News: Donald Trump ein Jahr im Amt, Wladimir Putin, Friedrich Merz, Johannes Winkel

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Im Jahr des Trump

Heute vor einem Jahr wurde Donald Trump zum zweiten Mal Präsident der USA. Seine Antrittsrede handelte von einem angeblich anbrechenden »Goldenen Zeitalter« für Amerika, hinter ihm standen Techmilliardäre und grinsten, seine Ehefrau Melania verbarg ihr Gesicht unter einem dunklen Hut mit breiter Krempe. Oder war es ein Trauerschleier? Meine Erinnerung an diesen Tag ist verblasst, so viel ist seitdem passiert.

 Alles nur Effekt

Trump beim Amtseid mit Ehefrau Melania am 20. Januar 2025: Alles nur Effekt

Foto: Morry Gash / AP / dpa

Strafzölle, Massenabschiebungen, Militär im Inland, Bomben im Ausland, eine Autofahrt mit Putin, eine Invasion in Venezuela... Ist der Mann wirklich erst seit einem Jahr wieder an der Macht?

Trump setzt auf Tempo, ständigen Szenenwechsel und Grausamkeit. Was ihn leitet, ist ein narzisstischer Trieb. Seinen Anspruch auf Grönland zum Beispiel begründet er auch damit, dass ihm der Friedensnobelpreis verwehrt wurde (hier lesen Sie mehr dazu).

Trumps Politik hat keine belastbaren Ergebnisse zum Ziel, es geht ihm um den Effekt, um Aufmerksamkeit. Und weil Trump der mächtigste Mann des Planeten ist, bekommt er viel davon, selbst für die dämlichsten Einfälle. Jüngstes Beispiel: ein globaler Friedensrat als Konkurrenz-Klub zu den Vereinten Nationen, der Krisen und Kriege beilegen soll (hier erfahren Sie mehr).

Trump hat rund 60 Staats- und Regierungschefs dazu eingeladen, er selbst beansprucht den Vorsitz auf Lebenszeit. Mitgliedstaaten sollen eine dreijährige Amtszeit erhalten, sofern sie nicht eine Milliarde Dollar für einen ständigen Sitz zahlen. Es klingt wie ein Scherz, ist aber ein weiterer Angriff auf die internationale Ordnung.

Ein Geschenk für Moskau

Mit seinem Griff nach Grönland spaltet Trump den Westen. So führt der US-Präsident aus, was Wladimir Putin bisher vergeblich versuchte. In Moskau können sie ihr Glück bestimmt kaum fassen.

 Trump bloß nicht verprellen

Machthaber Putin in Moskau: Trump bloß nicht verprellen

Foto: Vyacheslav Prokofyev / SPUTNIK / KREMLIN / EPA

Putins Entourage zeigt erwartbar viel Verständnis für Trumps Lust auf Land und spottet über die Europäer. Kirill Dmitrijew, Putins Chefunterhändler in den Ukrainegesprächen mit den USA, schreibt auf X: »Ihr vermisst jetzt Nord Stream, oder?« So, als bedrohte der Konflikt mit Washington die europäische Energieversorgung. Und Ex-Präsident Dmitrij Medwedew stellt die mathematisch wie orthografisch fragwürdige Gleichung auf: »Make America Great Again (MAGA) = Make Danmark Small Again (MDSA) = Make Europe Poor Again (MEPA)«; großes Amerika, kleines Dänemark, armes Europa. Moskau und Washington scheinen vereint im schamlos-vulgären Chauvinismus.

»Trumps Grönland-Eskalation ist für den Kreml ein Geschenk«, sagt meine Kollegin Christina Hebel, die für den SPIEGEL aus Moskau berichtet. Dass von dort keine Kritik am neuen US-Imperialismus kommt, erklärt sie so: »Für Putin zählt vor allem eines: Er will Trump nicht verprellen – er will sich den US-Präsidenten für die Verhandlungen zur Ukraine gewogen halten.« Putin sehe seine Truppen im Vorteil an der Front, er spiele auf Zeit. »Ein mit Grönland beschäftigter Trump ist da nur von Vorteil für ihn«, sagt Christina.

Melden sich die Deutschen zu oft krank?

