Millionen von Menschen in Europa sind derzeit einer beispiellosen Hitzewelle ausgesetzt. Außergewöhnlich hohe Temperaturen haben große Teile von Deutschland, Frankreich, Spanien und Italien fest im Griff. In zahlreichen Regionen gilt weiterhin die höchste Warnstufe, die mit extremen und potenziell gesundheitsschädlichen Temperaturen verbunden ist.
Frankreich meldete für die Nacht zum Dienstag die heißeste Nacht seit Beginn der Wetteraufzeichnungen. Mehr als die Hälfte des Landes war von der höchsten Hitzewarnstufe Rot betroffen, in zahlreichen weiteren Departements galt die zweithöchste Warnstufe. Damit waren etwa 90 Prozent der Bevölkerung betroffen.
Wegen der extremen Hitze wurde das südfranzösische Atomkraftwerk Golfech heruntergefahren. Der Eiffelturm und das Louvre-Museum schlossen bereits am Nachmittag. Premierminister Sébastien Lecornu verstärkte die Bereitschaft des medizinischen Personals und ermöglichte das Verschieben von Operationen. Auch führt die Hitze offenbar zu mehr tödlichen Badeunfällen: Nach Angaben von Premierminister Sébastien Lecornu kamen seit vergangenem Donnerstag 40 Menschen bei Badeunfällen ums Leben, die meisten von ihnen junge Menschen.
Während der Hitzewelle von bislang unbekanntem Ausmaß waren in Frankreich in den vergangenen Tagen mehrere historische Höchstwerte übertroffen worden: Am Montag wurde mit 37,8 Grad im Landesdurchschnitt der bislang heißeste Nachmittag seit Beginn der Aufzeichnungen registriert. Auch die Nacht zum Dienstag war mit 21,6 Grad als niedrigster Durchschnittstemperatur die wärmste, die Frankreich seit Beginn der Aufzeichnungen 1947 erlebt hat.
Die spanische Wetterbehörde Aemet rief die höchste Alarmstufe Rot für Gebiete rund um das südspanische Córdoba sowie im Norden des Landes für Bilbao und Teile der Region Kantabrien aus. Für weite Teile von Zentral- und Nordspanien galt die zweithöchste Alarmstufe Orange, für fast den gesamten Rest des Landes die Hitzewarnstufe Gelb.
Am Montag registrierten 101 der 828 Aemet-Wetterstationen im Land Temperaturen von mindestens 40 Grad. Bei etwa 30 Messstationen sanken die Temperaturen in der Nacht zum Dienstag nicht unter 25 Grad. An der Küste von Almeria in der südlichen Region Andalusien lagen die Temperaturen die dritte Nacht in Folge auch nach Sonnenuntergang bei über 30 Grad.
In Italien rief das Gesundheitsministerium für 15 Städte, darunter Rom und Mailand, die höchste Hitze-Alarmstufe aus. Ab Mittwoch gelte die Alarmstufe Rot zudem für eine 16. und ab Donnerstag für eine 17. Stadt. Zu den damit verbundenen Empfehlungen gehört es, sich in den heißesten Stunden des Tages drinnen aufzuhalten, viel zu trinken und besonders auf gefährdete Mitmenschen zu achten.
Wegen der übermäßigen Nutzung von Klimaanlagen kam es in Mailand und Turin zu Stromausfällen. In der Zeitung »Corriere della Sera« beschwerte sich ein Ärzteverband über schlecht oder gar nicht funktionierende Klimaanlagen in sieben staatlichen Kliniken in Rom.
London: Ein Pelikan geht gemeinsam mit Fußgängern über eine Brücke
Foto:Alastair Grant / AP / dpa
Wegen der Hitze wurde in England an einigen Schulen der Unterricht verkürzt oder gestrichen. Für Mittwoch und Donnerstag rief die britische Wetterbehörde Met Office für Gebiete in Südengland die höchste Hitzewarnstufe Rot aus, die im Vereinigten Königreich bislang nur einmal, und zwar im Juli 2022, ausgerufen worden war. Wegen der Hitze strichen mehrere Bahnunternehmen bis Donnerstag einen Teil ihrer Verbindungen.
In Südengland werden Temperaturen um die 37 Grad Celsius erwartet, in Südostwales bis zu 35 Grad. Der Höhepunkt der Hitzewelle wird nun für Mittwoch und Donnerstag prognostiziert, an denen in London und Südengland Höchstwerte von bis zu 39 Grad Celsius erreicht werden könnten.
Auch Belgien hat die Hitze im Griff: Für das Land sagte das Meteorologie-Institut IRM eine Woche mit den höchsten Temperaturen seit Aufzeichnungsbeginn voraus.
Wissenschaftlern zufolge werden derartige Hitzewellen im Zuge des Klimawandels häufiger und heftiger. »Das Klimachaos beschleunigt sich vor unseren Augen«, warnte Uno-Generalsekretär António Guterres bei der Londoner Klima-Aktionswoche. Die internationale Gemeinschaft müsse daher viel entschlossener gegen die Erderwärmung vorgehen und die Nutzung klimaschädlicher fossiler Energieträger drastisch zurückfahren.

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