutsche Spieler auf der Strafbank. Und prompt fällt der Ausgleich. 2:2.
Hübsche Zahlen aus der Olympia-Datenbank: Die gestürzte Ebba Andersson brauchte für ihre 7,5 Kilometer 20:58 Minuten, bevor sie an Frida Karlsson übergab. Die wiederum fegte in 18:06 Minuten über den Kurs – schneller als jede andere Läuferin in diesem Abschnitt. Sollten die Schwedinnen am Ende tatsächlich noch eine Medaille holen, dürfte Karlsson am Abend wohl mehr als einmal jubelnd in die Luft gehoben werden. Und danach sieht es momentan tatsächlich aus, aktuell geht es um Bronze oder Silber.
Es ist keine Übertreibung, wenn ich sage: Jeder und jede hier im Langlauf-Stadion starrt gebannt auf den Bildschirm, wartet auf den Moment, in dem die Schwedin angreift. Ein mental Game. Was ein Rennen, so hat das wohl niemand kommen sehen.
Genau, es geht weiter beim Eishockey. Deutschland übersteht die erste Strafzeit im Turnier ohne Gegentreffer und ist jetzt selbst in Überzahl, nach einem Foulspiel eines lettischen Stürmers. Powerplay der deutschen Auswahl.
Florian Haupt
Reporter in Bormio

In Bormio regnet es eine halbe Stunde vor Beginn des zweiten Durchgangs im Riesenslalom. Fans des führenden Brasilianers Lucas Pinheiro Braaten haben im Ortszentrum eine Bar zum Aufwärmen.
Norwegen ist deutlich auf Goldkurs und hat nach dem dritten und letzten Wechsel 48,3 Sekunden Vorsprung auf die zweitplatzierten Finninnen. Karlsson aus Schweden hat mächtig aufgeholt und übergibt als Vierte. Die deutschen Läuferinnen scheinen aus dem Medaillenrennen raus, sie haben gut 35 Sekunden Rückstand auf den Bronzerang.
Bei den Stürzen schrien die schwedischen Fans an der Strecke auf, jetzt hoffen sie wieder. Karlsson läuft ein überragendes Rennen.
Für die Schwedinnen, vor allem für Ebba Andersson, ist diese Staffel ein sportlicher Albtraum: Der Betreuer, der Andersson einen neuen Ski bringen sollte, ist auch gestürzt, überschlug sich. Er konnte aber selbstständig wieder aufstehen.
Die Schwedin ist weiter auf dem Weg nach vorn. Zwar liegt Karlssons Rückstand zur Goldmedaille immer noch bei über einer Minute, allerdings ist sie bereits auf Position fünf vorgelaufen. Zumindest ist die Bronzemedaille für die hochfavorisierten Schwedinnen noch möglich. Deutschland liegt aktuell auf Platz sieben.
Andere Mannschaften wissen diese Chance besser zu nutzen als die Deutschen. Finnland und die Schweiz könnten von dem bisherigen Debakel der Schwedinnen profitieren und liegen hinter Norwegen auf Rang zwei und drei.
Derweil ist das erste Drittel beim Eishockey in Mailand durch. Die deutsche Mannschaft führt 2:1 und kann sich mal wieder bei Torwart Philipp Grubauer bedanken, der fabelhaft gehalten hat.
Zurück zum Langlauf, wo es für Ebba Andersson einen ganz bitteren Moment gibt. Die Schwedin stürzt erneut auf einer kleinen Abfahrt – sie überschlägt sich dabei, landet kopfüber im Schnee. Sie rappelt sich sofort wieder auf, doch der Ski hat sich aus der Bindung gelöst, die Bindung selbst ist auch weg. Sekundenlang kämpft sie, um weiterlaufen zu können, wertvolle Zeit. Es dauert, bis ein neuer Ski da ist.
Während Andersson verzweifelt hantiert, zeigen die Kameras ihre Teamkollegin im Wechselbereich: Läuferin Nummer drei, Frida Karlsson, steht fassungslos da, die Augen verdreht. War’s das für Schweden im Kampf um die Medaillen?
