Die Lage am Morgen Ami goes home
Heute geht es um die Ankündigung der US-Regierung, Soldaten aus Deutschland abzuziehen, um die GroKo in Rheinland-Pfalz sowie um die Neuaufstellung der FDP.
02.05.2026, 06.38 Uhr
Trumps Rache
Tja, wie geht es weiter in Berlin? Kanzler Friedrich Merz und Vize Lars Klingbeil inszenierten sich nach ihren Streitereien zuletzt wieder versöhnt und ließen es am Donnerstag beim Truppenbesuch in Niedersachsen krachen. (Lesen Sie hier mehr). Bei einer 1.-Mai-Kundgebung nahm Klingbeil den Kanzler jetzt in Schutz, verteidigte ihn gegen Angriffe des US-Präsidenten: »Wir brauchen nun wirklich keine Tipps von Donald Trump. Der soll sehen, welche Scherbenhaufen er angerichtet hat.«
Regierungschefs Merz, Trump: »Scherbenhaufen«
Foto: Andrew Caballero-Reynolds / AFPAus Amerika wiederum kam es gestern doppelt dicke. Beleg für die »Kluft« und den »tiefen Graben« (Merz), der sich zwischen den USA und Europa aufgetan hat.
Erst kündigte Trump trotz des 15-Prozent-Abkommens mit der EU einen höheren Zollsatz von 25 Prozent auf Autos und Lastwagen an (hier dazu mehr ). Dann ließ Amerikas Verteidigungs- und Trumps Kriegsminister Pete Hegseth einen Truppenabzug aus Deutschland verkünden: 5000 US-Soldaten sollen das Land verlassen.
Der US-Präsident drohte das zuletzt im rhetorischen Fernduell mit Merz an. Der Kanzler hatte Trump zuvor vorgeworfen, »ohne jede Strategie« in den Irankrieg gezogen zu sein und gesagt, die Iraner würden die USA in den Verhandlungen zur Beendigung des Krieges demütigen. Es folgte eine Trump-Tirade via Social Media gegen Merz (»keine Ahnung«, »kaputtes Land«).
Laut US-Angaben waren im April 2026 etwa 39.000 US-Soldaten in Deutschland stationiert, die US-Basen spielen logistisch für die globale Einsatzfähigkeit der amerikanischen Streitkräfte eine zentrale Rolle. Ein Teilabzug könnte also nicht nur Deutschland, sondern auch den USA schaden (Lesen Sie hier mehr Details dazu).
Die ganze Geschichte hier: US-Verteidigungsminister Hegseth will 5000 Soldaten aus Deutschland abziehen
GroKo in Rheinland-Pfalz
Hier heißt ein Bündnis aus CDU und SPD nicht mehr nur profan Schwarz-Rot, sondern noch immer: Große Koalition. Denn die Partner verfügen über eine Zweidrittelmehrheit im Mainzer Landtag. Vergangene Woche haben sich die beiden Parteiführungen in Rheinland-Pfalz auf einen Koalitionsvertrag verständigt, heute sollen die Gremien zustimmen, wie es so schön heißt. Bei der CDU übernimmt das der Landesparteiausschuss in einem Mainzer Hotel, die SPD lädt zum Parteitag in Nieder-Olm. Das liegt zwischen Ober-Olm, Zornheim und Sörgenloch.
Koalitionäre Schweitzer, Schnieder: Nieder-Olm, Ober-Olm, Birresborn
Foto: Andreas Arnold / dpaDen Ministerpräsidenten soll künftig Gordon Schnieder (CDU) aus Birresborn machen, Vorgänger Alexander Schweitzer von der SPD hat den Koalitionsvertrag ausgehandelt, will aber nicht selbst in Schnieders Kabinett eintreten. (Lesen Sie hier mehr über Schnieder).
Schwarz-Rot, Pardon: eine Große Koalition gab es noch nie in Rheinland-Pfalz. Nur in einer Allparteienregierung der direkten Nachkriegszeit begegneten sich Christ- und Sozialdemokraten einst beim Regieren. Vielleicht nehmen sich die Neuen ein Vorbild an ihren Vorgängern von der Ampelregierung: Die setzte sich von der großen Schwester in Berlin durch geräuschloses Regieren ab. Schafft diese Abgrenzung von der Bundeshauptstadt nun auch die GroKo in Mainz?
