News des Tages: Rentenreform, Lehrkräfte und Politik, Trumps Probleme mit dem Reflecting Pool in Washington

vor 2 Stunden 1

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1. Die große Rentenharmonie

Man reibt sich verwundert die Augen. Die Regierung verkündet eine Reform, die den Namen verdient und zerlegt sich weder auf dem Weg dahin noch danach. Und das bei einem für die SPD so sensiblen Thema wie der Rente!

Na gut, am Nachmittag murrte Mecklenburg-Vorpommerns Ministerpräsidentin Manuela Schwesig leise (lesen Sie hier). Und auch Verdi und der DGB übten Detailkritik, etwa daran, dass die Renten für langjährig und besonders langjährig Versicherte gestrichen werden sollen (hier mehr dazu). Aber ein Aufschrei ist das nicht, sondern eher Folklore. In erster Linie waren sich Bundeskanzler Friedrich Merz und Arbeitsministerin Bas ungewohnt einig.

Was war passiert? Die Regierung hatte, wie schon oft, eine Expertenkommission eingesetzt. Diese sollte die Rente für zukünftige Generationen sichern. Die Mitglieder schauten sich in Europa um und erblickten in Schweden ein innovatives Modell. Es investiert Teile der Beiträge am Aktienmarkt, senkt so die Beiträge und hebt das Rentenniveau. Die Expertinnen und Experten empfahlen der Regierung, das Modell weitgehend zu übernehmen (hier wird das Modell erklärt ).
Anders als sonst, etwa im Fall der Klimakommission, schlug die Regierung diesmal die Empfehlung nicht in den Wind, sondern möchte sie umsetzen. Ob das in allen Details gelingt oder doch noch stärkerer Widerstand erwächst, wird sich zeigen.

2. Bitte sagen Sie jetzt was

Wenn ich an meine Schulzeit zurückdenke, erinnere ich mich an eine Lehrerin besonders: Sie hat mich geprägt, auch politisch. Nicht in dem Sinne, dass ich ihre Gesinnung übernommen hätte. Wohl aber ihre Haltung: Sie lehrte mich, neugierig zu sein, Dinge zu hinterfragen, von mehreren Seiten zu beleuchten und bei all dem humanistisch zu sein.

Ob sie sich das heute noch trauen würde? Wenn man dem Deutschen Schulbarometer  glaubt, dessen aktuelle Ausgabe die Robert Bosch Stiftung am Dienstag veröffentlicht hat, wohl eher nicht. Demnach fühlt sich fast jede fünfte Lehrkraft (18 Prozent) im Unterricht gehemmt, weil sie Sorge hat, gegen das Neutralitätsgebot für Lehrerinnen und Lehrer zu verstoßen. Mehr als jeder vierte Pädagoge (27 Prozent) glaubt, die eigene politische Meinung im Unterricht grundsätzlich nicht äußern zu dürfen.

Doch sie liegen falsch: Weder gibt es ein Neutralitätsgebot für Lehrerinnen und Lehrer noch ein generelles Verbot politischer Äußerungen – solange sie sich im Rahmen des Grundgesetzes bewegen.

Vor allem aus dem rechten politischen Spektrum wurde zuletzt mit Meldeportalen für angeblich nicht neutrale Lehrkräfte oder mit Dienstaufsichtsbeschwerden gezielt Druck aufgebaut und Unsicherheit geschürt.

Welche teils absurden Blüten das treibt und was Lehrer tatsächlich sagen dürfen, lesen Sie hier: Die Angst der Lehrer vor der Politik

3. Grün ist die Verzweiflung

Es wirkt wie Realsatire, aber lassen Sie uns bitte trotzdem kurz auf ein Thema blicken, das Donald Trump wichtig ist: Die Welt(wirtschaft) ächzt unter dem Krieg gegen Iran, den er vom Zaun gebrochen hat, doch der US-Präsident widmet sich mit großem Engagement der Farbe des Wassers in seinem Vorzeigepool in Washington.

Im April ließ Trump das Wasserbecken zwischen Lincoln Memorial und Washington Monument trockenlegen und den Boden blau streichen. Rund 14,2 Millionen US-Dollar soll das gekostet haben (etwa 12,4 Millionen Euro). Jetzt, nur wenige Wochen nach der Wiedereröffnung Anfang Juni, ist das Wasser im sogenannten Reflecting Pool schon wieder grün, außerdem blättert die blaue Farbe ab, Trump tobt. Vandalen, so behauptet er, hätten Chemikalien in den Pool gekippt. Belege dafür kann er nicht vorweisen (mehr dazu hier).