Satter Fehlpass eines lettischen Verteidigers. Lukas Kalble sagt Dankeschön, 2:1 für Deutschland.
Gerhard Pfeil
Reporter in Mailand

Wildes Gerangel vor dem Tor der Deutschen. Aber keine Strafzeiten. Die Mannschaft von Bundestrainer Harold Kreis muss jetzt schauen, mit dem Unentschieden in die Pause zu kommen.
Hallo aus der Eishockeyhalle in Mailand, wo die deutsche Mannschaft gegen Lettland jetzt doch Probleme bekommt. Und sich in diesem Moment den Ausgleich einfängt. 1:1.
Schwedens zweite Läuferin Ebba Andersson ist recht früh gestürzt und sieht seitdem vor allem in den Abfahrten unsicher aus. Sie fällt zwar zurück, die zehn Sekunden Rückstand sollten für die starke schwedische Staffel aber kein größeres Problem darstellen.
Das Wetter ist ganz anders als in den vergangenen Tagen, regnerisch, warm. Darauf müssen sich auch die Ski-Techniker einstellen. Gerade sieht es so aus, als hätten die Deutschen nicht den besten Grip. Beim Wechsel von Laura Gimmler auf Katharina Hennig Dotzler liegt Deutschland schon 40 Sekunden zurück.
Zurück zum Langlauf: Die Tribünen hier sind übrigens fest in skandinavischer Hand, wenig verwunderlich angesichts der großen Erfolge. Vor allem die Schwedinnen wirken siegessicher, auch die Fans in meinem Bus heute Morgen waren von einem Erfolg für ihr Land überzeugt. Norwegen aber versucht dagegenzuhalten, auch in Sachen Fans: Vor dem Stadion haben sie einen eigenen Stand mit Camper aufgebaut.
Die Läuferinnen nähern sich dem ersten langen Anstieg, bei zwei Kilometern. »Vielleicht muss ich da mal jemanden ziehen lassen«, sagte Startläuferin Laura Gimmler vor dem Rennen. Jetzt fällt sie tatsächlich etwas zurück. Die restliche Runde mag sie aber, die langen Abfahrten und Doppelstock-Schübe.
Annika Schultz
Reporterin in Tesero

Hatten Norwegen und die USA im Sprint unfaire Vorteile?
Nicht nur die körperliche und mentale Verfassung des Athleten, nicht nur die Rennstrategie, auch das Material der Skier entscheidet im Langlauf über Sieg und Niederlage. Die Teams versuchen deswegen naturgemäß, das Beste aus dem Material herauszuholen. Nutzt eine Mannschaft Spielräume, gibt es schnell Diskussionen.
So auch in Tesero: Die Norweger sollen beim Sprint am Dienstag offenbar eine elektrische Maschine zur Fettbehandlung mit an die Strecke gebracht haben. Das hatte ihnen der Weltverband Fis zwar genehmigt – aber kein anderes Team darüber informiert. Die konnten diesen Vorteil also nicht nutzen. Das US-Team soll zudem ein flüssiges Schmiermittel genutzt haben. Das wäre ebenfalls verboten.
Noch dazu standen nur Athleten aus Norwegen und den USA auf dem Podium: Norwegens Topstar Johannes Høsflot Klæbo vor Ben Ogden (USA) und Oskar Opstad Vike (Norwegen). Vor allem an den Anstiegen waren sie schneller als andere Athleten. Inwieweit das mit ihren Skiern zusammenhängt, ist unklar. Finnland erwägt offenbar, vor den Internationalen Sportgerichtshof Cas zu ziehen. Der Finne Lauri Vuorinen war Vierter geworden.
