News des Tages: Marine Le Pen verurteilt, Drogentote auf Rekordniveau, Marla Svenja Liebich wird ausgeliefert

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1. Zerstörte ein Gericht heute Le Pens Lebenstraum?

Ein Berufungsgericht in Frankreich hat Rechtspopulistin Marine Le Pen zu einer dreijährigen Haftstrafe verurteilt. Zwei Jahre ‌wurden zur Bewährung ausgesetzt, die verbleibende Zeit muss sie eine Fußfessel tragen. Theoretisch kann sie nun 2027 bei der Präsidentschaftswahl antreten. Bleibt die Frage, wie attraktiv die Französinnen und Franzosen eine Kandidatin mit einem Sender am Bein finden?

Das Verfahren drehte sich um die Scheinbeschäftigung von Assistenten mehrerer französischer Europaabgeordneter zwischen den Jahren 2004 und 2016. In erster Instanz hatte ein Gericht der Rechtsnationalen im März 2025 das passive Wahlrecht für fünf Jahre entzogen und sie zu einer vierjährigen Haftstrafe verurteilt, davon zwei Jahre auf Bewährung.

»Le Pen bekommt in der Berufung einerseits ein mildes Urteil, verglichen mit dem aus erster Instanz«, sagt mein Kollege Leo Klimm, Frankreich-Korrespondent des SPIEGEL. Die Wahlsperre sei so verkürzt, dass ihr Lebenstraum, Frankreichs Präsidentin zu werden, doch nicht ausgeträumt ist. Andererseits sei das Urteil listig. Es nimmt dem Rassemblement National die Entscheidung nicht ab, wer als Topfavorit in die Wahl in neun Monaten zieht. Egal, wer nun antritt – Le Pen oder ihr erst 30 Jahre alter Zögling Jordan Bardella: »Das Urteil wird die latenten Spannungen zwischen den beiden noch verstärken.«

Einen Wahlkampf mit Fußfessel hatte die 57-Jährige im Vorfeld des Urteils eigentlich ausgeschlossen. Entsprechend angefasst zeigte sich Le Pen bei Gericht. Als das Urteil heute verkündet war, schüttelte Le Pen den Kopf, beobachtete Leo. Sie blieb erst ein paar Minuten auf dem roten Klappstuhl sitzen, der ihr als Anklagebank gedient hatte, besprach sich mit ihren Anwälten. Dann verließ sie wortlos, geradezu fluchtartig den Justizpalast. »Freude sieht anders aus.«

2. Mehr als 2000 Drogentote – Deutschland am »kritischen Punkt«

Neulich sah ich auf X ein Video, es zeigte einen Mann, der offenbar unter dem Einfluss einer sogenannten Zombie-Droge stand. Meist ein Gemisch aus Fentanyl mit Xylazin – ein Beruhigungsmittel aus der Tiermedizin. Der Mann wirkte vollkommen apathisch und taumelte an einer Berliner Straßenkreuzung umher. In Deutschland gilt die Droge bislang als noch nicht weitverbreitet, wer sie konsumiert, wird in der Regel schnell abhängig und erleidet schwere körperliche Schäden – bis hin zum Tod. Der Mann war vielleicht Mitte 20.

In Deutschland sind im vergangenen Jahr 2150 Menschen an den Folgen ihres Drogenkonsums gestorben, eine Zahl auf Rekordniveau. Besonders alarmierend ist der starke Anstieg unter jungen Menschen: Seit 2021 stieg die Zahl der Drogentoten unter 30 Jahren um mehr als 50 Prozent auf 528 im Jahr 2025. Bei den unter 20-Jährigen stieg sie nahezu auf das Doppelte (106). Damit ist inzwischen fast jeder vierte Todesfall dieser Altersgruppe dem Drogenkonsum zuzuordnen.

»Wir gehen davon aus, dass junge Menschen oft synthetische, hochpotente Drogen zu sich nehmen, von denen sie nicht wissen, wie genau sie wirken.«, sagt Eva Egartner vom Fachverband Drogen- und Suchthilfe fdr+. Deutschland stehe an einem »kritischen Punkt«. Besonders gefährlich sind dabei psychoaktive Medikamente wie Benzodiazepine oder opioidhaltige Schmerzmittel sowie gefälschte Tabletten, die mit hochpotenten synthetischen Opioiden versetzt sein können.

Auch insgesamt verändert sich der Drogenmarkt: Todesfälle durch Fentanyl, Ketamin, Cathinone sowie Kokain und Crack nehmen deutlich zu. Über 80 Prozent der Opfer starben nach Mischkonsum. Politik und Fachverbände fordern mehr Prävention, Therapieangebote, Drugchecking und bessere Frühwarnsysteme.