Tatsächlich sei das Wasser »grün von Algen«, schreibt meine Kollegin Anika Freier. Sie ist der Frage nachgegangen, wer für den verfärbten Pool verantwortlich ist – genauer gesagt, was.

Meine Lieblingsaussage aus Anikas Text stammt von Greg Boyer, einem emeritierten Biochemieprofessor an der State University in New York. Er sagte dem Magazin »The Atlantic«  : Wenn er eine Anlage zur Algenzucht bauen müsste, würde sie ziemlich genau aussehen wie der Reflecting Pool.

Meine Lieblingsgeschichte heute: Die Welt schaut auf uns – und wundert sich

 Was ist seltsamer?

Raupe des Eichenprozessionsspinners, Spiegelbecken in Washington: Was ist seltsamer?

Foto:

[M] DER SPIEGEL / Pia Bayer  / dpa  / picture alliance; Evan Vucci  / REUTERS

Apropos Trumps Pool: Wir sollten uns nicht allzu sehr über das Gebaren des US-Präsidenten erheben, findet meine Kollegin Ulrike Knöfel. Sie hat zusammengetragen, welche Themen aus Deutschland ihren Weg in die US-Medien finden – und welches Bild sie den Amerikanern von uns vermitteln. »Von dort betrachtet, erscheint auch diese Nation mitten im alten Europa immer wieder etwas merkwürdig«, schreibt Ulrike. Eine Stadt (Berlin) in Angst vor dem Eichenprozessionsspinner, ein ganzes Land, das gebannt und im Livestream die Millionen Euro teure Sterbehilfe für einen Wal verfolgt. So gesehen spielen wir wohl in einer Liga mit dem präsidialen Pool-Boy.

Was heute weniger wichtig ist

Sängerin Madonna

Sängerin Madonna

Foto:

XNY / Star Max / IPx / picture alliance

Like a Virgin: Sängerin Madonna, 67, möchte sich im Alltag möglich wenig von Social Media und anderen digitalen Medien beeinflussen lassen. Dem »Interview Magazine« erzählt sie, warum ihr Aufwachsen ohne Fernseher und ihre spätere, bewusste Distanz zu Social Media ein Geschenk waren. Wie das zu ihrer Präsenz auf Digitalkanälen passt, ist nicht ganz klar: Sie geht live mit angesagten Content Creatoren, wurde schon von Instagram geblockt, weil sie zu oft gegen die Regeln der Plattform verstoßen haben soll und lädt auf TikTok Videos von ihren Dance-Challenges hoch. Offenbar fällt es ihr leichter zu senden, als zu empfangen: »Wenn ich länger als zehn Minuten auf Instagram bin, werde ich depressiv.«

Mini-Hohlspiegel

Bz-berlin.de über die Vorbereitungen für ein Metallica-Konzert in Berlin: »Insgesamt mehr als 1000 Techniker und Rowdies bauen Licht-, Ton- und Pyro-Anlagen auf.«

Hier finden Sie den ganzen Hohlspiegel.

Cartoon des Tages

Entdecken Sie hier noch mehr Cartoons.

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Thomas Plaßmann

Wie reagiert eine wehrhafte Demokratie auf den Aufstieg der AfD? Darüber diskutieren Katrin Göring-Eckardt, Lukas Rietzschel und SPIEGEL Chefredakteur Dirk Kurbjuweit am 25. Juni 2026 um 20 Uhr im Hamburger Thalia Theater.

Hier geht es zu den Tickets .

Foto: Markus Gilliar / ZDF / picture alliance

Könnten Sie sich die Doku »Mesut Özil – zu Gast bei Freunden«  in der ZDF-Mediathek anschauen. Die Öffentlich-Rechtlichen haben zur WM in den USA etliche sehenswerte Dokumentationen gedreht, diese gehört dazu.

Der Dreiteiler zeichnet den Aufstieg Özils vom Straßenkicker aus Gelsenkirchen in die Nationalelf und zu Real Madrid nach. Sie erinnert noch einmal daran, wie er mit seinem wunderschönen Fußballspiel das DFB-Team emporhob und zur Weltmeisterschaft 2014 führte.

Sie beleuchtet aber auch, wie Özil, der auf dem Platz so virtuos dribbeln konnte, sich außerhalb des Fußballs verhedderte. Im Mai 2018 ließ sich Özil gemeinsam mit İlkay Gündoğan mit dem türkischen Ministerpräsidenten Recep Tayyip Erdoğan fotografieren, der wegen Menschenrechtsverletzungen heftig in der Kritik stand. Beide Fußballer gerieten anschließend in einen Shitstorm.


Einen schönen Abend. Herzlich

Ihr Michail Hengstenberg, Autor im Kulturressort

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