Medaillenbank: Die Langlaufstaffel der Frauen
Hallo und guten Tag aus Tesero! Hier geht es gleich rund, in der Staffel der Frauen über 4 × 7,5 Kilometer. Es ist das wichtigste Rennen für das deutsche Langlauf-Team. Denn in der Staffel rechnen sich Trainer Peter Schlickenrieder und Co. die größten Medaillenchancen aus. Seit 2002 gewannen die Frauen immer eine Medaille, nur 2018 gingen sie leer aus. Vor vier Jahren gab es Silber.
In diesem Jahr starten Laura Gimmler, Katharina Hennig Dotzler, Helen Hoffmann und Pia Fink. Ein Sieg wäre eine große Überraschung, sagen die Läuferinnen selbst. Zu stark traten bisher die Schwedinnen um die zweifache Olympiasiegerin Frida Karlsson und Norwegen auf. »Unser Fokus liegt auf einer Medaille. Wir möchten Bronze absichern«, sagt Gimmler. Größter Konkurrent um den dritten Platz könnte Finnland werden.
Bahnverkehr in Italien erneut gestört – Sabotage vermutet
Auf dem Streckennetz der italienischen Eisenbahn sind zur Halbzeit der Olympischen Winterspiele erneut mutmaßliche Sabotageakte verübt worden. Der Verkehr auf den Hochgeschwindigkeitsstrecken zwischen der Hauptstadt Rom und Florenz sowie zwischen Rom und Neapel sei in Folge von »mutwilligen Handlungen« behindert, teilte die staatliche Eisenbahngesellschaft Ferrovie dello Stato (FS) mit. Unklar ist, ob es einen Zusammenhang zu Olympia gibt.
Die Bahngesellschaft sprach von mindestens drei verdächtigen Vorfällen. Im Großraum Rom seien an zwei Stellen die Kabelkanäle beschädigt worden, über die der Zugverkehr gesteuert wird. Vermutet wird Brandstiftung. Die Strafverfolgungsbehörden ermitteln. Es kam zu Verspätungen von bis zu eineinhalb Stunden.
Bereits zu Beginn der Spiele vor einer Woche waren im Norden Italiens Schäden auf drei Bahnstrecken entdeckt worden, die erhebliche Verspätungen zur Folge hatten.
In der ARD rätselte gerade Eiskunstlauf-Experte Daniel Weiss noch einmal über den dramatischen Abend des Superstars Ilia Malinin. Der einstige Profi wirkte sichtlich fassungslos. Und vielleicht fragen auch Sie sich: Wie konnte es so weit kommen? Was genau ist passiert? Und was bedeutet das für die Zukunft des jungen US-Amerikaners?
Unser Reporter Gerhard Pfeil war am Freitagabend live dabei, als der Vierfach-Gott seine Medaille verpasste. Hier lesen Sie Gerhards Reportage.
Fußball statt Olympia
Mein Kollege Claudio Rizzello ist gerade auf dem Weg nach Bormio – natürlich mit der berühmten »Gazzetta dello Sport« als Zuglektüre. »Herzschlag-Valentinstag« schreibt die Zeitung auf ihrer Titelseite und bezieht sich dabei nicht etwa auf Olympia, sondern auf ein Fußballspiel, ein sehr wichtiges in Mailand: das »Derby D’Italia«. Inter Mailand spielt abends gegen den Erzrivalen Juventus Turin. Auf den ersten Seiten wird dann aber noch die Olympiasiegerin Federica Brignone gefeiert. »Ich muss zugeben, ich würde in diesen Tagen gerne mal reinhören in eine Redaktionskonferenz bei der ›Gazzetta‹«, schreibt Claudio.
Biathlon: Hettich-Walz sagt für Sprintrennen ab
Janina Hettich-Walz fällt heute für den olympischen Biathlon-Sprint aus. Die 29-Jährige hatte die vergangenen beiden Tage mit Magenproblemen zu kämpfen, wie sie auf Instagram mitteilte. »Schweren Herzens« müsse sie ihren Start über die 7,5 Kilometer absagen. »Auch wenn es mir heute schon wieder besser geht, kommt der Sprint leider zu früh, eine schwere Entscheidung, aber die Gesundheit geht vor«. Damit verpasst sie auch die Verfolgung am Sonntag.
