ICE-Einsätze in den USA, für Kinder erklärt: Eine gefährliche Behörde

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In Minneapolis ist es zum Jahresanfang bitterkalt. An manchen Tagen sinkt die Temperatur auf bis zu minus 25 Grad Celsius. Trotzdem versammelten sich in der Stadt zuletzt immer wieder Tausende Menschen auf den Straßen. Sie trugen Mützen und Daunenjacken. Viele hielten Schilder in den Händen. Die Leute protestierten. Sie forderten, dass ICE aus ihrer Stadt verschwindet.

ICE ist eine US-amerikanische Einwanderungsbehörde. Sie existiert seit mehr als 20 Jahren. In der Vergangenheit kümmerte sie sich vorrangig darum, schwerkriminelle Straftäter festzunehmen, die sich unerlaubt im Land aufhielten.

Seit US-Präsident Donald Trump wieder im Amt ist, hat sich bei ICE einiges geändert. Die Zahl der Einsatzkräfte wird derzeit mehr als verdoppelt, von 10.000 auf 22.000 Personen. Die Grundausbildung dauert nun nur noch sechs bis acht Wochen. Früher waren es 13 oder mehr. Und es wird nicht mehr so genau hingeschaut, ob die Auszubildenden womöglich vorbestraft oder drogenabhängig sind.

 So laufen viele ICE-Einsatzkräfte in US-amerikanischen Städten herum.

Schwer bewaffnet und vermummt: So laufen viele ICE-Einsatzkräfte in US-amerikanischen Städten herum.

Foto: Madison Thorn / Anadolu Agency / AFP

Zudem haben es die ICE-Einsatzkräfte unter Trump nicht mehr allein auf Verbrecher abgesehen, sondern auf alle Menschen, die ohne gültige Aufenthaltsgenehmigung in den USA leben. Schätzungsweise sind es rund 14 Millionen. Die allermeisten von ihnen sind keine Kriminellen, sondern seit Jahren friedlich in den USA zu Hause. Sie haben in dem Land Familie und arbeiten in wichtigen Berufen, etwa als Bauarbeiter oder Erntehelferinnen.

Doch laut dem Präsidenten sind diese Menschen für besonders viele Verbrechen in den USA verantwortlich. Beweise dafür gibt es nicht. Studien widerlegen das sogar. Auch für die Behauptung, Einwanderer würden gebürtigen US-Amerikanern Arbeitsplätze und infolgedessen Geld wegnehmen, fehlt ein eindeutiger Nachweis. Trotzdem wollen Donald Trump und seine Regierung alle Personen ohne gültige Papiere aus dem Land schaffen.

Das Ziel der Trump-Regierung ist, dass pro Tag 3000 Leute festgenommen werden. Auf Social Media verbreiten sich immer wieder Videos von ICE-Einsätzen. Dort ist zu sehen, wie skrupellos die Festnahmen ablaufen: Die Einsatzkräfte ringen Menschen auf offener Straße nieder, schlagen Scheiben ein, zerren Leute aus Supermärkten und führen sogar kleine Kinder ab.

Die Festgenommenen landen in Abschiebegefängnissen. Dort herrschen harte Bedingungen. Es gibt nur wenig Essen und schlechte medizinische Versorgung. Manche Insassen berichteten, dass sie von Beamten geschlagen und verletzt worden seien. Allein im Januar sind mindestens sechs Personen in den Gefängnissen gestorben.

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Auch bei den Einsätzen sind schon Menschen ums Leben gekommen. Im Januar erschoss ein ICE-Beamter eine 37-jährige Frau in Minneapolis. Bei den darauffolgenden Protesten gaben Grenzschutz­beamte tödliche Schüsse auf einen 37 Jahre alten Mann ab. Im Internet verbreiteten sich Videos der Vorfälle. Sie zeigen, dass von den Opfern keine Gefahr ausging. Trotzdem behauptet die Trump-Regierung, die Einsatzkräfte hätten in Notwehr geschossen. Das ist gelogen.

Das Jahr 2026 ist für Donald Trump wichtig. Im November stehen in den USA Zwischenwahlen an. Dort muss der Präsident erfolgreich sein, um seine Politik weiter bequem durchsetzen zu können. Die meisten seiner Unterstützer befürworten das Vorgehen von ICE. Manche denken jedoch, dass die Behörde zu brutal auftritt.

Insgesamt wurden die Proteste größer. Nicht nur in Minneapolis sind die Leute gegen ICE auf die Straße gegangen, sondern auch in anderen Städten. Für Trump ist das schlecht. Er wird immer unbeliebter. Und das nicht nur wegen ICE: Am 3. Januar entführten die USA Nicolás Maduro, den Präsidenten des Landes Venezuela. Er wird als Diktator bezeichnet, weil er politische Gegner verhaften ließ und Gewalt gegen die eigene Bevölkerung einsetzte. Viele Menschen freut es, dass Maduro nicht mehr an der Macht ist. Und trotzdem: Der Einsatz der USA verstieß gegen das Völkerrecht, also gegen Regeln, an die sich alle Länder halten müssen.

US-Beamte führen Nicolás Maduro, den Präsidenten von Venezuela, zu einem Gerichtsgebäude in Manhattan

US-Beamte führen Nicolás Maduro, den Präsidenten von Venezuela, zu einem Gerichtsgebäude in Manhattan

Foto: Adam Gray / REUTERS

In den Wochen darauf machte Trump mit Aussagen zu Grönland Schlagzeilen: Immer wieder drohte er, die Insel in den Besitz der USA bringen zu wollen. Dabei gehört Grönland zu Dänemark, einem Verbündeten der USA. Später ruderte Trump zurück. Fachleute vermuteten, dass er seine Haltung zu ICE ebenfalls ändern würde, um seine Beliebtheit zu steigern. Am 12. Februar schien sich das zu bestätigen: Der US-Grenzbeauftragte Tom Homan verkündete das Ende der ICE-Razzien in Minnesota. Präsident Donald Trump habe dieser Maßnahme zugestimmt.

Dieser Text stammt aus Ausgabe 3/2026. Wir haben ihn aktualisiert.

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