Es war ein gewagter Wahlkampfaufschlag vom Kanzler. Vor einigen Tagen war CDU-Chef Friedrich Merz im baden-württembergischen Bad Rappenau zu Besuch, um seinem Parteifreund Manuel Hagel dabei zu helfen, nach der Landtagswahl im März Ministerpräsident zu werden. Merz hielt eine Rede, in der er den Deutschen attestierte, sie würden sich zu oft krankmelden, im Schnitt kämen sie auf 14,5 Krankentage pro Jahr.

 »Ist das wirklich notwendig?«

Merz bei Wahlkampfauftritt in Bad Rappenau: »Ist das wirklich notwendig?«

Foto:

Bernd Weißbrod / dpa

»Das sind fast drei Wochen, in denen die Menschen in Deutschland aus Krankheitsgründen nicht arbeiten«, klagte Merz. »Ist das wirklich richtig? Ist das wirklich notwendig?« Was als Frage daherkam, ist natürlich ein Vorwurf. Ob Wählerinnen und Wähler solche Pauschalurteile belohnen?

Merz legte am Montag nach. Bei den durchschnittlich 14,5 Krankentagen, die er am Wochenende genannt habe, seien die kurzfristigen Krankmeldungen von ein oder zwei Tagen noch gar nicht mitgerechnet, sagte er. »Wenn die einbezogen würden, dann läge die Zahl noch deutlich höher. Und damit ist der Krankenstand im Durchschnitt in den Unternehmen in Deutschland zu hoch.« Das war dann keine rhetorische Frage mehr, sondern ein klarer Befund, aus dem Gesundheitsministerin Nina Warken einen Arbeitsauftrag ableitet.

Sie wolle die Regelungen zur telefonischen Krankschreibung überprüfen, sagte die CDU-Politikerin dem »Tagesspiegel«. Die niedrigschwellige Möglichkeit der telefonischen Krankschreibung werde missbräuchlich ausgenutzt.

Im Koalitionsvertrag bekennt sich auch die SPD zu Korrekturen bei der telefonischen Krankschreibung. Dem Kanzler scheint allerdings eine grundsätzliche Verschärfung vorzuschweben.

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Gewinner des Tages…

…ist der CDU-Politiker Johannes Winkel. Als Chef der Jungen Union (JU), des Parteinachwuchses von CDU und CSU, ist es zwar Winkels Job, die Mutterparteien zu ärgern, sie zu einer generationengerechten Politik zu drängen. Doch Winkels Konfliktfreude sticht im Vergleich mit seinen Vorgängern heraus. Offenkundig hat der 34-jährige Westfale keine Angst davor, dass er sich mit seiner Kritik Karrierechancen verbaut.

Johannes Winkel beim »Deutschlandtag« der Jungen Union im November

Johannes Winkel beim »Deutschlandtag« der Jungen Union im November

Foto: Philipp von Ditfurth / dpa

Vor einigen Monaten legte sich Winkel mit Kanzler Merz an, weil ihm die schwarz-roten Rentenpläne nicht passten. Winkel unterlag, was ihn aber nicht davon abhält, jetzt einen neuen Vorstoß zu unternehmen. Dieses Mal geht es um die schwindenden Jobchancen von Berufseinsteigern. Winkel findet, die Regierung müsse sich für sie deutlich mehr ins Zeug legen.

Die jüngsten Meldungen aus der Nacht

  • Iranischer Polizeichef stellt Demonstranten ein Ultimatum: Nach der brutalen Niederschlagung der Proteste in Iran ruft die Polizei junge Menschen auf, sich binnen drei Tagen zu stellen. Sie würden als »verwirrte Personen« betrachtet, während die »Anstifter« hart bestraft werden sollen.

  • Über Deutschland leuchten Polarlichter: In vielen Teilen Deutschlands hat es am Nachthimmel ein Farbschauspiel gegeben. Auslöser war eine Eruptionswolke der Sonne, die sich extrem schnell Richtung Erde bewegte.

  • Drei Haiattacken in 26 Stunden – Sydney sperrt sämtliche Strände im Norden: Das Meer vor Sydney ist derzeit warm, nach heftigen Regenfällen auch trüb und schmutzig – ideal für einige Haie. Nun kam es binnen weniger Stunden zu drei Angriffen. Zwei Menschen kämpfen ums Überleben, darunter ein Kind.

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Sofia Brandes

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