Hettich-Walz hatte im Einzel am vergangenen Mittwoch als Achte ein gutes Olympiadebüt hingelegt. Wie der Deutsche Skiverband mitteilte, soll Selina Grotian statt ihr an den Start gehen.
Florian Haupt
Reporter in Bormio

Die Stunde der Exoten
Mit dem Argentinier Tiziano Gravier beginnt beim Riesenslalom in Bormio jetzt allmählich die Stunde der Exoten. Die technischen Disziplinen erlauben im alpinen Skisport traditionell mehr Farbtupfer als die gefährliche Abfahrt. Angemeldet haben sich unter anderem Läufer aus Haiti, Eritrea und Saudi-Arabien.
Tja... was soll ich sagen? Sie hält immer noch, die Bestzeit von Lucas Pinheiro Braathen. Das wird ein spannender zweiter Durchgang. Start ist um 13.30 Uhr.
Florian Haupt
Reporter in Bormio

Halbzeit eines bemerkenswerten Riesenslaloms
Die Topfahrer haben ihren ersten Durchgang beendet. Realistischerweise wird das im zweiten Lauf ein Duell zwischen Pinheiro Braathen und Odermatt – durchaus folgerichtig, wenn man bedenkt, dass diese beiden in umgekehrter Reihenfolge auch die Riesenslalom-Wertung im Weltcup anführen. Odermatt hat jetzt als einziger Fahrer weniger als eine Sekunde Rückstand. Allerdings: 0,95 Sekunden sind eine Menge, einem Weltklassemann wie Pinheiro dürften die eigentlich nicht mehr zu nehmen sein.
Aber das ist Olympia, er muss jetzt lange in der Leaderbox des Führenden sitzen, dazu der Ruf der Geschichte mit der Chance auf ein historisches Wintergold für Brasilien… Die Sache ist noch lange nicht durch. Zumal die Piste am Nachmittag weicher sein wird – Bedingungen, die Odermatt besser liegen als Pinheiro, der am Morgen auch von der perfekten Piste mit Startnummer 1 profitierte.
Der Vorsprung von Lucas Pinheiro Braathen ist wirklich beeindruckend groß. Das bedeutet natürlich auch, dass die Konkurrenz im zweiten Durchgang massiv Druck auf den Brasilianer ausüben wird. Die Elite wird ins Risiko gehen. Sie sollten also heute Mittag zeitig essen, liebe Leserinnen und Leser, denn der zweite Durchgang startet um 13 Uhr. Und wer will den verpassen, nach diesem ersten Lauf?
»Wie hat er das gemacht?«, ist die dominierende Frage dieses Riesenslaloms. Es scheint so, als hätte Braathen schlicht die beste Linie um die Tore gefunden – und keine Fehler gemacht. Dennoch: Mit knapp einer Sekunde auf den Zweitplatzierten zu führen, das ist außergewöhnlich. Freilich, es kommt noch ein zweiter Durchgang und den muss Braathen auch erst noch herunterfahren – aber festzuhalten ist schon jetzt: Dieser Riesenslalom ist ein besonderer.
Da Lucas Pinheiro Braathen offenbar echte Medaillenchancen bei diesem Riesenslalom-Rennen hat, werfen wir einen schnellen Blick auf diesen Ausnahmestar der Winterspiele. Der in Norwegen geborene Sohn einer Brasilianerin startet seit 2024 für Brasilien – und trägt die Hoffnungen eines Landes, das man wohl sonst eher mit Samba, Stränden und Fußball verbindet. Nach seinem überraschenden Rücktritt im Streit mit dem norwegischen Verband kehrte er zurück und schrieb Geschichte als erster Brasilianer mit einem Slalom-Weltcupsieg. Bei diesen Winterspielen war er auch Fahnenträger seines Landes. Und jetzt könnte er tatsächlich die allererste Medaille (!) bei Winterspielen für Brasilien gewinnen.