Mehr Hintergründe hier: CDU und SPD in Rheinland-Pfalz einigen sich auf Koalition
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Drift nach rechts
Sollte Wolfgang Kubicki im Mai zum neuen FDP-Vorsitzenden gewählt werden, möchte er einen Mann namens Martin Hagen zu seiner Nummer zwei machen: Der 44-Jährige soll Kubickis FDP-Generalsekretär werden.
FDP-Politiker Hagen: »Kantiger geworden«
Foto: Klaus-Dietmar Gabbert / dpaJetzt mögen Sie denken: na und? Sie wissen ja auch nicht, wer etwa der Generalsekretär der ÖDP ist. Gut, das mag sein (der Mann heißt Claudius Moseler). Aber was da gerade mit der FDP passiert, das ist wirklich interessant. Womöglich erfindet sich diese abgeschriebene Partei mit einem Duo Kubicki-Hagen noch einmal neu: Nach rechts verschoben, politisch angesiedelt zwischen Union und AfD. Könnte das die Lücke sein für Lindners Erben? (Lesen Sie hier mehr).
Der Bayer Martin Hagen, so beschreibt es mein Kollege Florian Gathmann in seinem lesenswerten Porträt, galt sogar mal als Progressiver in der FDP. Sabine Leutheusser-Schnarrenberger hatte ihn entdeckt, die Grande Dame des Linksliberalismus. Heute sagt sie: »Martins Positionen sind liberal-konservativer geworden.«
Hagen sagt: »Ich bin mit der Zeit und der wachsenden Erfahrung sicher kantiger geworden und weniger vorsichtig.« Er ist Geschäftsführer der Denkfabrik Republik 21 (R21), die sich »Thinktank für neue bürgerliche Politik« nennt. Chef von R21 ist CDU-Mann Andreas Rödder. Eine seiner zentralen Forderungen: Die Unionsparteien sollten den Umgang mit der AfD überdenken. Wie Kubicki lehnt er Koalitionen oder sonstige Zusammenarbeit ab, die Brandmauer will Rödder allerdings abreißen.
Und Hagen? Der sehe das genauso, schreibt Florian.
Die ganze Geschichte hier: Der kleine Kubicki
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Verlierer des Tages ...
… wird heute wohl der 1. FC Heidenheim werden. Der Bundesliga-Underdog ist zu Gast beim FC Bayern. Verlieren die Heidenheimer, ist ihr Abstieg besiegelt.
Spieler des 1. FC Heidenheim (am 19. April)
Foto: Philipp von Ditfurth / dpaDie jüngsten Meldungen aus der Nacht
Klingbeil will untere Einkommen entlasten, Spitzenverdiener sollen mehr zahlen: Die schwarz-rote Koalition will die Steuern für kleine und mittlere Einkommen senken. Bei der Gegenfinanzierung hat der SPD-Finanzminister klare Vorstellungen – es droht der nächste Krach mit der Union.
Iran kritisiert Fifa und stellt Bedingungen für WM-Teilnahme: Iran will zur WM – aber nicht »mit Erlaubnis aus Washington«. Nur wenn der Weltverband Fifa Sicherheit und politische Neutralität zusichert, will das Land bei der WM spielen, sagt Verbandschef Tadsch.
Polizei zieht nach 1. Mai in Berlin positive Bilanz: Trotz teils aggressiver Stimmung bei Demonstrationen und Straßenfesten meldet die Polizei Berlin einen friedlichen Verlauf des Feiertags. Nur am Görlitzer Park mussten die Ordnungshüter eingreifen – allerdings nicht wegen Gewalt.
Heute bei SPIEGEL Extra: Es hieß, in Russland würde ein besseres Leben auf sie warten. Plötzlich waren sie Soldaten in einem fremden Krieg
Serhii Korovayny / DER SPIEGEL

vor 2 Tage
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