3. Ein Fall für die Anstalt

Tschechien darf Marla Svenja Liebich an Deutschland ausliefern. Eine jahrelang andauernde Justizposse dürfte damit ihr Ende finden. Im vergangenen August hätte der verurteilte Rechtsextremist eine Haftstrafe antreten müssen. Es war die Folge eines Urteils aus dem Juli 2023, als das Amtsgericht Halle (Saale) Liebich noch unter dem männlichen Vornamen Sven unter anderem wegen Volksverhetzung, übler Nachrede und Beleidigung für schuldig befand.

Im November 2024 nutzte Liebich das Selbstbestimmungsgesetz – man könnte auch sagen, nutzte es aus – und änderte den Geschlechtseintrag und den Namen. Angeblich, um zu verhindern, in ein Männergefängnis zu kommen. Liebich schwadronierte, dort müsse er um sein Leben fürchten.

In Wahrheit begann ein Katz-und-Maus-Spiel, bei dem er versuchte, Behörden und Medien zum Narren zu halten. Mehrfach wehrte sich Liebich wegen angeblicher Verletzung der Persönlichkeitsrechte als trans Person. Dabei war Liebich selbst dutzendfach mit queerfeindlichen Aussagen aufgefallen.

Die Behörden gestanden ihm dennoch zu, nach Änderung des Geschlechtseintrages die Haftstrafe von einem Jahr und sechs Monaten ohne Bewährung im Frauengefängnis in Chemnitz abzusitzen. Allerdings zog Liebich es vor, vor Haftantritt zu fliehen. Im April fasste die tschechische Polizei den Neonazi, der sich seither gegen eine Auslieferung wehrte.

Heute nun lehnte das Oberlandesgericht in Prag die Beschwerden des 55-Jährigen ab. Ab jetzt läuft eine zehntägige Frist, innerhalb derer Liebich nach Deutschland und hier voraussichtlich in die Justizvollzugsanstalt in Chemnitz gebracht werden muss. Ob er da bleibt, muss die Anstaltsleitung in Chemnitz entscheiden.

Meine Lieblingsgeschichte: The latest nation on earth

Für das US-Team wäre es sportlich ein Erfolg gewesen, unter die besten acht Nationen bei der Fußball-WM der Männer zu kommen. Wäre da nicht ihr Präsident gewesen. Donald Trump intervenierte bei Fifa-Chef Infantino wegen einer Roten Karte für Topspieler Folarin Balogun und beschädigte das Team damit unrettbar. Vergangene Nacht flog es gegen die Belgier raus, die danach über die US-Amerikaner lästerten. Mein Kollege Jonas Leppin war im Stadion. Es war »ein Spiel, in dem die US-Mannschaft nach zuvor vier erfrischenden Auftritten vollkommen desolat wirkte«, so Jonas.

US-Spieler nach dem WM-Aus

US-Spieler nach dem WM-Aus

Foto: Henry Rodenburg / Icon Sportswire / IMAGO

Was heute weniger wichtig ist

Melissa George 2021 in Cannes

Melissa George 2021 in Cannes

Foto: Brynn Anderson / AP / dpa

Baby one more time: Die »Grey’s Anatomy«-Schauspielerin Melissa George, 49, ist erneut Mutter geworden. Normalerweise hält sie ihr Privatleben aus der Öffentlichkeit raus. Doch nun postete sie auf Instagram gemeinsam mit der australischen Journalistin Kirstie Clements ein Bild, das George in Paris beim Stillen zeigt. »Von der Entbindungsstation direkt in eine Hitzewelle in Paris (mit einem Kleinkind … eine echte Herausforderung)«, schreibt Clements dazu. »Und nun auf zu einem unvergesslichen Roadtrip durch die Provence und an die Côte d’Azur.«

Hinweis in einem Edeka-Markt in Bochum

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Entdecken Sie hier noch mehr Cartoons.

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Foto: Thomas Plaßmann
 Wochen voller Hohn und Spott

Berti Vogts: Wochen voller Hohn und Spott

Foto: Sven Simon / IMAGO

Wenn Sie die aktuelle WM langweilt, könnten Sie historischen Fußball schauen: Heute Abend läuft um 20.15 Uhr in der ARD Folge vier der Doku »WM 1994 – Elf Helden, ein Albtraum«. Nach dem Viertelfinal-Aus gegen Bulgarien bei der WM 1994 lag der deutsche Fußball in Trümmern. Bundestrainer Berti Vogts wurde aus dem Trio mit vier Fäusten, Franz Beckenbauer, Lothar Matthäus und »Bild«-Zeitung, zur Spottfigur erklärt. In der Doku kommen eine Vielzahl der damaligen Spieler zu Wort: Matthias Sammer, Jürgen Klinsmann, Thomas Strunz (»Was erlaube Strunz...?«), Mario Basler, Stefan Effenberg, Bodo Illgner, Lothar Matthäus. Viele reden sich um Kopf und Kragen und demonstrieren auch 30 Jahre danach eindrücklich, wie überbordende Egos ein Gemeinschaftsgefühl sprengen können. (Lesen Sie hier die Rezension der Doku. )

Einen schönen Abend. Herzlich

Ihr Janko Tietz, Leiter des SPIEGEL-Nachrichtenressorts

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