Was hier in Bormio passiert, ist wirklich bemerkenswert. Den Brasilianer Lucas Pinheiro Braathen musste man vor dem Start des Wettbewerbs nicht wirklich als unschlagbar auf dem Zettel haben. Doch bislang kann ihm niemand das Wasser reichen. Nicht mal ansatzweise: Odermatt auf Platz zwei hat mit 0,95 Sekunden schon einen beträchtlichen Rückstand. »Das ist eine neue Zeitrechnung«, sagt Bernd Schmelzer in der ARD.
Florian Haupt,
Reporter in Bormio

Kuhglocken und »Odi«-Rufe begleiten die Fahrt des Weltcupführenden Marco Odermatt. Die Schweizer Fanmehrheit in Bormio hofft auf Erlösung ihres Lieblings nach bisher schwierigen Spielen. Doch auch er bleibt fast eine Sekunde hinter Pinheiro Braathen zurück. Was ist dem Brasilianer da für ein Lauf gelungen!
Florian Haupt
Reporter in Bormio

Buongiorno aus Bormio zum Riesenslalom der Männer. Die Fans schlängeln sich an der Piste hoch. In wenigen Minuten geht’s los.
Liebe im Eiskanal
Das sollte heute natürlich nicht untergehen: Valentinstag! Und auch bei Olympia liegt ein Hauch von Romantik in der Luft. Im Skeleton-Finale (heute ab 18 Uhr) etwa sind Kim Meylemans aus Belgien und ihre brasilianische Ehefrau Nicole Rocha Silveira im Einsatz – als Paar und zugleich als Gegnerinnen. Für Candle-Light-Dinner bleibt da keine Zeit. »Wir haben uns nicht einmal Geschenke mitgebracht«, erzählten sie der Nachrichtenagentur AP.
Meylemans nimmt es gelassen: »Da wir ohnehin ständig zusammen sind, ist es für uns immer ein bisschen Valentinstag. Liebe gehört für uns einfach zu unserem Sport.« Tatsächlich dürfen die beiden in Cortina sogar gemeinsam wohnen – eine Seltenheit, da normalerweise nur Teamkollegen Zimmer teilen. Die Hälfte ihres Zimmers ist belgisch dekoriert, die andere halb brasilianisch.
Kennengelernt haben die beiden Sportlerinnen sich 2019, verliebt während der Pandemie, geheiratet im August 2024 – nachdem sie, ohne voneinander zu wissen, identische Verlobungsringe gekauft hatten. Auf der Bahn feuern sie sich gegenseitig an, mit High-Fives und einem Kuss vor jedem Lauf.
Skeletoni Jungk würde »so gern ein Bierchen aufmachen« – aber darf nicht
Wann gewinnt man schon einmal eine Medaille bei Olympia? Die Skeleton-Profis Axel Jungk und Christopher Grotheer holten gestern Silber und Bronze im Eiskanal – und hätten das gern feuchtfröhlich zelebriert: Er würde »so gern ein Bierchen aufmachen«, sagte Jungk, nachdem er wie in Peking vor vier Jahren Silber gewonnen hatte: »Aber ich hatte gestern brutal mit Krämpfen zu tun. Deswegen ist Alkohol strikt verboten. Wir haben in zwei Tagen noch das Team-Rennen.«
Und für die olympische Premiere der Mixed-Staffel ließ sich Jungk sogar zu einer Kampfansage hinreißen: »Wenn ich es nicht allein schaffe, will ich Matt wenigstens im Team schlagen. Das ist das große Ziel.« Jungk hatte sich am Freitag nur dem überragenden Briten Matt Weston geschlagen geben müssen. Grotheer folgte vier Jahre nach seinem Goldcoup von Peking auf dem dritten Rang. Auch er verzichtete auf alkoholisches Begießen seiner Medaille. Er habe »so lange nichts mehr getrunken, dann bin ich wahrscheinlich übel schnell voll«, sagte Grotheer, »es wird eher eine Apfelschorle«. Zudem habe er »Bock« auf das Rennen am Sonntag: »Da will ich noch einmal richtig Gas geben.«
Bevor wir später keine Zeit mehr haben und unser Puls viel zu hoch ist, weil uns die Olympia-Liveereignisse erneut überrollen, empfehle ich Ihnen in aller Ruhe den Text meines Kollegen Jonas Kraus: Sarah Schleper de Gaxiola und ihr Sohn Lasse sind das erste Mutter-Sohn-Duo in der Geschichte der Olympischen Winterspiele. Die Mutter steht bereits zum siebten Mal am Start und spricht von einem Traum, doch ihr Sohn scheint zu hadern. Jonas sagt: Das ist die schönste Mutter-Sohn-Geschichte bei Olympia. Zum Text bitte hier entlang.
»Satz mit X«: Biathleten frustriert nach Olympia-Dämpfer
Nach Bronze in der Mixed-Staffel war das deutsche Biathlon-Team positiv in die anschließenden Einzelwettkämpfen gegangen. Doch eine weitere Medaille gab es nicht. Philipp Nawrath, der am Freitag bei seinem verpatzten Sprint auch noch Geburtstag hatte, kommentierte seine Leistung sarkastisch: »Mit der drei war heute eher das Podest gemeint, nicht das Schießergebnis«. So ganz erklären konnte er sich seinen 26. Platz nicht: »Keine Ahnung, das war heute einfach ein Satz mit X.«
Mit drei Fehlern betrug Nawraths Rückstand auf den überragenden Sieger Quentin Fillon Maillet (Frankreich) am Ende 1:52,9 Minuten. Doch nicht nur bei Nawrath herrschte Frust. Philipp Horn belegte mit einem Fehler als bester Deutscher Rang zehn – auch er geht mit einer Hypothek von 1:09,2 Minuten auf Fillon Maillet in die Verfolgung am Sonntag (11.15 Uhr/ZDF und Eurosport). David Zobel (0 Schießfehler/+1:41,8) als 19. und Justus Strelow (1/1:46,4) als 23. liegen wie Nawrath noch deutlicher zurück. Er hätte »nicht gedacht, dass die Abstände so riesig sind«, sagte Horn: »Wir müssen jetzt analysieren, woran das liegt.«
Guten Morgen auch von mir, liebe Leserinnen und Leser, hallo Miriam. Ich hoffe, Sie und du habt erholsamer geschlafen als ich, nach diesem Eiskunstlaufdrama um den gestürzten Helden Ilia Malinin. Die eigentlich fest eingeplante Goldmedaille – doch was lässt sich im Sport schon planen? – blieb für den US-Amerikaner ein Traum. Stattdessen reichte es nur zu Platz acht.
»Das war definitiv kein angenehmes Gefühl«, sagte der 21-Jährige nach der völlig misslungenen Olympia-Kür am Freitagabend. »All die Jahre des Trainings, die Vorbereitung darauf – es ging einfach viel zu schnell vorbei. Ich hatte keine Zeit, zu verarbeiten, was ich tun sollte oder irgendetwas anderes. Es ging alles so schnell.«
Auch Überraschungs-Olympiasieger Michail Schaidorow aus Kasachstan, der dank einer nahezu fehlerfreien Kür noch von Platz fünf nach dem Kurzprogramm sensationell auf Rang eins kletterte, sprach sein Mitgefühl für Malinin aus. »Er ist sehr wichtig für das Eiskunstlaufen. Er ist der beste Läufer der Geschichte«, sagte der Goldmedaillengewinner, dem Malinin fair gratulierte.
Liebe Leserinnen und Leser,
guten Morgen und herzlich willkommen zu Tag neun bei den Olympischen Winterspielen in Norditalien. Auch heute halten mein Kollege Jan Göbel und ich Sie gemeinsam mit unseren Reporterinnen und Reportern vor Ort wieder über alles Wichtige auf dem Laufenden. Wir wünschen gute Unterhaltung!

vor 3 Stunden
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